Atomic Eden auf Kino-Tour 2018: In Tschernobyl wird scharf geschossen!

Mit "Atomic Eden" erfüllte sich der deutsche Regisseur Nico Sentner den lange gehegten Traum vom eigenen Actionfilm. Das Ergebnis hatte am 21. Juli 2018 Deutschlandpremiere und wir waren live vor Ort.

Fred Williamson (oben) gibt den Anführer einer Truppe Söldner, die es in Tschernobyl krachen lässt. Bild: Generation X Group GmbH

In Deutschland einen Actionfilm drehen zu wollen, wird von den Geldgebern zumeist nur müde belächelt. Nico Sentner erfüllte sich dennoch seinen Traum vom eigenen Actionfilm und präsentierte ihn am 21. Juli 2018 in der "Zuckerfabrik" in Halberstadt einem dankbaren Publikum.

Der deutsche Actionfilm existiert nicht

Eine Bestandsaufnahme in Sachen deutscher Actionfilm ist genauso kurz wie prägnant: Es gibt ihn einfach nicht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Der gewichtigste ist, dass deutsche Filmverleiher die Sucht der Deutschen nach adrenalingetriebener Spektakelkost komplett mit Importen abdecken. Egal ob aus Frankreich ("The Transporter 1-3" oder "96 Hours 1-3"), England ("Dredd"), Amerika ("hier gerne einen Actiontitel Ihrer Wahl eintragen") oder gar Indonesien ("The Raid 1+2").

Die deutschen Filmproduzenten wissen natürlich um diesen Fakt und machen darum einen großen Bogen um Action. Stattdessen gehen sie lieber auf Nummer sicher mit noch irgendeinem Drama aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges oder einer seichten Komödie. Man will ja kein Geld verbrennen. Das Tragische: Die Infrastruktur für gute Actionfilme wäre da! Nicht umsonst drehen beispielsweise die Amerikaner gerne in Deutschland. Denn hier sind nicht nur die Drehs billiger, man kann auch direkt auf fantastische deutsche Stunt-Teams zurückgreifen.

Mike Möller, "Plan B" und das "Immigration Game" – Independent Action aus Deutschland

Doch nicht alle sind so feige wie die etablierten Produzenten und deutschen Studios. Einer der bekannteren Namen dieser Entwicklung ist Mike Möller. Ein Thüringer, der mit Filmen von Schwarzenegger und Stallone groß geworden ist. Der Bruce Lee, Donnie Yen und Jackie Chan bewunderte und nicht nur deshalb mit Kampfsporttraining anfing.

Fred Williamson (r.) geleitet bei der Deutschlandpremiere von "Atomic Eden" die Mutter (m.) des Regisseurs Nico Sentner (l.) über den Roten Teppich. Bild: pap/news.de

Irgendwann stand er dann als Stuntman vor der Kamera. Fand hierin seine Passion und drehte bald mit all seinen Vorbildern. Doch Möller zog es nach kleinen Nebenrollen als Fighter X in Szene B noch mehr vor die Kamera. Also drehte er in vierjähriger Wochenendarbeit als Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion den Film "Street Gangs". Keine Oscarware. Aber in Sachen Action ließ er es scheppern. Dem Beispiel folgten Can Aydin, Cha-Lee Yoon und Phong Giang und stellten mit "Plan B: Scheiß auf Plan A" eine liebevolle Hommage an die 80er und 90er Jahre auf die Beine, die es sogar in Deutschland auf die große Leinwand brachte! Auch und vor allem dank brettharter Kampfeinlagen.

"Immigration Game" von Krystof Zlatnik, der sich bereits mit dem deutschen Filmfestival "Genrenale" für ein deutsches Genrekino stark gemacht hatte, schaffte ebenfalls den Sprung in die deutschen Kinos. Die finstere und kontrovers diskutierte Dystopie zeigte ein sich abschottendes Deutschland, das nur noch die Flüchtlinge aufnimmt, die ein tödliches Spiel überleben. Der kampferprobte Hauptdarsteller Mathis Landwehr ("Lasko") ist im Übrigen ein guter Freund von Mike Möller. Mike legte auch in "Plan B" einen viel umjubelten Auftritt hin. Und Mike Möller ist nun auch in "Atomic Eden" dabei.

"Atomic Eden" präsentiert Dauergeballer in Tschernobyl

"Atomic Eden" ist das Langfilmdebüt des deutschen Regisseurs Nico Sentner. In Tschernobyl liefert sich hier eine Handvoll Söldner ausgiebige Feuergefechte mit weiß gewandeten, vollmaskierten Angreifern. Dabei geht es, der Titel deutet es an, um die Abwendung einer atomaren Bedrohung.

Das Ergebnis ist ein Film, dem man die Liebe seines Machers zum Genre in jeder Filmsekunde ansieht. Er hat die Klischees des Söldnerfilms verinnerlicht und kombiniert sie mit einer Belagerungssituation à la "Das Ende" von John Carpenter. Dabei geht es in keinster Weise um hohe Filmkunst oder irgendwelche wichtigen Aussagen. "Atomic Eden" hat nur einen Anspruch: Krachen soll es. Und das tut es.

