Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Die lieben Kollegen sind vieles, aber vor allem ein beliebtes Thema. Noch ein bisschen runder in der innerbetrieblichen Seifenoper geht es am 25. Juni zu: Zum «Kollege Hund»-Tag darf das Haustier mit auf die Arbeit. Zum Beispiel Churchill.
Das dicke Gesetzbuch beeindruckt diesen Churchill nicht. Er liegt seinem Herrchen zu Füßen und tut, was Hunde am liebsten tun: dösen. Vor dem Gesetzestext muss der Boxer tatsächlich keine Angst haben: Da steht nichts davon drin, dass Hunde nicht mit ins Büro kommen dürften. Schon gar nicht am 25. Juni. Denn heute ist der Aktionstag «Kollege Hund». Das hat der Deutsche Tierschutzbund verfügt, und wenn die Arbeitgeber mitspielen, dürfen Arbeitnehmer ihren Hund ausdrücklich dabei haben.
Natürlich ist das alles freiwillig und wohlwollend, und ebenso wird es aufgenommen. Wer oder was mit ins Büro kommt, steht tatsächlich in keinem Gesetzestext, sondern ist einzig die Entscheidung des Chefs. Egal, ob ohne Aktionstag oder mit. Nun ist Mirko Gründel einer der zwei Chefs in der Leipziger Kanzlei Petersen/Gründel. Heute hat er sich also selbst erlaubt, Kollegen Churchill mitzubringen. Auch seine Angestellten dürften natürlich. Aber nur Nicole Kliemand hat außer ihm noch einen Hund. Der aber ist nicht der Typ Kollege. «Er lebt auf dem Bauernhof. Das wäre für ihn eher Stress gewesen», sagt die Rechtsanwaltsfachangestellte.
Gründel findet es ziemlich schade, dass Churchill einziger Vertreter der Aktion bleibt. «Eine Idee dieses Tags war ja auch, dass die Hunde zusammen spielen können.» Nicht zu viel Aktion im Büro? «Es ist ja nur ein Tag.» Dauerhaft mit Kollege Churchill zur Arbeit zu erscheinen, das würde auch bei Petersen und Gründel nicht funktionieren. «Wir haben Publikumsverkehr, da kann es nicht sein, dass hier immer Hunde herumspringen», gibt er zu.
Kollegin Kliemand wendet sich gleich freudig dem Tier zu, als es in den Raum gewedelt kommt. «Das lockert alles ein bisschen auf, man wird kurz von der Arbeit abgelenkt», findet sie. Gegenüber sitzt Jana Biegel. Sie gehört zu den Kollegen, die Angst vor Hunden haben. Das teilt ihr Gesichtsausdruck mit, aber sie ist tapfer und möchte auch keine Spielverderberin sein. «Es ist okay. Ich gehe nicht auf den Hund zu, aber ich hätte auch nichts dagegen, wenn die Kollegen regelmäßig ihre Hunde mitbrächten. Vielleicht kann ich mich so auch eher daran gewöhnen, jetzt habe ich schon weniger Angst als heute morgen.» Kollege Hund schlägt Brücken.
2007 dachte sich der Deutsche Tierschutzbund den Aktionstag aus, zunächst nur in Bremen, seit vergangenem Jahr können sich Betriebe in ganz Deutschland anmelden. Mehr als 1000 sind diesmal dabei, in Leipzig aber ist Gründel der einzige, der seinen Hund zum Kollegen macht. Vorurteile gegen Hunde soll der Tag abbauen, die positiven Effekte hervorkehren. Gelegentliches Streicheln für entspannteres Arbeiten, Kollege Hund als Hochdruckgebiet im Betriebsklima?
Für Mirko Gründel ist das nicht der erste Versuch, die Arbeit lockerer anzugehen. In seiner Kanzlei gibt es auch den «casual friday», den saloppen Freitag. Da darf ein Anwalt ohne Anzug erscheinen, und auch schon mal mit Hund. Eine Frage muss sich der Hundefreund allerdings gefallen lassen: Dürfte, was Hund darf, auch Kind? «Ich fände es schlimm, wenn es dafür einen eigenen Tag geben müsste», sagt Gründel. «Es muss normal sein, dass das auch ohne Ankündigung möglich ist.»
Kinder im Büro, das gab es bei Petersen/Gründel mit 20 Mitarbeiten schon oft. In Ausnahmefällen, natürlich: wenn der Kindergarten geschlossen hatte oder die Schule ausfiel. «Alle freuen sich, wenn ein Kind da ist. Aber dann kann man natürlich nicht arbeiten. Nicht nur das Elternteil ist eingeschränkt, es bildet sich sofort eine Traube um das Kind», hat er festgestellt. Deshalb, und überhaupt, sei ein Büro kein geeigneter Ort für ein Kind. Churchill hingegen findet´s dufte. Nachdem er auch im Besprechungszimmer die Herkunft aller Gerüche erforscht hat, lässt er sich wieder fallen. Ein entspannter Kollege.
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Ich finde die Aktion genial und würde auch sehr gerne meinen Hund mit ins Büro nehmen können, der absolut bürotauglich wäre. Passend zum Thema gibt es wohl seit ein paar Wochen das Jobportal http://jobs-mit-hund.com und ich hoffe, dass sich dort viele hundefreundliche Arbeitgeber anmelden werden. Denn nicht jeder kann sich einen Hundesitter leisten oder hat einen Partner zu Hause, der sich um das Tier kümmern kann. Weiter so!
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