Von news.de-Redakteurin Susett Queisert - 30.04.2015, 11.20 Uhr

Alan Rickman: "Wir erzählen den Zuschauern eine Lügengeschichte"

Die "Gärtnerin von Versailles" handelt von einer zarten Liebe zwischen einer einfachen, arbeitenden Frau und dem Hofgärtner von Versailles. Kein Geringerer als Alan Rickman spielt nicht nur mit, sondern führte auch zugleich Regie. News.de traf den 69-Jährigen zum Interview.

Der mittlerweile 69-jährige Alan Rickman hat erst spät mit seiner Schauspielkarriere begonnen. Umso mehr blieb er uns für die Rollen des Hans Gruber in "Stirb langsam", Colonel Christopher Brandon in "Sinn und Sinnlichkeit" oder als Severus Snape in den "Harry Potter"-Filmen im Gedächtnis. Nach langer Zeit kehrte er mit "Die Gärtnerin von Versailles" wieder in den Regiestuhl zurück und erzählte news.de-Redakteurin Susett Queisert, wie es war, nach langer Zeit wieder mit Kate Winslet zu arbeiten, welchen Aufgaben er als Regisseur gewachsen sein musste und was er generell von Gärten und der Gartenarbeit hält.

Alan Rickman war zu Gast in Berlin, um seinen neuen Film "Die Gärtnerin von Versailles" vorzustellen. Bild: dpa

Es sind genau 20 Jahre vergangen, seit sie in "Sinn und Sinnlichkeit" das erste Mal auf Kate Winslet trafen. Es erscheint der Eindruck, als hätten Sie die Rolle der Sabine De Barra Kate Winslet direkt auf den Leib geschneidert haben. Ist dies wahr?

Alan Rickman: Nein, nicht direkt. Als das Drehbuch das erste Mal geschrieben wurde, war sie viel zu jung, die Rolle zu spielen. Damals war ich auch nicht in der Lage, die Regie zu übernehmen. Jetzt war sie aber genau in dem richtigen Alter, die Rolle zu spielen, auch wenn Madam De Barra eine Fantasiefigur ist und nie existiert hat. Die Rolle selbst wurde zudem von einer Frau geschrieben - die viel von Männern beeinflusst wurde (lacht). Es gab zu dieser Zeit keine Darstellung arbeitender Frauen, aber dennoch musste die Rolle glaubwürdig rüberkommen. Und Kate spielte schon viele starke Frauen, so dass sie sich sozusagen selbst zur Wahl für die Rolle stellte, aber sie war nicht speziell für sie geschrieben.

Als die Entscheidung dann final wurde, gab es letztlich niemanden anderen, der diesen Charakter besser hätte spielen können?

Rickman: Nein, nicht wirklich.

Warum hat es aber letztlich so lange gedauert, bis Sie bei Ihrem zweiten Film Regie führen konnten?

Rickman: Ich war immer beschäftigt. Ich sagte "ja" zu Harry Potter, als es nur um die Verfilmung von drei Büchern ging. Und dann kam noch ein Film...und noch einer...und noch einer. Und man kann bei keinem Film Regie führen, wenn man nicht wenigstens ein Jahr Zeit zur Verfügung hat. Aber ich habe im Theater geschauspielert und dort auch Regie geführt. Die "Regie-Muskeln" hatten also Arbeit, nur nicht bei einem Film.

Haben Sie es manchmal bereut, dass Sie so lange bei "Harry Potter" involviert waren?

Rickman: Nein. Ich konnte vielleicht nicht Regie führen, aber ich konnte dafür andere Sachen machen. Ich war sechs Monate am Broadway, im West End, und machte andere Filme in der Zeit.

Der begnadete Schauspieler schlüpfte nicht nur in die Rolle des Sonnenkönigs Ludwig XIV, sondern führte zugleich auch Regie. Bild: Tobis

Sie spielten bereits in "Stirb langsam", in "Tatsächlich... Liebe" sowie bei den "Harry Potter"-Filmen mit. Jeder kennt sie daher auf irgendeine Art und Weise. Sie scheinen schon so etwas wie eine Ikone zu sein.

Rickman: (lacht) Es ist immer gut, wenn sich das Publikum an einen erinnert.

Würden Sie sich wieder für einen Franchise wie "Harry Potter" verpflichten, wo Sie Jahr um Jahr zurückkommen müssten, um Ihre Rolle zu spielen?

Rickman: Dann müssten Sie aber einen Gehstock oder einen Rollstuhl in die Rolle einbauen (lacht).

Zurück zu "Die Gärtnerin von Versailles": Haben Sie selbst einen Garten und arbeiten Sie auch darin?

Rickman: Wir haben einen Garten und ich tue absolut nichts darin, da ich alles umbringen würde. Ich verstehe nicht viel von Pflanzen und ich bin dafür auch viel zu viel unterwegs. Aber ich liebe Gärten, wie jeder.

Die Paraderolle des mittlerweile 69-jährigen ist und bleibt Severus Snape aus den "Harry Potter"-Filmen. Bild: dpa

Im Film selbst spielen Sie auch die Figur Ludwig XIV. Wie war es, in diese Rolle zu schlüpfen und ihn mit in den Film einfließen zu lassen?

Rickman: Es war eine Herausforderung, da ich ja eigentlich eine einfache Liebesgeschichte zwischen einem Mann und einer Frau erzählen will. Aber es war nun einmal gerade die Zeit der Herrschaft von Ludwig XIV. Und dann noch das begrenzte Geld und die begrenzte Zeit mit all den Problemen, die wir hatten, da wir zum Beispiel nicht in Frankreich drehen konnten. So drehten wir in England. Das ist einer der Vorteile, wenn man Filme macht: Es wird einem die Ausstattung in diversen englischen Gebäuden gezeigt. Zum Glück gab es sehr gute Produktions- und Kostümdesigner, die die Welt von damals kreierten. Und zum Glück ging ich zur Kunstschule, so dass wir wirklich gute Konversationen über die Designs halten konnten. Die Kunst besteht darin, dass die Zuschauer diese nur im Hintergrund wahrnehmen, denn wir erzählen ja eine "Lügengeschichte". Und ich will, dass sich die Zuschauer darauf fokussieren, wie es ist, damals ein Mann und eine Frau gewesen zu sein.

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