Von news.de-Redakteurin Susett Queisert - 30.05.2015, 21.37 Uhr

Kind 44: Tom Rob Smith: Mörderische Aussichten

Am 4. Juni 2015 kommt der Thriller "Kind 44" in die Kinos. Vorlage für den Film bildet das gleichnamige Buch aus der Feder von Tom Rob Smith. News.de sprach mit dem britischen Schriftsteller über den kommenden Kinofilm.

Der britische Schriftsteller Tom Rob Smith wurde 1979 in London geboren. Mit seinen kriminalistischen Romanen "Kind 44", "Kolyma" und "Agent 6" hat er sich in der Welt der Bücher und Geschichten einen Namen gemacht. Sein Debütroman „Kind 44" wurde nun von Hollywood mit den Schauspielern Tom Hardy, Noomi Rapace, Joel Kinnaman und Gary Oldman verfilmt. Wie es für einen Autor ist, seine geschriebene Geschichte auf der Leinwand zu sehen, brachte news.de-Redakteurin Susett Queisert im Interview mit Tom Rob Smith in Erfahrung.

News.de sprach mit dem Autor Tom Rob Smith über die Verfilmung seines Buches "Kind 44". Bild: Concorde Filmverleih/Goldmann Verlag/Montage

Sie sind der Autor des Buches "Kind 44". Denken Sie, im gleichnamigen Film wurden die Inhalte entsprechend Ihres Buches umgesetzt?

Tom Rob Smith: Ich denke, es wurde sehr gut umgesetzt. Der Cast ist wunderbar und Tom Hardy spielt seinen Charakter Leo Demidow wirklich fantastisch. Aber auch neben den Hauptcharakteren gibt es wunderbare kleinere Rollen mit tollen Darstellern. Auch die Locations mit Moskau und dem Industriegebiet wurden super realisiert.

In Russland wurde die Aufführung des Films verboten!

Es scheint ja, als wäre ein Traum für Sie wahrgeworden, dass gerade Ihr Buch verfilmt wurde?

Smith: Ich denke nicht, dass es der Traum eines jeden Autors ist, sein Buch als Film zu sehen. Als Buchautor ist man sehr kontrolliert und jeder Erfolg eines Buches ist harte Arbeit. Man kann seine Gefühle und seine Geschichten in so vielen Seiten ausdrücken, wie man möchte, man ist als Einziger für den Inhalt des Buches verantwortlich. Im Film sind dagegen zahlreiche Menschen involviert, auch viele, die einem vorschreiben, wie etwas umzusetzen ist. Es gibt zahlreiche Beschränkungen: Geld, Zeit, Urlaub. Es ist ein ganz anderer Ablauf. Und ich denke, nicht jeder kann das genießen. So bleiben viele eher dabei, ihre Geschichte nur als Buch zu veröffentlichen. Es kann aber auch ein Abenteuer sein. Für mich war es sehr inspirierend, ans Set zu kommen und all die Menschen zu sehen, die meiner Geschichte Leben einhauchten.

Tom Hardy (links) übernimmt im Film die Rolle des sowjetischen Geheimpolizisten Leo Demidow. Bild: Concorde Filmverleih

Welche Inspiration hat Sie einst dazu bewegt, die Geschichte "Kind 44" zu schreiben?

Smith: Die Geschichte basiert auf einer realen Nachforschung über Andrei Tschikatilo, der im Zeitraum von 1978 bis 1990 mehr als 50 Menschen ermordete. Er hatte ein schlechtes Leben und zur damaligen Zeit war sich die russische Justiz der Existenz von Massenmördern nicht bewusst. Der sowjetischen Geheimpolizist Leo Demidow, gespielt von Tom Hardy, bemerkt, dass es ein Muster bei den Morden gibt und macht sich auf die Suche nach dem Mörder. Ich verlagerte die Story in eine andere Zeit und fand so eine andere Herangehensweise, dieses Verbrechen mit einfließen zu lassen.

Hatten Sie während der Dreharbeiten irgendeinen Einfluss auf den Film, zum Beispiel hinsichtlich der Dialoge oder des Drehortes?

Smith: Nein, ich bin ja kein Regisseur. Aber Daniel Espinosa und war sehr nett, er mailte mir und fragte mich nach meiner Meinung. Aber ich hatte keinen Einfluss auf den Film. Sie fragten mich nach den Büchern und ich war zweimal am Set, mehr aber auch nicht.

Sie trafen also die bekannten Hollywoodgrößen Tom Hardy, Noomie Rapace und Gary Oldman?

Smith: Ja, und sie waren alle so nett und begeistert von meinem Buch.

Tom Hardys Vergangenheit war alles andere als rosig

Sie haben ja noch zwei weitere Bücher um den Geheimpolizisten Leo Demidow herausgebracht. Wird es demnach auch zwei weitere Filme geben?

Smith: Das hängt wie so oft von den Kinozuschauern ab. Ich hoffe doch aber!

Es wird wohl bald auch eine weitere Adaption einer Ihrer Bücher geben ("The Farm"). Haben Sie keine Zweifel, dass es in Zukunft nur noch darum geht, Bücher schreiben zu müssen, die dann verfilmt werden sollen.

Smith: Als ich dieses Buch schrieb hätte ich nie gedacht, dass man die Story verfilmen würde. "The Farm" ist eine andere Art von Thriller, bei der es darum geht, ob man glaubt, was andere Leute zu einem sagen. Es bleibt also abzuwarten, ob man das Buch auch verfilmt wird.

"Kind 44" läuft ab dem 4. Juni 2015 in den deutschen Kinos an.

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qus/news.de

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