Von news.de-Redakteurin Susett Queisert - 19.03.2015, 10.30 Uhr

Cinderella im Kino: Der geheime Wunsch eines Regisseurs

Sie kennen Kenneth Branagh nicht? Aber sicher haben Sie ihn schon als Gilderoy Lockhart in "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" oder als Kommissar Wallander gesehen! Doch auch hinter der Kamera macht der Ire eine gute Figur. "Thor", "Jack Ryan: Shadow Recruit" und aktuell "Cinderella" gehören zu seinen Werken.

Für "Cinderella" sprang Kenneth Branagh erneut hinter die Kamera und schuf aus einem Disney-Klassiker einen abendfüllenden Märchenfilm. News.de traf den sympathischen Regisseur und sprach mit ihm über Happy Ends, Superkräfte und seine geheimen Wünsche.

Sie entschieden sich bei "Cinderella" dafür, die klassische Version zu verfilmen und wählten nicht – wie so viele andere – eine Abänderung der Story. Wieso nicht?

Kenneth Branagh: Das war irgendwie auch eine Änderung. Der gehörige historische Abstand zu den Klassikern gab mir die Möglichkeit, es doch irgendwie modern zu gestalten. Aber klar konnte ich Cinderella nicht in 2015 in Brooklyn spielen lassen. Ich modernisiere gern Klassiker, aber das ursprüngliche Material ist so viel reicher als meine Ideen. Bei Cinderella ließ ich das Märchen Märchen sein, denn das berührt uns mehr als wir denken. Beim Screening sprachen mich manche Leute an, ob das eine Art Scheidungsfilm ist (lacht).

Kenneth Branagh, Regisseur und Schauspieler, war zur Berlinale in Berlin und präsentierte seinen neuen Film "Cinderella". Bild: Walt Disney Pictures

Sie sind durch Ihre Shakespeare-Verfilmungen bekannt geworden. Wie hätten Sie vor 20 Jahren reagiert, wenn Ihnen einmal jemand gesagt hätte, dass sie in Zukunft einen Marvel-Film (Anm. d. Red.: "Thor") oder – wie jetzt – einen Disney-Film machen werden?

Branagh: Seit 25 Jahren mache ich nun schon Filme. Der erste Film war einer, den man mir gestattet hatte. Aber ich habe mich nie in der Rolle des Regisseurs gesehen. Aber Stück für Stück realisierte ich, dass ich doch eine Leidenschaft dafür besitze. Das Regie führen ist ein Gebiet und das Schauspielern ein anderes. Ich kann es immer noch nicht glauben, wie sich alles entwickelt hat.

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Man kann sagen, Cinderellas Güte ist ihre Superkraft. Welche Superkraft zeichnet Sie aus?

Branagh: (lacht) Ich habe keine Superkräfte als Regisseur. Aber ich denke, als Regisseur sollte man sicherstellen, dass man einen Schritt nach dem anderen macht. Und dann gibt es da diese goldenen Momente. Der erste ist, wenn man dich fragt, ob man den Job machen möchte, und für mich ist es auch ein toller Moment, wieder zu einem klassischen Märchen zurück zu kehren. Man malt sich aus, was man alles tun könnte und dann kommt das Geld ins Spiel! "Du kannst das nicht haben, und das auch nicht!" Man hat diese Krisen und überlegt, wie man es anstellen könnte. Als zum Beispiel Lily James in den Raum trat wusste ich, wir können Cinderella umsetzen, wir haben unser Mädchen. An "Thor" habe ich zum Beispiel neun Monate gearbeitet, ehe ich wusste, wir können den Film drehen, weil wir dann unseren Thor hatten.

VIDEO: Cinderella - Trailer Classic Love Story (Deutsch) HD

Sie blicken auf 25 Jahre im Filmbusiness zurück und haben schon einige Genres ausprobiert. Was bewegt Sie dazu, ein bestimmtes Genre zu spielen oder für einen bestimmten Film Regie zu führen?

Branagh: Ich würde mich freuen, wenn ich mal einen großartigen Horrorfilm drehen dürfte. Das würde bestimmt Spaß machen! Ich habe jeden – auch grauenvollen – Horrorfilm gesehen. Meine Frau schreit dann immer und schaut weg und am Ende meint sie ganz nüchtern: "So schrecklich war er gar nicht." (lacht) Das ist eine ganz natürliche Reaktion auf einen Horrorfilm.

Sind Sie selbst mit Märchen aufgewachsen?

Branagh: Ich bin als typischer Junge aufgewachsen, hatte Actionfiguren und habe viel Ball gespielt. Was Jungs eben so machen. Bei den animierten Geschichten bin ich natürlich von den Disneyfilmen inspiriert worden. Und der, an den ich mich nach wie vor am meisten und besten erinnern kann ist "Pinocchio".

Kenneth Branagh bei seiner Arbeit am Set von "Cinderella". Bild: Walt Disney Pictures

Und wie sieht es mit Happy Ends aus? Sind sie verrückt danach oder geht es auch mal ohne?

Branagh: Klar wollten wir zunächst schreiben "und wenn Sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute." Aber das ist nicht der Fakt. Es ist einfach zu simpel. Wir wollten aber am Ende von Cinderella keine Zukunftsaussichten aufstellen, denn sie selbst lebt im Hier und Jetzt. Und zu diesem Zeitpunkt sind sie einfach nur glücklich.

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Können Sie uns etwas über Ihre nächsten Projekte erzählen?

Branagh: Als nächstes mache ich die letzten drei Filme von Wallander, einem schwedischen Detektiv. Sie kommen Ende des Jahres in der BBC. Und dann vielleicht einen Horrorfilm (lacht).

Vielen Dank für das Interview!

"Cinderella" können Sie sich seit dem 12. März 2015 im Kino anschauen.

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qus/loc/news.de

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