Schummeln macht einem Studenten das Leben manchmal einfacher. Doch nur im ersten Moment. Fliegt die Sache auf, hat mancher seine Zukunft leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Das kann für das Studium schwerwiegende Folgen haben.
Per Internet ist der Zugriff auf wissenschaftliche Arbeiten inzwischen ein Kinderspiel - und die Versuchung, einfach Passagen herauszukopieren, groß. Wer dann die Quelle nicht angibt und erwischt wird, kann sich im schlimmsten Fall von seinem Studium verabschieden.
«Bei wissenschaftlichen Arbeiten müssen Zitate und Übernahmen von Gedanken oder Argumenten aus anderen Werken immer mit einer Quelle belegt werden», erklärt Professor Bernd Blöbaum vom Institut für Kommunikationswissenschaft in Münster. Zwar seien die Motive für das Plagiieren nachvollziehbar, sagt Sebastian Sattler, der an der Universität Bielefeld zu dem Thema geforscht hat. «Studenten erhoffen sich bessere Noten und einen geringeren Zeitaufwand», sagt der Soziologe.
Doch wer erwischt wird, muss schwere Strafen fürchten. In der Studienordnung der Universität Konstanz etwa steht, dass Plagiatoren ihren Prüfungsanspruch verlieren. In schweren Fällen würden sie sogar den Anspruch auf eine Wiederholungsprüfung verlieren. «Das kommt einer Zwangsexmatrikulation gleich», warnt Karina Dudek von der Hochschulrektorenkonferenz in Bonn.
«Im Fall eines Plagiats liegt zunächst eine Urheberrechtsverletzung vor», erklärt Rechtsanwalt Hauke Scheffler aus München. Bleibt das Plagiat beim Examen unbemerkt und wird erst nach dem Berufsstart nachgewiesen, könne es sich sogar um Betrug handeln.
«Das ist der Fall, wenn der Arbeitgeber bei der Einstellung davon ausgeht, dass ein rechtmäßig erworbenes Examen vorliegt», erläutert Scheffler. Eine Entlassung und Schadensersatzforderungen seien mögliche Folgen. Zudem drohen zivilrechtliche Schritte wegen des Vergehens der Täuschung.
Entdeckt ein wissenschaftlicher Autor geklaute Passagen seiner Texte in anderen Publikationen, könne er auf Unterlassung klagen. Schlimmstensfalls würden den Plagiatoren Hochschultitel aberkannt, sagt Dudek. Die Menge der irregulären Textübernahme spielt nur eine untergeordnete Rolle, erklärt Stefan Weber, Buchautor und Medienwissenschaftler an der Technischen Universität Dresden. «Als Wissenschaftler oder Absolvent vergisst man Anführungszeichen nicht einfach.»
Weber spricht von einer regelrechten Betrugskultur, die sich unter manchen Studenten ausbreite: «Durch das Kopieren anderer Texte aus dem Internet erstellen Studenten in Abschlussarbeiten häufig nur noch Web-Collagen», glaubt er. Die eigentliche Forschung verkomme so zum bloßen Recyceln früherer Wissenschaftserkenntnisse. Innovationen blieben auf der Strecke, wenn nur noch abgeschrieben wird.
Webers Rechnung zufolge gibt es mehrere tausend Fälle, in denen bei Abschlussarbeiten abgekupfert wurde. Allerdings würden die Vergehen nur selten aufgedeckt. «Die Universitäten sind in diesem Zusammenhang auch darauf bedacht, ihren guten Ruf zu wahren», sagt Weber.
Professor Blöbaum will Abschreiber nicht gleich als vorsätzliche Betrüger abstempeln. Persönliche Probleme wie Krankheit oder Zeitnot seien oft Gründe dafür, dass die Angabe von Quellen in Textpassagen einer Arbeit fehlten.
Der Kommunikationswissenschaftler versucht in solchen Fällen zunächst, in einem persönlichen Gespräch die Hintergründe zu klären. «Die Grundlage für eine wissenschaftliche Zusammenarbeit ist immer noch Vertrauen», sagt Blöbaum.
Viele Universitäten setzen mittlerweile spezielle Software ein, um Abschreibern auf die Schliche zu kommen. Ein Texterkennungsprogramm durchforstet dabei das Internet und spürt so verdächtige Inhalte auf. Die Software könne die eigenhändige Überprüfung allerdings nicht ersetzen, schränkt Medienwissenschaftler Stefan Weber ein. «Der Erfolg ist begrenzt.» Die Möglichkeiten des Betrugs seien mittlerweile weiter fortgeschritten als die der Kontrolle.
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