Von news.de-Redakteurin Susett Queisert - 16.01.2015, 12.00 Uhr

Baymax-Special-Week: Wenn die Kinovorführung zum Desaster wird

Bevor ein Animationsfilm, wie aktuell Baymax - Riesiges Robowabohu sein Aussehen bekommt, sitzen Mitarbeiter von Disney monatelang über der Geschichte. Bis diese ihr endgültige Fassung erhält, vergehen mithin Jahre, wie auch im Fall von Disneys aktuellem Hit.

Entscheidend für das Storyboard von Baymax - Riesiges Robowabohu tätig sind die Screenwriter Robert L. Baird und Head of Story Paul Briggs. Letzterer hatte bereits das Drehbuch für Frozen - Die Eiskönigin mitentwickelt und arbeitet seit 18 Jahren bei Disney. Sie erklärten news.de-Redakteurin Susett Queisert den Prozess vom ersten Drehbuch zur ersten Skizze und letztlich zum endgültigen Film.

Eine Geschichte entsteht

Bevor ein Animationsfilm der Walt Disney Animation Studios fertig ist, dauert es zirka vier bis fünf Jahre. Allein zwei bis drei Jahre davon werden für die Story benötigt. Der Prozess der Drehbuchentstehung wurde bereits in den 30er Jahren etabliert und bis in die heutige Zeit perfektioniert.

Screenwriter erfanden die Geschichte rund um die beiden Titelhelden Hiro und seinen Roboter Baymax. Bild: Walt Disney Pictures

Alles begann damit, dass Don Hall, einer der Regisseure, mit seiner Idee von Big Hero 6, der Comicvorlage von Disney, zu John Lasseter ging und diese vorstellte. Bei der Vorlage handelt es sich um ein Superheldenteam - wie für Marvel typisch. Die Aufgabe von Disney bestand nun darin, dieses Marvel-Comic in einen Disney Animationsfilm umzuwandeln. Am Anfang stehen daraufhin die alles entscheidenden Fragen: Worum soll es in dem Film gehen? Wie sind die Charaktere? Welche Message soll der Film transportieren usw.? Über Wochen werden diese Fragen diskutiert.

Dabei beginnt alles mit einer einfachen Story, die - fertiggestellt - John Lasseter und dem «Storytrust», einer Gruppe aus Mitarbeitern, die für die Disneywerte stehen, vorgetragen wird. Diese Menschen geben den Storywritern Feedback, woraus die Geschichte weiterentwickelt wird. Nach zirka drei bis vier Monaten entsteht daraus ein 140-Seiten-Skript, zusammengetragen aus nie endenden wollenden Nachforschungen über Superhelfen, Choreographien und Actionszenen.

Schauspieler und erste Skizzen

Nachdem das Drehbuch steht, geht es zum Tableread, bei dem echte Schauspieler engagiert werden, die das Drehbuch verteilt nach Charakteren und Figuren mit allen weiteren bei Disney involvierten Personen vorlesen. Dabei hören die Regisseure, Drehbuchautoren und andere das erste Mal die ganze Geschichte und geben sich gegenseitig Feedback dazu. An diesem Punkt stecken die Disney-Mitarbeiter bereits ein Jahr im Prozess. Normalerweise würde jetzt das Drehen des Films beginnen, bei Disney geht es weiter zum Storyboard.

Beim Storyboard werden zunächst 30 Skizzen erstellt, um einen ersten visuellen Eindruck zu bekommen, wie eine Szene wirken kann. Durch den konstanten Austausch und die Zusammenarbeit in einem Gebäude entwickelten sich nach und nach die einzelnen Szenen. Am Ende war jeder Storyboardartist für einen Szene verantwortlich. Das Team schaute sich die Szenen an und gab sie letztlich an das Editorial, die daraus den kompletten Film mit Soundeffekten und temporären Stimmen fertigten.

Eine grauenvolle Vorstellung

Nun kam der alles entscheidende Schritt: die erste Vorführung. 140 an Baymax arbeitenden und nicht arbeitenden Mitarbeitern wurde die erste Version den Animationsfilms vorgeführt. Nach zahlreichen Monaten Arbeiten ist die erste Vorführung vor Publikum... grauenvoll, ein Desaster. Es ist immer so, dass die erste Vorführung nie gut ist. Man erhofft sich, dass die Leute lachen, aber oft wirken die Dinge nicht so, wie man sie es sich selbst vorgestellt hat.

Nach dem ersten Vorführen gibt jeder Mitarbeiter sein Feedback an die Crew, die sich daraufhin an einen Ort zurückzieht, der frei von allen Baymax-Einflüssen ist, um sich nur noch auf die Story zu fokussieren und diese zu ändern. Vom ganzen Film blieben letztlich fünf bis sechs Ideen, die man behielt, der Rest flog weg. Wenn die Geschichte erneut überarbeitet wurde, durchläuft sie erneut diesen Prozess und wird wieder vorgeführt, wo erneut Szenen aufgrund des Feedbacks in der Tonne landen. Es ist für die Mitarbeiter zwar enttäuschend, immer wieder an der Geschichte zu arbeiten, aber letztlich ist dies der Prozess, der dem Animationsfilm zum Erfolg verhilft, wie man erst letztes Jahr bei Frozen - Die Eiskönigin sehen konnte.

Montag: Was macht eigentlich ein Animator?

---

News.de-Redakteurin Susett Queisert war einen Tag im Walt Disney Animation Studio in Burbank/CA zu Gast, um sich die Arbeit für den neuen Disney Animationsfilm Baymax anzuschauen. Eine ganze Woche berichtet sie von allem vor und hinter den Kulissen des neuen Disney-Krachers.

news.de

Empfehlungen für den news.de-Leser