Von news.de-Redakteurin Susett Queisert - 08.10.2014, 10.19 Uhr

Denzel Washington: Flugzeuge fliegen und Züge fahren - kein Problem!

Denzel Washington hat nicht nur in zahlreichen Actionfilmen und Dramen mitgespielt, sondern dafür mittlerweile auch zwei Oscars bekommen. Schwer vorstellbar, dass sich ein Interview mit dem fast 60-jährigen so nett und charismatisch gestalten kann.

Am 9. Oktober kommt Denzel Washingtons neuer Film The Equalizer in die Kinos, in dem er einen Baumarktmitarbeiter spielt, der seine außergewöhnlichen Fähigkeiten und seine militärische Vorgeschichte einsetzt, um den Schwachen und Benachteiligten zu helfen. News.de-Redakteurin Susett Queisert traf den charmanten Schauspieler in Berlin.

Denzel, Ihr Filmcharakter McCall hat ein paar seltsame Ticks. Ist es wahr, dass Sie diese Seite an ihm zusätzlich ausgebaut haben?

Denzel Washington: Genau, ich habe mich mit Zwangsstörungen auseinandergesetzt. Nachdem ich viel darüber gelesen hatte, beschloss ich, davon mehr ins Drehbuch einzubringen. Ich mag es, dass das die Romanvorlage selbst nicht verrät, auf welche Vergangenheit McCall zurückblickt. Wieso schaut er immer auf seine Uhr? Weshalb liest er in einem Diner nachts um zwei ein Buch? Wieso arrangiert er die Dinge um sich herum? Dieses zwanghafte Verhalten hat mich immer stärker fasziniert. Wir alle zeigen der Öffentlichkeit einen Teil unserer Persönlichkeit. Es gibt aber auch den Teil, den wir verbergen, der wir nur in unseren eigenen vier Wänden sind, ob wir diesen Typ im Spiegel mögen oder nicht. Die Zuschauer lernen McCall als normalen, einsamen, seltsamen Kerl mit merkwürdigen Ticks kennen. Gleichzeitig offenbart sich aber auch sein Kern.

Wie meinen Sie dies?

Washington: Wir wissen bereits vor der ersten Actionszene, dass er gern Menschen hilft. Er unterstützt zum Beispiel seinen übergewichtigen Arbeitskollegen beim Abnehmen. Er spricht die junge Prostituierte im Diner an und sagt etwas zu ihr, was er eigentlich zu sich selbst sagen sollte. Was auch immer er in seiner Vergangenheit getan hat, es hat ihn geformt. Das junge Mädchen erkennt in seinen Augen, was allen anderen verborgen bleibt. Eine verlorene Seele erkennt die andere.

Wenn es um diese Angewohnheiten geht: Haben Sie vielleicht selbst eine Zwangsstörung oder einen Tick?

Washington: Zumindest keine, die mir sofort in den Sinn kommt. Im Film gibt es eine Szene, in der ich die Tür fünfmal öffne und schließe. Doch wie fängt soetwas an? Ich versuche, mir immer eine eigene Geschichte der Figur zu schreiben. Was auch immer McCall früher gemacht hat, es hatte auch Auswirkungen auf seine Frau, die gestorben ist. Wir wissen nicht wieso, aber er gibt sich selbst die Schuld daran, aber verdrängt dies aber zugleich. Er ist sich nicht bewusst, dass er auch Probleme hat.

VIDEO: The Equalizer - Trailer 1

Sind diese vielleicht sogar seine Schwäche?

Washington: Schwäche ist so ein heikles Wort, es impliziert immer etwas Negatives. Wir alle haben unsere Schwächen und in seinem Fall ist es ein 15-jähriges Mädchen, die ihm damit konfrontiert. Chloe Moretz spielt das echt toll! Antoine (Anm.d.R.: Fuqua, Regisseur des Films) hatte ein gutes Gespür, die Rolle so jung zu besetzen, so dass es die Situation noch schlimmer macht.

Versetzen Sie sich immer so tief in einen Charakter hinein?

Washington: Klar, ich bin ja Schauspieler. Und mir selbst wird es immer wichtiger. Wenn sich ein Charakter für mich nicht wahr und ehrlich anfühlt, wie soll er dies dann für die Zuschauer sein?

Während Ihrer Dreharbeiten haben Sie im Laufe der Zeit viel gelernt...

Washington: ... Flugzeuge fliegen zum Beispiel (Flight) oder Zug fahren (Unstoppable - Außer Kontrolle). Ich kann ein Flugzeug aber nur starten. Man wollte mir zwar auch die Landung beibringen, aber das war im Film ja nicht von Bedeutung (lacht).

Denzel Washington (McCall) in Sony Pictures' The Equalizer. Bild: 2014 Sony Pictures Releasing GmbH

Konnten Sie von diesen Fähigkeiten etwas für sich behalten?

Washington: Ja, ich boxe seit zwanzig Jahren. Im Film Crimson Tide gab es eine Szene, in der ich auf einen Boxsack einschlage. Das war der Anfang. Mit dem Film Hurricane beschäftigte ich mich noch intensiver mit dem Sport. Ich mag Boxen, da man es nie völlig beherrschen kann. Und es hilft mir bei der Arbeit. Ich mag es, früh am Morgen ins Fitnessstudio zu gehen, wenn noch niemand dort ist.

Deshalb sind Sie wahrscheinlich so gut in Form. Es ist kaum zu glauben, dass Sie dieses Jahr 60 werden.

Washington: Man hat an seinem ersten Geburtstag ja schon ein Jahr gelebt. Also erlebe ich gerade mein sechzigstes Jahr. Man ist nicht plötzlich von einem Tag auf den anderen alt. In Amerika ist es normal, sich mit 65 zur Ruhe zu setzen. Die können es kaum erwarten, ihre Hände in den Schoß zu legen. Meine Mutter ist mit 90 noch sehr aktiv. Und sagen Sie ihr ja nicht, sie sei alt! Wir hatten ihr einmal vorgeschlagen, einen Nachmittag mit einer Seniorengruppe zu verbringen. Nach einer Stunde rief sie an und wollte geholt werden: «Diese Menschen sind mir zu alt, die reden nur über ihre toten Ehemänner!»

Vielen Dank für das Interview.

Verlosung

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