Zehn Prozent aller Wege machen Deutsche mit dem Fahrrad. Das ist ein bisschen mehr als vor sieben Jahren, aber noch immer viel weniger als im Radfahrerstaat Niederlande. Ein Plan des Verkehrsministeriums will den Umstieg auf den Drahtesel fördern.
Die Deutschen schwingen sich immer öfter aufs Fahrrad. Im vergangenen Jahr benutzten sie für zehn Prozent aller Wege den Drahtesel. Im Vergleich zum Jahr 2002 stieg die Radnutzung um 17 Prozent. Das geht aus ersten Ergebnissen der Studie «Mobilität in Deutschland 2008» des Bundesverkehrsministeriums hervor.
Auch wenn die Deutschen im Vergleich zu anderen Ländern gerne Rad fahren, kommen sie noch lange nicht an klassische Radfahrernationen heran: Laut Ministerium nutzen die Niederländer für 27 Prozent aller Wege das Rad, in Dänemark sind es immerhin 18 Prozent. In Deutschland stieg der Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Wege von 2002 bis 2008 nur leicht von neun auf zehn Prozent.
Genug immerhin, um sich im Fahrradhandel niederzuschlagen. Laut Statistischem Bundesamt machte der Fahrradeinzelhandels 5,2 Prozent mehr Umsatz als 2007 - entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend beim Einzelhandel.
Ob die gestiegene Lust aufs Radfahren auch mit den gestiegenen Kraftstoffpreisen zu tun hat, lässt sich laut Bundesverkehrsministerium aus der Studie, die voraussichtlich im Spätsommer veröffentlicht werden soll, noch nicht ablesen. Man könne nur sagen, dass im vergangenen Jahr trotz der gestiegenen Kraftstoffpreise kein abnehmender Mobilitätseffekt erkennbar sei, sagte ein Sprecher. Insgesamt seien alle Verkehrsmittel stärker genutzt worden.
Bei den öffentlichen Verkehrsmitteln gab es von 2002 bis 2008 einen Zuwachs um 14 Prozent, damit wurden neun Prozent aller Wege mit Bus oder Bahn zurückgelegt. Mit Fahrrad, Bus und Bahn wurden laut Ministerium im Vergleich zum Pkw täglich knapp 10.000 Tonnen C02 eingespart. Zwar nutzen die meisten Verkehrsteilnehmer nach wie vor Autos oder Motorräder, insgesamt sind sie jedoch weniger geworden.
Etwas verhaltene Freude herrscht beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC). Der Nationale Radverkehrsplan des Verkehrsministeriums will bis 2012 den Umstieg aufs Rad fördern: «Das Ziel war eigentlich, den Anteil von neun Prozent zu verdoppeln - da ist ein Anstieg um ein Prozent in sechs Jahren kein wirklicher Erfolg», sagte ADFC-Sprecherin Bettina Cibulski.
Doch nachdem die Kampagne mühevoll angeschoben wurde, laufe es jetzt besser. Cibulski beobachtet derzeit einen Trend zum Radfahren. Das liege zum einen an der Klima-Debatte, daran, dass die Menschen weniger Geld hätten und auch am Gesundheitsaspekt. «Das muss weitergehen und darf nicht 2012 zu Ende sein», forderte Cibulski.
iwi/nak/news.de/ap