Paul Verhoeven: Karriere-Tiefpunkt? "Showgirls" ein Flop - und Verhoeven holt "Goldene Himbeere" persönlich ab

Der holländische Regisseur Paul Verhoeven ist Chef der diesjährigen Berlinale-Jury. Bild: Remko De Waal/ANP/dpa

Ähnlich erfolgreich an den Kassen war Paul Verhoeven nie wieder. "Showgirls" (1995), sein mit expliziten Gewalt- und Sex-Szenen gespicktes Drama um eine Tänzerin in Las Vegas, fiel beim Publikum durch. Verhoeven bekam dafür mehrere "Goldene Himbeeren" für die schlechtesten Filme des Jahres. Wobei er sich sportlich gab: Der charmante Mann holte die satirisch gemeinte Ehrung als erster Regisseur überhaupt persönlich ab.

Nach zwei weiteren künstlerisch nicht sonderlich erfolgreichen Filmen ging Verhoeven in seine Heimat und arbeitete 2006 ein traumatisches historisches Kapitel filmisch auf, die deutsche Besatzung der Niederlande. In "Schwarzbuch" erzählt er die Geschichte einer Jüdin (Carice van Houten), die während des Zweiten Weltkrieges eine Liebesbeziehung mit einem SS-Offizier (Sebastian Koch) hat. Der Film gegen alle Klischees von den nur guten Widerstandskämpfern und den nur schlechten Deutschen wurde ein großer Kritikererfolg.

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zurück Weiter Vom Cowboy zum Mongolen-Fürst: Die größten Fehlbesetzungen Hollywoods (Foto) Foto: (M) Denis Makarenko/Shutterstock.com/ Warner Home Entertainment/spot on news Kamera

"Elle" mi Isabelle Huppert startet in Deutschland während der Berlinale

Zuletzt kam seine französisch-deutsch-belgische Produktion "Elle" heraus. Der Thriller um eine Frau (Isabelle Huppert), die auf sehr ungewöhnliche Weise mit ihrem Vergewaltiger umgeht, wurde seit der Uraufführung beim Filmfestival von Cannes im Mai vorigen Jahres weltweit mit Auszeichnungen überschüttet. Isabelle Huppert gilt vielen als aussichtsreichste Kandidatin für die Auszeichnung mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin. In Deutschland startet der Film am 16. Februar, während der Berlinale, in den Kinos.

Verhoeven, jetzt 78, hat noch viele Pläne. Sein ehrgeizigster: die Adaption seines eigenen Bestsellers "Jesus: Die Geschichte eines Menschen" aus dem Jahr 2009. In dem Buch wird Jesus als Revoluzzer gezeigt. Auch hier gibt es zahlreiche provozierende Gewaltdarstellungen. Am Beginn etwa steht eine Vergewaltigung Marias durch einen römischen Soldaten. Konservative Christen in den USA haben mit Empörung reagiert, Kritiker mit Verwirrung. Ein Geldgeber für eine Verfilmung hat sich bisher nicht gefunden.

Trotz Skandalen: Paul Verhoeven nun Jury-Präsident der Berlinale

Jetzt leitet Paul Verhoeven als erster niederländischer Jury-Präsident die Wettbewerbsjury der 67. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Man darf gespannt sein, ob die von ihm angeführten Juroren, darunter auch die deutsche Schauspielerin Julia Jentsch ("24 Wochen"), am Ende der Filmfestspiele mit ungewöhnlichen, gar schockierenden Entscheidungen überraschen. Bei der Berlinale entscheidet die siebenköpfige internationale Jury über die Vergabe der begehrten Bären-Preise. Die drei Frauen und vier Männer müssen in zehn Festivaltagen die achtzehn nominierten Wettbewerbsfilme sichten und die Gewinner küren.

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