Von Andreas Thieme
Studieren heißt für viele junge Leute nicht nur, höhere Bildung anzustreben. Ein Stück weit ist es auch Nestflucht. Doch wo unterkommen, wenn das «Hotel Mama» zu weit entfernt ist? Studentenwohnheim bieten Platz - für jeden Anspruch.
Fehlt das Geld für eine eigene Wohnung oder die passende Wohngemeinschaft (WG), ziehen viele Studienanfänger ins Studentenwohnheim. Davon gibt es laut Deutschem Studentenwerk (DSW) in Deutschland mehr als 1000 mit etwa 180.000 Zimmern.
Die Miete einschließlich Nebenkosten beträgt im Schnitt 190 Euro. «Vor allem Erstsemester und ausländische Studierende bewerben sich», sagt DSW-Sprecher Stefan Grob. Neben den geringen Mietkosten schätzten Bewohner besonders die Möglichkeit, sich in einer neuen Stadt orientieren und im Wohnheim erste Kontakte knüpfen zu können.
Zu diesem Zweck setzen viele Wohnheime inzwischen auf Tutoren-Programme: «Studenten, die schon länger im Wohnheim sind, kümmern sich dabei um die Neuankömmlinge», erklärt Ricarda Heubach vom Studentenwerk Berlin. Sie organisierten Kennenlernabende und Ausflüge, seien neben Studentenwerk und Wohnheim-Verwaltung aber auch Ansprechpartner, wenn jemand Probleme hat oder sich isoliert fühlt.
Für viele ist das Studentenwohnheim dennoch nur eine Übergangslösung für die ersten Semester. Jeder Zweite zieht laut dem DSW im Laufe des ersten Jahres wieder aus, in Großstädten sei die Fluktuation besonders hoch - teilweise wechseln dort vier von fünf Bewohner zum Semesterende. «Einige bleiben aber auch mehrere Jahre», sagt Heubach. Die Höchstgrenze liegt laut Grob zwischen sechs und acht Semestern, bei stark nachgefragten Objekten sind es nur vier.
Studentenwohnheime können dabei ganz unterschiedlich aufgeteilt sein: Von möblierten Apartments über WGs bis hin zu langen Fluren mit Einzelzimmern reicht die Bandbreite. Ausgestattet sind sie mit Bett, Schreibtisch, Regalen, einem Kleiderschrank sowie mit Elektroherd und Kühlschrank.
«Unmöblierte Zimmer sind die Ausnahme geworden», erklärt Grob. «Auch Mehrbettzimmer und Etagenduschen gibt es längst nicht mehr.» Stattdessen sei die Benutzung von Gemeinschaftsküchen inzwischen auf maximal vier Personen ausgelegt. Zudem stünden den Bewohnern in den Anlagen immer häufiger Waschmaschinen sowie Fitness-, Musik- und Gemeinschaftsräume zur Verfügung. Wichtig für den Alltag im Wohnheim seien aber auch individuelle Freiräume. «Jeder hat die Möglichkeit, in Ruhe zu lernen.»
Eine beliebte Wohnform sei die Wohnheim-WG, die meist über vier Zimmer plus Küche verfügt - annähernd jeder vierte Bewohner lebt auf diese Weise. Einen Platz erhält jedoch längst nicht jeder. «Der Bedarf an Unterkünften für Studierende kann durch Wohnheime immer noch nicht aufgefangen werden», sagt Sarina Schäfer vom Dachverband der Studentenschaften.
Einen Rechtsanspruch auf ein Wohnheimzimmer gibt es nicht. Interessenten sollten daher bei der Bewerbung für einen Wohnheimplatz flexibel bleiben und sich nicht nur auf ein Haus beschränken, rät Heubach.
Mittlerweile bauen die Studentwerke auch Wohnanlagen für Studenten mit gehobenen Ansprüchen. Bei Preisen bis zu 1000 Euro für Wohngemeinschaften und 550 Euro für Einzelappartments sei aber fraglich, ob das noch als Wohnraum für Studierende angesehen werden kann, sagt Schäfer. Ein derartiges Preisniveau verfehle die eigentliche Aufgabe der Studentenwohnheime. «Grundsätzlich sollte sich jeder Student jedes der vom Studentenwerk angebotenen Zimmer problemlos leisten können.»
Die bundesweit 58 Studentenwerke verfügen meist über eigene Websites, auf denen sich Bewerber über die Preise und die Ausstattung der Zimmer informieren können. Auch Fotos und Lagepläne lassen sich vielfach herunterladen, um einen genaueren Eindruck von der Anlage zu bekommen. Teilweise können Studenten sich sogar gleich online um ein Zimmer bewerben.
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