Als größten Weckruf aller Zeiten hatte ein Jury-Mitglied der Talentshow «Britain´s Got Talent» Susan Boyle bezeichnet. Doch am Ende hat es nicht gereicht für die Hausfrau mit der großen Stimme. Nach ihrer überraschenden Niederlage ist sie zusammengebrochen.
Die stimmgewaltige 48-jährige Amateursängerin unterlag am Samstagabend vor mehr als 19 Millionen TV-Zuschauern der elfköpfigen Tanzgruppe «Diversity». Am Sonntagabend kam sie mit einem Krankenwagen in die Klinik. «Susan ist erschöpft und emotional ausgelaugt», sagte ein Sprecher der Sendung. Sie brauche ein paar Tage, um sich zu erholen. Das Krankenhaus äußerte sich nicht zu Boyles Verfassung.
Der überraschende Sieg für «Diversity» bringt den Street-Dancern ein Preisgeld von 100.000 Pfund (rund 114.000 Euro). Zudem darf die Gruppe vor Queen Elizabeth II. bei der königlichen Royal Variety Show tanzen.
Boyle war als Favoritin in die Schlussrunde mit zehn Teilnehmern gegangen, die TV-Zuschauer wählten sie aber nur auf Platz Zwei. Mit der getragenen Präsentation des Liedes I Dreamed A Dream aus dem Musical Les Miserables konnte sie in der Gunst des Publikums nicht mit der dynamischen und akrobatischen Tanzshow von «Diversity» mithalten.
Insgesamt beteiligten sich vier Millionen TV-Zuschauer an der Telefonabstimmung. «Diversity» bekam fast 25 Prozent der Stimmen, auf Boyle entfielen gut 20 Prozent. Die 48-Jährige zeigte sich vor dem Kameras als faire Verliererin: «Die besten haben gewonnen.» Hinter den Kulissen soll sie nach Medienberichten aber geflucht und einen Mitarbeiter der Sendung mit Wasser begossen haben.
In einer Vorausscheidung waren Boyle und «Diversity» vor knapp einer Woche schon einmal aufeinandergetroffen. Beide qualifizierten sich für das Finale, Boyle hatte damals aber mehr Stimmen bekommen. Zum Finale rissen die «Diversity»-Tänzer mit ihrer fesselnden Choreographie voller Knalleffekte und Break-Dance-Anteilen das Publikum im Saal jedoch von den Stühlen und ließen die Juroren ins Schwärmen geraten.
Boyle war bis zuletzt der Star der Casting-Show. Die unförmige Schottin, die selbst von sich behauptet, noch Jungfrau zu sein, hatte im April mit ihrem ersten Auftritt weltweit Berühmtheit erlangt. Nicht nur überraschte sie mit ihrer Sangeskunst die zunächst spottende Jury. Sie konnte auch im Internet eine enorme Fangemeinde hinter sich versammeln. Das Video ihres ersten Auftritts wurde auf dem Portal YouTube mehr als 100 Millionen Mal angeklickt. Wegen ihrer krausen Frisur gaben Boulevardmedien ihr den Spitznamen «Hairy Angel» (Haariger Engel).
Trotz der überraschenden Finalniederlage muss sich Boyle aber keine Sorgen um ihre Zukunft machen. Durch ihren TV-Ruhm dürfte sie reich werden, nach unterschiedlichen Medienangaben winken ihr zwischen fünf und acht Millionen Pfund. So soll Boyle vor dem Abschluss eines Plattenvertrags stehen, zu Weihnachten soll ein Buch über sie erscheinen, hinzu kommen Bilderrechte, TV-Auftritte und möglicherweise sogar ein Gesangsengagement in einer Show im Londoner Westend.
Boyles Aufstieg erinnert an die Karriere des britischen Tenors Paul Potts, der ebenfalls durch die Talentshow auf ITV bekanntwurde. Klein, untersetzt, mit schiefen Zähnen war er angetreten, um Opernsänger zu werden und hatte zunächst abschätzigen Bemerkungen geerntet. Im Gegensatz zu Boyle gewann Potts die Casting-Show, wurde Werbestar, nahm eine Platte auf und tourt nun durch die Welt. Sein Vermögen wird mittlerweile auf fünf Millionen Pfund geschätzt.
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