Von news.de-Redakteurin Susett Queisert - 25.09.2014, 08.54 Uhr

Otto Waalkes: Harte Knochenarbeit im Scherzbergwerk

Seit über 45 Jahren ist Otto Waalkes auf der Bühne zuhause und liebt es, Menschen mit Witzen und Reimen zu unterhalten. Im Film «Der 7bte Zwerg» leiht er seinem animierten Selbst Bubi seine Stimme und überzeugt news.de im Interview, dass er nie richtig erwachsen geworden ist.

«Der 7bte Zwerg» ist der dritte Film über die sieben Zwerge. Dieses Mal sind die Comedians als Animationsfiguren zu sehen und Otto Waalkes leiht dem animierten Bubi seine Stimme. News.de sprach mit Otto über sein animiertes Selbst, Neid unter Kollegen und seine Karriere.

Hätten Sie sich gewünscht, «Der 7bte Zwerg» statt als Animations- lieber als Realfilm zu sehen?

Otto Waalkes: Nein, ursprünglich war der Film sogar als Fernsehserie vorgesehen. Aber während der Produktion kam plötzlich das Ausland und meinte: «This could be a big movie». Der Film läuft in 80 Ländern und zurzeit sogar schon in den Vereinigten Emiraten, wo er derzeit auf Platz 3 liegt. Ich bin sehr zufrieden mit der Animation, aber wir produzieren schon wieder einen Realfilm, der übernächstes Jahr zu Weihnachten in die Kinos kommt. Dabei handelt es sich um die Geschichte vor den 7 Zwergen, heißt, wie es überhaupt zu diesem Zwergenleben gekommen ist.

Wie zufrieden waren Sie mit Ihrem animierten Selbst?

Otto: Ich sehe mich in ihm selbst stärker als beispielsweise in Sid dem Faultier aus Ice Age. Da musste ich ja auch eine Fremdstimme in einen fremden Charakter legen.

Otto Waalkes ist in «Der 7bte Zwerg» das erste Mal als Animationsfigur zu sehen. Bild: drei‐freunde Filmverleih

Wie viel Otto steckt in Bubi?

Otto: Der naive Charme und das Experimentieren und auch, dass er immer Chaos hinterlässt, das entspricht schon meiner Mentalität.

Sie sagen selber, Sie haben den Film in 80 Länder verkauft. Wie global muss dann der Humor des Films sein?

Otto: Da sind wir vollkommen frei herangegangen, haben keine Zielgruppe eingegrenzt und auch keine politischen Hintergründe analysiert. Der Film ist einfach so entstanden. Wir mussten für andere Länder lediglich den Namen Bubi verändern. In Amerika heißt er deshalb Bobo, sonst würden die Amerikaner ständig «Brüste» verstehen. Das ist das einzige, was wir angepasst haben. Die schlanke Erzählweise des Films bietet zudem genug Freiraum für Improvisationen. Und er ist sehr zurückhaltend, nicht wie andere Trick- oder Animationsfilme, die gleich sofort reinknallen und wahnsinnig schnelle Bildwechsel haben.

Was fasziniert Sie generell so sehr an den Zwergen?

Otto: Mein Vater hat mir früher immer die Märchen erzählt. Und da habe ich natürlich immer nachgefragt, wieso, weshalb, warum. Und selbstverständlich wollte ich die Hintergründe wissen, wieso da sieben Männer zusammen im Wald leben. Also habe ich mir eine Entstehungsgeschichte dazu ausgedacht.

Und wenn Sie die Kollegen sehen, mit denen Sie zusammenarbeiten: Haben Sie ein Stück weit Neid, was deren Talente betrifft?

Otto: Nein, ganz im Gegenteil, ich habe großes Interesse, mit denen zusammenzuarbeiten. Sie sind eine Bereicherung, aber es gibt keinen Neid – von deren Seite ja auch nicht. Ich bin mit vielen schon zusammen live auf der Bühne gewesen. Konkurrenzdenken gibt es da nicht, man inspiriert sich eher gegenseitig.

Aber im Animationsfilm ist der Platz für große Aktionen natürlich nicht gegengeben...

Otto: Das stimmt. Was die Bewegungsabläufe betrifft, ist man festgelegt. Aber durch die Synchronisation kann man viel mit Wortwitz verändern, verbessern, verstärken. Und wenn wir alle zusammen sind, dann herrscht natürlich das totale Chaos.

VIDEO: Der 7bte Zwerg - Trailer 1

Wie sehr muss man eigentlich selber Kind sein, um sein Leben lang Comedian zu sein?

Otto: Wahrscheinlich immer. Ich war schon mal erwachsen, und das fand ich nicht so gut. Das war nach meiner ersten Heirat, ich wurde Vater und musste ja ein Vorbild sein. Es war nur eine kurze Phase des Erwachsenseins und ich bin gescheitert. Aber mein Sohn schaut dennoch zu mir auf und geht sogar mit mir auf Tour.

Ein zentrales Thema, welches immer wieder für Chaos im Film sorgt, ist die Tatsache, dass sich Bubi nicht die Schnürsenkel zubinden kann. Können Sie sich noch erinnern, wie das bei Ihnen war?

Otto: Ja, da erinnere ich mich ganz genau: Ich konnte damals, als wir als Kinder um die Häuser zogen, als einziger meine Schuhe zubinden, die anderen nicht. Die hatten Klettverschlüsse und so. Ich weiß aber nicht mehr, wie ich es gelernt hatte, aber ich konnte damit alle erstaunen. Für eine Bühnennummer reicht das heute leider nicht mehr.

Gab es in Ihrem Leben auch – wie im Film – einen bösen Drachen, der dann zu Ihrem besten Freund wurde?

Otto: Ja, es gibt oft Menschen, die man falsch einschätzt und die dann zu wahren Freunden werden. Besonders im Showbusiness lernt man ja viele Menschen kennen, von denen man fürchtet, dass sie nicht am Menschen selbst, sondern nur am Erfolg interessiert sind.

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