Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Eigentlich war sie eine Hommage an Königin Margherita: Vor 120 Jahren warf ein Bäcker die Farben der italienischen Flagge in Form von Basilikum, Mozzarella und Tomate auf Hefeteig - und schuf ein Gebäck, dass noch heute die einzig wahre Pizza ist.
«Es gibt eine Pizza, da ist nur Tomate, Käse und Basilikum drauf. Das ist die beste. Sie heißt Margherita», will ein Süditaliener seine deutsche Freundin aufklären. Dass auch in Deutschland «Pizza Margarita» seit langem eine Lebensphilosopie ist, kann der junge Mann kaum fassen. Denn für die Einheimischen ist die «Margherita» noch immer ihre ureigene Pizza.
Vor 120 Jahren gab sich Umberto I. in Napoli die Ehre. Eine Pizza solle er dem König und seiner Frau servieren, hatte die stolze Stadt ihren Vorzeige-Pizzaiolo Raffaele Esposito beauftragt. Der fackelte nicht lange und legte Italiens Farben auf den dünnen Teig: Grün wie frisches Basilikum, Weiß wie Mozzarella-Käse und Rot wie Tomate. Damit brachte er zum ersten Mal Käse auf die Pizza.
Das innovativ-patriotische Hefegebäck nun nach dem Herrscher «Pizza Umberto» zu nennen, wäre allerdings reichlich unitalienisch gewesen. Außerdem ist Pizza weiblich – und so wurde die Pizza aus Neapel zur Hommage an Königin Margherita. Das war genau vor 120 Jahren, und deshalb hat Napoli die Szene der Pizzaübergabe mit großem Brimborium nachgestellt - Pizzaduft inklusive.
Pizza ohne Käse gab es in Süditalien schon seit Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Tomate populär wurde: ein Teig mit Olivenöl, Tomatenscheiben und Basilikum. Pizzen ohne Tomaten sind in Apulien und Kalabrien, den beiden Regionen im Stiefelabsatz, noch viel älter und wurden einfach mit Öl, Zwiebeln, Salz oder Schweineschmalz schmackhaft gemacht. Der Antike bereits entstammt die Focaccia, ein knuspriges Fladenbrot, das bis heute mit halben Tomaten und Öl auskommt – und nach Ansicht des süditalienischen Freundes selbst der Margherita noch den Rang abläuft.
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