Von news.de-Redakteurin Rieke Havertz
Eine nebensächliche Alltäglichkeit. Um es mit einem Wort zu sagen: Es gibt Dinge, über die es sich lohnt - und wenn alle so denken, dann ist es meist schon zu spät. Denken Sie einmal genau darüber nach. Heute: die Stille.
Künstliches Vogelgezwitscher vom Band auf der Restauranttoilette. Die Nachbarin aus dem oberen Stockwerk, die mit ihren Stöckelschuhen Rillen ins Parkett läuft. Das Surren der Fliege an der Balkontür. Das Mädchen mit dem aktuellen Klingelton-Abo in der Straßenbahn.
Keine Stille, nirgends. Scheinbar niemals.
Die Computertastatur, die laut klappert. Das Umschlagen einer Zeitungsseite im Wartezimmer. Der Lärm der Bauarbeiter, der bei offenem Fenster ins Büro weht. Das konstante Räuspern des Kollegen während einer Konferenz.
Keine Stille, nirgends. Aber wird sie überhaupt noch zugelassen?
Die Lieblingssongs auf dem iPod, der bei langen Zugfahrten nicht fehlen darf. Der Griff zur Fernbedienung, sobald die Haustür zufällt - auch wenn man gar nicht hinschaut. Das Klicken beim Schreiben einer SMS auf dem Weg zum Müllcontainer.
Keine Stille, nirgends. Wirklich?
Der Blick auf ein Gemälde in einem Museum. Die kleine Pause im Konzert zwischen dem ersten und zweiten Satz einer Sinfonie. Kopf unter Wasser in der Badewanne. Luft anhalten kurz vor dem Startschuss zum 100-Meter-Lauf.
Keine Stille, nirgends? Man muss sie nur wahrnehmen. Und sich mehr Räume für sie schaffen.
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