Die große Erneuerin des Tanztheaters, Pina Bausch, ist tot. Die weltberühmte Choreografin und Chefin des Wuppertaler Tanztheaters starb am Dienstagmorgen im Alter von 68 Jahren, wie die Sprecherin des Theaters mitteilte.
Die mit höchsten Preisen ausgezeichnete Bausch erlag einem Krebsleiden. Erst vor fünf Tagen sei die Erkrankung bei ihr festgestellt worden, sagte die Sprecherin. Noch am Sonntag vor einer Woche habe Bausch mit ihrem Tanzensemble im Wuppertaler Opernhaus auf der Bühne gestanden. Unter ihrer Leitung wurde das Wuppertaler Tanztheater, wo sie seit 1973 als Chef-Choreografin wirkte, weltberühmt.
Pina Bausch galt mit ihrem Ensemble seit Jahrzehnten international als eine der wichtigsten Vertreterinnen des deutschen Balletts. 1940 im nordrhein-westfälischen Solingen als Tochter eines Gastwirtes geboren, studierte sie bereits mit 14 Jahren bei Kurt Jooss an der Essener Folkwangschule. Nach ihrem Abschluss wechselte sie an die berühmte Juilliard School in New York. 1962 kehrte Bausch nach Deutschland zurück, wo sie zunächst in dem von Jooss neugegründeten Folkwang-Ballett tanzte.
Nur sechs Jahre später machte sie mit eigenen Choreografien auf sich aufmerksam. Als Direktorin des neugegründeten Tanztheaters Wuppertal, das fortan ihren Namen trug, schuf sie seit den 1970er Jahren rund 40 abendfüllende Werke und wurde mit internationalen Auszeichnungen und Preisen überhäuft. 2007 erhielt sie für ihr Lebenswerk in Tokio den Kyoto-Preis sowie den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig. 1982 übernahm sie eine Rolle in Federico Fellinis Film E la nave va. Einen eigenen Kinofilm brachte sie mit Die Klage der Kaiserin 1990 heraus.
Die ersten eigenen Choreografien Bauschs sind noch stark dem Modern Dance verpflichtet. Ab Mitte der 1970er Jahre änderte sie aber nach und nach ihren Stil und integrierte immer mehr Gesang, Sprache, Alltagsgesten und Pantomime in ihre Werke. Ihre Stücke handeln von persönlichen und gleichzeitig universellen Themen wie Angst, Tod, Liebe und Sehnsucht. Was die Menschen bewegt, das interessiere sie viel mehr als wie sie sich bewegten, sagte Pausch einmal.
In Wuppertal erregte sie zuerst mit ihren Tanzversionen von Gluck-Opern und Strawinskys Sacre du Printemps Aufsehen. Ihre radikale tänzerische Umsetzung der Bartok-Oper Herzog Blaubarts Burg (1977) wurde von einem wütenden Publikum seinerzeit mit Türenknallen quittiert. Choreografie, Kostüme und Musik der Bausch-Produktionen brachen radikal mit gängigen Vorstellungen. Getanzt wurde bei ihr mitunter in knöcheltiefem Wasser, auf Torf oder zwischen Plastiknelken. In der Öffentlichkeit nahm Bausch selten Stellung zu ihren Produktionen. Sie blieb bei Premierenfeiern lieber kettenrauchend im Hintergrund.
Bundespräsident Horst Kohler hat Pina Bausch als eine Tänzerin und Choreografin von Weltrang gewürdigt. Mit ihr verliere die Republik nicht zuletzt eine herausragende Repräsentantin der Kulturnation Deutschland, erklärte er in einem Kondolenzschreiben an den Sohn Bauschs. «Wir alle sind bestürzt über die Nachricht von ihrem frühen Tod», heißt es darin.
«Sie hat das moderne Tanztheater weltweit geprägt und mit ihren Choreographien, die international begeistert aufgenommen wurden, ästhetische Maßstäbe gesetzt», erklärte Köhler weiter. Dabei sei Wuppertal für Pina Bausch immer Heimat und Spielstätte geblieben. Die ungezählten Auszeichnungen, die ihr zuteilgeworden seien, zeugten von ihrem großen Lebenswerk.
Der Familie Bauschs sprach Köhler sein Beileid aus. «In dieser schweren Zeit wünsche ich Ihnen viel Kraft und die Gemeinschaft mit Menschen, die Ihnen mit Trost und Hilfe zur Seite stehen.» Bauschs Sohn Rolf Salomon ist 1981 zur Welt gekommen. Er stammt aus ihrer Verbindung mit dem Deutsch-Chilenen Ronald Kay.
nak/bla/news.de/dpa/apWollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?
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