Von Janette Heidenreich
Als Bären, Wölfe und Luchse noch durch die Wälder strolchten, mussten sie sich miteinander arrangieren. Heutzutage werden die Raubtiere in Tierparks schön nach Arten sortiert. Der Naturpark Güstrow führt die Tiere jetzt ganz allmählich wieder zusammen.
Die beiden Bärenbrüder Fred und Frode tollen ahnungslos in ihrem Gehege im Natur- und Umweltpark Güstrow. Sie ahnen nicht, dass sie gerade dabei sind, zu Hauptdarstellern in einem europaweit einmaligen Projekt zu avancieren.
Im Park wird heute die 1,2 Millionen Euro teure «Raubtier-WG» eröffnet. Auf dem sechs Hektar großen Gelände teilt sich ein Rudel aus neun Wölfen zeitweise das Gehege mit den Bären und dann mit vier Luchsen. Doch das wird noch etwas dauern. «Man kann die Raubtiere nicht einfach wie Kühe in einem Gehege zusammentreiben», sagt Parkchef Klaus Tuscher. Der Umzug dauert ein paar Tage, um Stress zu vermeiden.
Alle Tiere müssen sich zunächst an ihre neue Umgebung gewöhnen. Bis zum 4. Juli, zur Feier des 50. Geburtstages des Naturparks, sollen erste Begegnungen ermöglicht werden. Zuerst dürfen die Wölfe das neue Gehege beschnuppern, dann die Luchse: «Ich bin gespannt, ob die Luchsdame mit ihren Kleinen alleine umzieht. Bei den großen Gehegen darf es kein Treiben geben, das mögen sie überhaupt nicht», sagt Tuscher. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Tiere gleich in die Bäume steigen.
Die gemeinsame Haltung in den Gehegen soll immer zeitweise erfolgen. An eine ganz große Raubtier-WG mit allen Tieren ist zunächst nicht gedacht. Wildkatzen werden zwar auch auf dem Areal gehalten, werden aber nie mit den anderen Raubtieren in Kontakt kommen.
Einzigartig an der Anlage seien die Größe der Gehege und die sogenannten Biotop-Fenster mit naturnahen Ausschnitten, erklärt Tuscher. Dies sind Bereiche, wo sich der Besucher sein Wissen erarbeiten muss. «Bei uns bekommt man nicht alles mundgerecht präsentiert wie in einem Zoo. Es ist gewollt, dass der Besucher über das Baumhaus klettert.» Auge in Auge sind die Besucher mit den Tieren, wenn sie in die Wolfshöhle hineingekrochen sind, allerdings geschützt durch eine Scheibe.
An solchen Stellen sollen die Besucherströme ausgedünnt werden. Gemeinsamer Treffpunkt ist der Palisadenhof, der wie ein slawisches Dorf aussieht: Außen mit Gittermatten verkleidet soll es den Kommunikationspunkt bilden. «Auf der einen Seite ist der Wolf, auf der anderen der Luchs», sagt Tuscher.
«Die Attraktivität des Parkes wird mit der Raubtier-WG weiter gestärkt» sagt der Güstrower Landrat Lutz da Cunha (SPD). Der Park sei ein weit über die Region hinaus bekanntes und beliebtes Ziel für Einheimische und Touristen. Der Ausbau wurde mit Geldern aus dem Konjunkturpaket II unterstützt. Für den Park besonders wichtig ist zudem, dass vom Radweg Berlin-Kopenhagen eine Abzweigung gebaut wird.
iwi/voc/news.de/dpa