Von news.de-Redakteurin Susett Queisert - 13.08.2014, 10.41 Uhr

Veronica Ferres: Superweib ohne Starallüren

Über 30 Jahre beherrscht Veronica Ferres die Film- und Fernsehwelt. Im neuen Kinofilm «Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück» spielt sie an der Seite von Simon Pegg und Rosamund Pike eine durchgeknallte Wahrsagerin. Im Interview verrät sie, ob sie selbst an den Scharlatan glaubt.

In «Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück» begibt sich der Psychiater Hector auf eine Reise um die Welt, um sein persönliches Glück zu suchen. Doch diesen Schritt würde er ohne die durchngeknallte Wahrsagerin Anjali, gespielt von Veronica Ferres, gar nicht wagen. News.de-Redakteurin Susett Queisert traf Veronica Ferres in Berlin und sprach mit ihr über das Wahrsagen, ihr persönliches Glück und die englische Sprache.

Sie spielen im Film «Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück» eine durchgeknallte Wahrsagerin.Sind Sie selbst je bei einer Wahrsagerin gewesen?

Veronica Ferres: Vor dem Dreh habe ich mich vorbereitet:  Ich habe mit an einem Tag acht Wahrsagertermine hintereinander gelegt. Ich wollte verschiedene Wahrsagerinnen kennenlernen und ihre Gestik, ihre Mimik und ihr Arbeiten anschauen, um einfach gut vorbereitet zu sein. Ich hatte eine Perücke auf und behaupte mal, dass mich die Hälfte nicht erkannt hat. Bei den meisten war es natürlich reiner Quatsch, den ich zu hören bekam. Die erzählten zum Beispiel, meine verstorbene Mutter hätte Rückenschmerzen. Aber bei drei Wahrsagern war es sehr beeindruckend. Auch wenn man denkt, dass man über mich alles weiß - DAS konnten auch sie nicht wissen. Natürlich sind einige Dinge, die ich dort beobachtet habe, auch in den Film eingeflossen.

Psychiater Hector hat skurrile Patienten: Wahrsagerin Anjali (Veronica Ferres), die glaubt, ihre hellseherischen Fähigkeiten verloren zu haben. Bild: 2014 Egoli Tossell Film

Der Film glänzt durch internationale Besetzung. Wie sind Sie generell zu der Rolle gekommen?

Ferres: Obwohl der Film als Hollywoodproduktion überall durch die Presse geht, ist es keine, sondern eine deutsch-kanadische Co-Produktion von einem Hollywoodregisseur und mit Hollywoodcast. Die Produzentin Judy Tossell kam auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht Interesse hätte, mitzuspielen. Wir trafen uns in München und sie wusste von einer gemeinsamen Freundin, dass ich Lelord-Fan bin und die Romane gelesen habe. Aber ich wollte dort einfach nicht mitspielen. Und dann war Judy drei Wochen so hartnäckig und hat gesagt, ich muss dort mitspielen, auch der Regisseur möchte es. Dann rief mich Peter Chelsom tatsächlich aus Hollywood an. Ich entscheide immer intuitiv und aus dem Bauch heraus, was in dem Fall total falsch war. Dann hat Peter Chelsom mir seine Sicht der Rolle erzählt und dann war ich einverstanden. Und plötzlich ging alles relativ schnell und es hat sich viel daraus entwickelt. Ich habe Anfragen für ein Folgeprojekt und ich habe einen Top-Agenten und Pressemann in Amerika. Es ist eine kleine Rolle und ich werde in Deutschland bleiben. Aber ich genieße die Freiheit, ab und zu im internationalen Bereich spielen zu dürfen.

Sie haben ja schon öfter internationale Rollen gespielt. Gab es Zeiten, wo Sie Angst hatten, Ihre fremdsprachigen Zeilen aufzusagen?

Ferres: 1996 war mein erster englischsprachiger Kinofilm mit Molly Parker und Lorraine Bracco, die gerade einen Oscar gewonnen hatte, und John Malkovich. Das war eine amerikanisch-kanadische Produktion. Ich weiß nicht mehr, wie ich dazu kam. Aber da ich damals in einem oscarnominierten Film mitgespielt habe, haben einen die Amerikaner auf dem Schirm. Damals war ich unglaublich aufgeregt und hatte alle Szenen mit Malkovich und dachte nur, mal sehen, was das wird .Seit dem waren es 16 englische Filme, Fernseh- und Kinofilme. Und da mein Stiefsohn in Amerika studiert und ich ihn regelmäßig besuche und auch meine Tochter auf eine englischsprachige Schule geht und alle Hausaufgaben in Englisch machen muss, ist mein Englisch sehr viel besser geworden. Ich habe keinerlei Probleme mit dem Dreh von englischsprachigen Filmen. Wenn Sie mir heute ein Drehbuch geben, kann ich in einer Woche anfangen zu drehen.

VIDEO: Die Wahrsagerin

Hatten Sie schon einmal die Idee, sich auf eine Reise zu begeben, um das Glück oder den Sinn des Lebens zu suchen beziehungsweise zu finden?

Ferres: Ja, für mich sind Ferien und Urlaubsbeginn immer Glück. Da hab ich Kindheitserinnerungen. Was an Hector so spannend ist, ist die Tatsache, dass er eigentlich alles hat: eine schöne Beziehung, einen tollen Beruf, Geld. Er hat keine Sorgen, ist gesund und trotzdem ist er an einem Punkt in seinem Leben, wo er sich sagt, dass er unglücklich ist und sich fragt, ob das jetzt alles gewesen sein soll. Wird er in 40 Jahren da stehen und zurückblicken und sich fragen, habe ich alles getan, um zu erforschen, was ich wirklich will. Und da kommt meine Rolle ins Spiel unm ihm den Tipp zu geben. Eine Wahrsagerin, die zum Psychoanalytiker geht, weil sie die Gabe verloren hat, wahr zu sagen. Als er ihr hilft, diese Gabe wiederzufinden, ist sie so stark, dass sie ihm keinen andere Wahl lässt, als auf diese Reise zu gehen. Ich glaube, das Francois Lelord damit einen Nerv der Zeit getroffen hat, denn jeder von uns hat ein Recht auf Glück. Doch Glück ist wie Liebe eine harte Arbeit, es fliegt einem nicht zu. Dafür muss man auch etwas bereit sein zu geben. Und aufgrund dessen macht er dann diese Reise und stellt fest, dass das Glück – was ja auch das Geheimnis des Films ist – oft näher liegt als man denkt.

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