Von news.de-Redakteurin Susett Queisert - 20.01.2015, 22.50 Uhr

Baymax-Special-Week: So bediente sich Disney bei Marvel

Ohne die Idee von Don Hall, Regisseur von Baymax - Riesiges Robowabohu, einen Marvel Comic in die Walt Disney Studios zu holen, würde news.de jetzt nicht über den neuen Animationskracher berichten. Wir trafen ihn und Chris Williams zum Interview.

Die beiden Regisseure Don Hall und Chris Williams waren die entscheidenden Stimmen, die Baymax zum oscarnominierten Film machten. News.de sprach mit beiden in den Walt Disney Animation Studios in Burbank über Baymax, die Marvel-Vorlage und ihre Nachforschungen für den Film.

Können Sie kurz erklären, wer von Ihnen beiden für welche Bereiche bei der Entstehung von Baymax zuständig war?

Don Hall: Wir kommen beide ursprünglich aus dem Drehbuchbereich. Wir arbeiteten bereits vorher zusammen. Als ich mit der Idee begann, kam Chris vom Storyboard und hatte die ersten Ideen für Baymax. Und im Verlauf der Entstehung kamen wir an einen Punkt, an dem Chris einfach wichtiger wurde und er konnte nun nicht an beiden Stellen sein. So fragte ich ihn, ob er mit mir die Regie übernehmen will. Ich mich dann mehr mit der Animation beschäftigt, Chris mit der Beleuchtung und den Effekten.

Bevor Baymax - Riesiges Robowabohu auf die Leinwand kommen konnte, musste zunächst die Idee geboren werden. Bild: Walt Disney Pictures

Baymax bzw. Big Hero 6, wie er im Englischen heißt, ist eine Marvel-Adaption. Wie haben Sie sich diesen genähert, als es hieß, Disney möchte den Stoff gern animiert verfilmen?

Hall: Ich war etwas nervös. Jedes Mal, wenn man jemanden entgegentritt und sagt, hey, ich möchte gern euren Stoff auf unsere Weise verfilmen. Man weiß ja nie, wie sie reagieren, aber fünf Minuten im gemeinsamen Meeting mit Joe Quesada und Jeph Loeb, den Comiczeichnern, und die Nervosität war verflogen. Wir redeten über die Charaktere und die Story, so wie wir es auch hier bei Disney machen. Wir integrierten sie in unser Team ein und sie wurden auch Teil unseres «Storytrust».

Chris Williams: Beide vertrauten uns völlig. Wir sprachen alle die selbe Sprache und es war eine wirklich tolle Beziehung.

Aber warum haben Sie sich ausgerechnet für Big Hero 6 entschieden? Warum nicht einer der großen Fische?

Hall: Nun ja, The Avengers hat sich schon jemand geschnappt (lacht). Ich bin ein Fanboy, aber von den großen Sachen habe ich mich ferngehalten. Ich suchte nach etwas, was sich besser animieren ließ, was uns mehr Freiheiten gab, es nach unseren Wünschen zu gestalten.

Und was mögen Sie an den Original-Comics? Denn wenn man sich den Film anschaut, merkt man, dass Sie nicht viel für die Disney-Adaption behalten haben.

Hall: Nein, wir haben nur den Titel und die Charakternamen behalten. Ich habe das Comic nie gelesen, aber es war der Titel, der mich anspracht. Und ich dachte, ein japanisches Superhelden-Team, so wie japanische Avengers, das wäre cool. Und dann las ich die Comics, wo ich besonders die Wirkung mochte. Aber man merkt, dass die Zeichner die japanische Kultur mochten. Und ich merkte, dass viel Unterhaltungspotential hinter diesen Comic steckte.

Williams: Nachdem Don die Story fand, hat er mir die Idee vor zweieinhalb Jahren vorgestellt und mich von deren emotionalem Potential überzeugt. Und wir waren alles sehr gespannt und mochten die Story. Und auch John Lasseter (Chef der Walt Disney Animation Studios) war sehr angetan. Es war gut, mal eine Vorgabe zu haben, wie die Charaktere sind, ohne, dass die Leute sagen, was sie denken, wie die Figur sein sollte. Dennoch hatten wir viel Freiheit, uns zu verwirklichen.

Hall: Ich ging nicht nur mit einer Idee zu John, ich hatte so ungefähr sechs Ideen für einen neuen Animationsfilm. Aber Baymax war der, der unbekannteste und hatte diese emotionale Tiefe, die John eben mochte.

