800 Gramm Tigerchen, das ist nicht viel. Zu wenig für den tierischen Überlebenskampf, doch weil die Raubkatze im Ascherslebener Zoo geboren ist, hat sie menschliche Ersatzeltern gefunden. Jetzt wiegt sie vier Kilo und steht erstmals in der Öffentlichkeit.
Die Bild-Zeitung hat sie schon «Tiger-Knut» getauft. Dabei ist das kleine weiße Tigerchen ein Mädchen. «Niedlich!» ist das gestreifte Fellbündel allerdings auch, und dass Bengaltiger-Mama Kiara und -Papa Karim nichts von ihm wissen wollen, ruft ebenso wie bei Eisbär Knut wohlwollende Beschützerinstinkte wach.
Lange bevor am Sonntag die Ascherslebener Öffentlichkeit das Tigermädchen in ihrem Zoo bestaunen durfte, sind Rita Kahl und ihr Lebensgefährte, Zoodirektor Dietmar Reisky, ihrem Instinkt gefolgt. Am 5. April hatte Kiara vier Babys geworfen, die sie einfach in der Höhle auf dem Freigelände liegenließ - Frühgeburten, zu klein und schwach zum Überleben.
Als die Menschen die Neugeborenen fanden, war eines schon tot, und auch zwei weitere starben in den nächsten Tagen. Keines der Tigerchen wog mehr als 800 Gramm, das ist die Hälfte des Normalgewichts für neugeborene Tiger.
Nur das noch namenlose Mädchen nahm die Ersatzmilch an, die ihm Kahl und Reisky aus der Flasche servierten. Alle drei Stunden muss sie gefüttert werden, da unterscheidet sich ein Tiger- nicht vom Menschenbaby. Und an den zerkratzten Unterarmen seiner menschlichen Ersatzeltern ist zu sehen, dass auch ein neugeborenes Raubtier nicht von früh bis spät sanft schlummert.
In zwei Monaten haben die beiden ihren kleinen Haustiger auf vier Kilo gepäppelt - genug, um der Öffentlichkeit den Nachwuchs zu verraten und ihn vorzustellen. Wann er aus dem Privathaus seiner Pfleger in den Zoo umzieht, können die jedoch noch nicht sagen. Sie wollen die Katze auf keinen Fall zum Kuscheltier verziehen, aber über den Berg ist der weiße Tiger noch nicht, betont Zoodirektor Reisky. Denn das Immunsystem ist in den ersten zehn Lebenswochen noch nicht entwickelt.
Mindestens ein Jahr lang soll das Tigerchen im Ascherslebener Zoo bleiben. Was dann mit ihm passiert, ist noch unklar. Auf jeden Fall aber soll es mit seinen Artgenossen zusammenleben, betonen Rita Kahl und Dietmar Reisky.
Weiterführende Links:
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Eisbär Knut: Das Fell ist beige und hat die Unschuld verloren
Eisbärfamilie: Neuer Papa für Knut