Von news.de-Redakteurin Susett Queisert - 06.08.2014, 08.31 Uhr

Andy Serkis im Interview: «Ich wäre gern ein Bonobo, die haben den meisten Spaß»

Ohne ihn gäbe es weder Gollum aus Herr der Ringe, King Kong aus dem gleichnamigen Film noch Ceasar aus Planet der Affen. Doch wer ist der Mann hinter dem Ganzkörperanzug, der mit seinen Bewegungen und Emotionen den Charakteren Leben einhaucht?

In «Planet der Affen: Revolution» gibt Schauspieler Andy Serkis erneut den Affen Ceasar, der unter Menschen aufgewachsen nicht nur die Gebärdensprache erlernt, sondern auch menschliche Züge annimmt. Im neuen Kinofilm, der am 7. August 2014 in den deutschen Kinos anläuft, ist Ceasar der Anführer einer Affengruppe, die sich gegen die letzte Schar Menschen stellt. News.de-Redakteurin Susett Queisert traf Andy Serkis in Berlin und sprach mit ihm über den Film, Affen und seine Verletzungen durch die Rollen.

Andy Serkis vor dem größten «Planet der Affen»-Graffiti in Berlin. Bild: 2014 Twentieth Century Fox

Haben Sie sich körperlich auf Ihre Rolle als Ceasar in Planet der Affen vorbereitet?

Andy Serkis: Ja. Man muss physisch fit sein für solche Rollen. In diesem Fall war es körperlich weniger anstrengend als in Prevolution, da sich Ceaser menschlicher bewegt und aufrechter geht. Alles an ihm ist mehr menschlich.

Sie waren bereits in Prevolution gut, in Revolution ist Ihre Darbietung noch beeindruckender. Können Sie sich das erklären?

Serkis: Ceasers Reise in Revolution ist sehr kompliziert und komplex. Die Brücke von Ceasars Reise vom ersten Film zum jetzigen ist wie ein Schnappschuss der Evolution. Wir haben uns mit Ceasar vertraut gemacht. Wir sehen jetzt die Auseinandersetzung mit Gewalt und der Verlust auf Hoffnung und Frieden. Die Herausforderungen für mich waren die Komplexität von Ceasars Menschlichkeit und seinem Affensinn. Die Arbeit mit Matt Reeves, dem Regisseur, um wirklich jede Szene genau auszureizen, manifestiert sich darin, wie Ceasar ist, wie er denkt, wie er spricht, wie er sich ausdrückt und natürlich ist seiner Verantwortung als Anführer und Vater. Und all diese Sachen waren wirklich herausfordernd.

VIDEO: Planet der Affen - Revolution - Trailer 3

Performance-Capturing fand für Sie persönlich vor über 15 Jahren den Anfang. Wie empfinden Sie die Entwicklung, die diese Technik gemacht hat, sowohl für Sie selbst als auch für die Branche?

Serkis: Als ich Herr der Ringe drehte und mich Peter Jackson fragte, ob ich Gollum spielen würde, war es eine erste Sondierung der Möglichkeiten von Performance-Capture. Die Idee war ursprünglich, dass ich ans Set gehe und Gollum spiele und meine Bewegungen lediglich als Referenzen gefilmt werden sollten. Dann machten wir die Erfahrung mit Basic-Motion-Capture. Wir filmten die Szenen zunächst und ein paar Monate später kam ich zurück, um in einem winzigen Set die Szenen in einem Motion-Capture-Anzug ohne weitere Schauspieler nachzudrehen. Es war sehr realitätsfern vom Drehen am richtigen Set. Nachdem wir Herr der Ringe abgedreht hatten, dachte ich, ich gehe wieder mehr zurück zum traditionellen Schauspielern und zum Theater. Aber dann fragte mich Peter, ob ich nicht King Kong spielen mag. Das war ein Wendepunkt. Die Technologie, mit der ich arbeitete, erlaubte mir, alles zu spielen. So konnte ich von einem winzigen Hobbit zu einem riesigen Gorilla wechseln. Das heißt aber auch, dass das Typcasting der Vergangenheit angehört. Es ist egal, wie groß du bist und welche Figur du hast, man kann alles spielen.

Man könnte Sie den Botschafter des Performance-Capturing nennen. Ist das ein Name, den Sie mögen, oder eher eine Bürde?

Serkis: Es ist keine Bürde. Vor ein paar Jahren war ich bereit, mich mit dieser Technologie weiter auseinanderzusetzen – nicht nur als Schauspieler. So habe ich ein Performance-Capture-Studio in London gegründet, The Imaginarium Studios, um mehr Schauspieler in diese Kunst einzuweihen, um Drehbuchautoren und Regisseure zusammenzubringen.

Sie haben nun schon viele Affen verkörpert. Was haben Affen und Menschen gemeinsam?

Serkis: Als ich anfing, mich mit Affen zu beschäftigen, dachte ich, ich studiere eine Spezies, die anders ist als ich und die ich objektiv betrachten kann. Aber umso mehr ich sie spielte, umso mehr merkte ich, wie ähnlich sie uns sind. Es ist, als würde ich Menschen studieren. Sie sind ebenso Individuen, die gute und schlechte Tage haben... Wir sind ihnen also näher, als wir denken.

Haben Sie sich in Vorbereitung auf Ihre Rolle auch mit den alten Planet der Affen-Filmen aus den 60er Jahren beschäftigt?

Serkis: Ich habe sie über die Jahre gesehen, und gerade die letzten beiden habe ich vor Prevolution angeschaut.

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