Hatten Sie Idee, San Francisco mit Tokyo zu San Fransokyo zu vereinen schon von Anfang an?

Hall: Klar, das Comic spielte im Marvel-Universum. Nach dem ersten Treffen mit Marvel konnten diese es gar nicht fassen, dass wir uns für Big Hero 6 interessierten. Sie waren auch so frei, uns nicht an das Marvel-Universum zu binden und sagten, wir können es spielen lassen, wo wir wollen. Aber wo sollte es spielen? Wir haben uns daher zunächst mit der Welt beschäftigt, was echt verdammt viel Zeit beanspruchte. Wir mussten es natürlich den japanischen Hauch verleihen, so dass uns die Idee, Marvel mit Disney zu mixen, sehr gut gefallen hatte. Also nahmen wir uns das legendäre San Francisco und haben es mit japanischen Einflüssen aufgepeppt.

Williams: Wir haben mit der Welt angefangen, da diese schwer ist, nach der Story wieder zu ändern. Daher haben wir uns, bevor wir uns an die Geschichte machte, wirklich erst der Welt gewidmet, in der der Film spielen sollte.

Haben Sie sich auch vom japanischen Animé Toto inspirieren lassen, als Sie Baymax erschufen?

Hall: Klar, ich habe immer Toto geschaut und auch meine Kinder schauen Toto.

Williams: Wenn ich den Film Revue passieren lasse, sehe ich viele Ähnlichkeiten zwischen Toto und Baymax. Wir wollten seine Gutmutigkeit, aber auch seine Naivität erhalten.

Marvel ist dafür bekannt, seine Geschichten weiter zu erzählen und über mehrere Filme fortzusetzen. Wie wird dies bei Baymax der Fall sein?

Hall: Wir haben den Film beendet und alles reingesteckt, was ging. Wir haben uns lange genug darüber unterhalten und haben keine Pläne, den Film fortzuführen, aber wir wären nicht traurig, wenn wir die Charaktere wiedersehen dürften.

Williams: Das gute hier bei Disney ist, dass es ein Sequel wirklich nur gibt, wenn die Regisseure es wollen und wenn auch John davon überzeugt ist, dass es eine gute Sache ist. Nur, weil die Leute draußen es wollen, heißt es nicht, dass wir es eine Fortsetzung machen.

Sie wollen ja nicht in die Zukunft schauen, aber gibt es eine Marvel-Geschichte, die Sie beide doch noch gern für Disney umsetzen würden, wenn Sie dürften?

Hall: Die Frage ist wirklich schwer zu beantworten. Ich habe keinen wirklichen Favoriten.

Williams: Ich finde Puck von den Alpha Flight wirklich faszinierend. Ich glaube nur nicht, dass es einen großen Markt für einen Puck-Film geben wird (lacht).

Im Abspann bedanken Sie sich unter anderem bei verschiedenen Universitäten wie dem MIT. Denken Sie, dass Baymax eine Inspiration für die dort forschenden Studenten sein könnte?

Hall: Das hoffe ich. Chris Atkinson aus Pittsburgh inspirierte uns sehr für Baymax. Ich traf ihn vor mehreren Jahren und war auf der Suche nach einem Roboter, der einfach zum knuddeln war. Und er forschte in der Softrobotik. Und das war großartig, denn diese Roboter können einem nicht weh tun, sie sind sanft. Und Baymax ganze Persönlichkeit entstand bei diesem Nachforschungstrip. Nur sein Gesicht basiert auf einer Glocke, die ich in Japan sah (lacht).

- SPOILERALRAM -

War es von Anfang an beschlossene Sache, dass auch die Marvel Ikone Stan Lee im Film eine Rolle bekommen sollte?

Hall: Wir haben versucht, ihm einen Platz freizuhalten und haben immer geschaut, wo wir ihn einbauen konnte. Und die Idee, ihn als Vater des Fanboys zu nehmen, schien uns perfekt.

Williams: Das zeigt auch noch einmal, dass man das Kino nicht verlassen sollte, bevor der Abspann endgültig durchgelaufen ist.

VIDEO: 'Baymax - Riesiges Robowabohu'

Vielen Dank für das angenehme Interview!

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News.de-Redakteurin Susett Queisert war einen Tag im Walt Disney Animation Studio in Burbank/CA zu Gast, um sich die Arbeit für den neuen Disney Animationsfilm Baymax anzuschauen. Hier berichtet sie von allem vor und hinter den Kulissen des neuen Disney-Krachers.

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