Das wird für den Mainstream-Actionfan aus gutem Grund alles ein wenig zu "billig" anmuten und hier und da macht Langfilmdebütant Sentner auch diverse Fehlerchen (so ist sein Film ab und an arg schleppend im Tempo), aber ein offenes Publikum kann dank handgemachter, schön blutiger Spezialeffekte, leckerer Babes und kerniger Kerle mit ebensolchen Sprüchen auch eine Menge Spaß mit dem Film haben.

"Atomic Eden" ist komplett unabhängig finanziert und entstanden

Entstanden ist "Atomic Eden" ohne irgendeine deutsche Filmförderung im Rücken. Der Regisseur musste lange Klinken putzen und sich bei den Finanziers durchbuckeln. Letzten Endes unterstützten ihn beispielsweise ein Pizzaladen, ein Küchenhersteller und ein Kinopark aus der Region, in der er lebt, bei seinem Unterfangen. Seine eigene Mutter besorgte derweil das Catering von teilweise bis zu 200 Mann, die bei den Dreharbeiten vor Ort waren. Und große Namen wie Fred Williamson spielten gar für lau mit.

Ok, ok, ok, großer Name ist relativ. Doch in den 70ern war Williamson eine Legende des Blaxploitationkinos ("Hammer"). Und Fans von "From Dusk Till Dawn" werden seinen kultigen Auftritt als Frost in der Splattersause nie vergessen. Zudem spielt auch Lorenzo Lamas in "Atomic Eden" mit. Den Schönling kennen manche sicher noch aus der Weinbergsoap "Falcon Crest". Oder aus der Actionserie "Renegade".

Regisseur Nico Sentner geht mit "Atomic Eden" in Deutschland auf Kinotour

Das Schöne: Für Nico Sentner endete die Reise nicht mit der Fertigstellung seines Filmes. Stattdessen geht er nun mit "Atomic Eden" in Deutschland auf Kinotour! Im Gepäck: Fred Williamson, der als Rampensau die Deutschlandpremiere in Halberstadt vollkommen an sich riss! Halberstadt? Ja, genau die Stadt, in der der Kinopark steht, der Sentner unterstützte – "Die Zuckerfabrik". Und genau die Stadt, die in unmittelbarer Schlagdistanz der Drehorte des weitgehend in Ostdeutschland gedrehten Filmes liegt. So doubelte beispielsweise ein ehemaliger volkseigener Betrieb in Wegeleben Tschernobyl!

Regisseur Nico Sentner stellt bei der Deutschlandpremiere von "Atomic Eden" Cast und Crew des Streifens vor und erzählt Anekdoten vom Dreh. Bild: pap/news.de

"Atomic Eden" erlebte in Halberstadt eine im besten Sinne kleine Deutschlandpremiere

Die Premiere in Halberstadt hatte wirklich etwas Beruhigendes. Es gab keinen Stress. Kein Gezerre. Keine wilde Pressemeute. Alles wirkte komplett entschleunigt. Die anwesenden Stars unterhielten sich in aller Ruhe mit den Fans. Williamson ließ eine Anekdote nach der anderen vom Stapel und der Regisseur bedankte sich beinahe demütig bei allen, die ihm bei der Verwirklichung seines Traumes geholfen hatten. Leider war Mike Möller nicht vor Ort. Der machte dafür den Low-Bugdet-Actionfilm mit seinen krachenden Martial-Arts-Einlagen mal wieder im Alleingang zum Ereignis. Und Mike Möller auf der großen Leinwand wirbeln zu sehen, das hat schon was!

Ein deutscher Actionfilm benötigt mutige Vorreiter

Am Ende des Premierenabends bleibt die Erkenntnis, dass es den deutschen Actionfilm per se nicht geben mag, es aber dankenswerterweise noch ein paar Mutige wie Mike Möller oder Nico Sentner gibt, die nicht aufstecken. Die All In gehen und sich selbst ihren Traum vom eigenen Actionfilm erfüllen.

Blaxploitation-Legende und "From Dusk Till Dawn"-Kultstar Fred Williamson signiert ein Mediabook von "Atomic Eden". Bild: pap/news.de

Werden Sie Zaungast bei der Kinotour von "Atomic Eden"

Die Kinotour wird

  • am 28. Juli 2018 um 18 Uhr in den Schiller Lichtspielen in Hann. Münden und
  • am 29. Juli 2018 um 19 Uhr im Hansekino Syke in Syke

fortgesetzt. Im August sollen weitere Termine folgen (Wir halten Sie auf dem Laufenden). Vor Ort können Sie den Regisseur Nico Sentner und den Hauptdarsteller Fred Williamson kennenlernen. Zudem haben Sie die Möglichkeit, den Film direkt nach der Kinovorführung in einem stylischen Mediabook zu erwerben und sich selbiges von den anwesenden Stars signieren zu lassen. Ein tolles Goodie für echte Filmfans.

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pap/kns/news.de

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