Von news.de-Redakteurin Anwen Roberts
Nachdem der NDR Eva Herman als Moderatorin nicht weiterbeschäftigen muss, hat die Ex-Miss-Tagesschau jetzt online eine Talkshow auf der konservativen Internetplattform familyfair. Die heißt wie sie und ihr frauenfeindliches Manifest: Das Eva-Prinzip.
Eva Herman, Buchautorin und ehemalige «Tagesschau»-Sprecherin, wird jetzt statt im Fernsehen eine Talkshow im Internet führen. Sie kämpft weiter für ihr Lebensthema - die Familie. Die Online-Sendung trägt denselben Titel wie das Buch, das Herman die Kündigung vom NDR, verpatzte Talkshow-Auftritte und das Copyright für das Unwort des Jahres 2007, Herdprämie, bescherte: «Das Eva-Prinzip».
Hermans Sendung soll nun wöchentlich auf der Webseite von familyfair zu sehen sein, einer neuen «Internetplattform von Familien für Familien», wie die Betreiber der Seite vergangene Woche mitteilten. In ihrem Talk will sie mit prominenten Gästen über aktuelle familienbezogene Themen reden, darunter Karl Dall und Klaus Meine von den Scorpions. Betreiber des Portals ist der in Hamburg ansässige Verein Familie Direkt, ein Konglomerat aus evangelikalen Abtreibungsgegnern, erzkonservativen Familien-Lobbyisten und deren Sympathisanten.
Vereinsvorsitzende Maria Steuer ist zugleich die Vorsitzende des Vereins Familiennetzwerk, ihr Stellvertreter Manfred Libner ist Geschäftsführer der Stiftung Ja zum Leben. Hartmut Steeb, Vorsitzender des Treffens Christlicher Lebensrechtsgruppen und Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz gehört ebenfalls zum Vereinsvorstand.
So sind auch die Themen der Seite nur unschwer als ideologisch gefärbter Familienlobbyismus zu erkennen, der Hausfrauentätigkeit und Mutterglück hochschreibt, Erwerbstätigkeit und Krippenplätze dagegen verteufelt. Das mehr als konservative Frauenbild richtet sich vor allem gegen die feministische Bewegung - die sei schließlich auch für den Geburtenrückgang in Deutschland verantwortlich.
Mit der Veröffentlichung ihres Buches «Das Prinzip Arche Noah» war Eva Herman 2007 wegen Äußerungen zur Familienpolitik der Nazizeit in die Kritik geraten. Daraufhin kündigte der Norddeutsche Rundfunk das Arbeitsverhältnis mit ihr auf. Im September 2007 verließ Herman nach einer hitzigen Debatte über ihre Bücher vorzeitig Johannes B. Kerners ZDF-Talkrunde.
Nach dem Aus beim NDR habe sich der «Kontakt zu Familie Direkt» ergeben, sagte Eva Herman der Illustrierten «Bunte». Eva Hermans neuer Job lässt sich offenbar besser mit dem Mutterglück in Deckung bringen als das oberflächliche Fernsehbusiness. Dennoch will sie den Rechtsstreit mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber fortsetzen.
Das Hamburger Landesarbeitsgericht hatte Hermans Klage gegen ihre Entlassung zwar Anfang April abgewiesen und erklärt, als freie Mitarbeiterin gelte der Kündigungsschutz nicht für sie, eine Revision wurde auch nicht zugelassen. Herman sagte aber der «Bunten», dass sie Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesarbeitsgericht in Erfurt eingereicht habe.
Weiterführende Links:
Studie: Arbeitende Mütter sind glücklicher
Eva Herman kehrt nicht zur Tagesschau zurück
Aus dem Netz:
Der Spiegel über den Lobbyverband Familiennetzwerk
Seufz.. alles muss man selber machen - Desirée Nicks Replik auf Eva Herman von 2007 im Tagesspiegel
kat/news.de/dpa/apWollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?
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