Von news.de-Redakteurin Susett Queisert - 07.02.2014, 17.05 Uhr

José Padhila: «Robocop sieht sich nackt im Spiegel»

Mit Dokumentarfilmen zu Hunger, Politik und Korruption in Brasilien hat Regisseur José Padhila weltweit Bekanntheit erlangt. Für «Robocop» betrat er erstmals das Terrain des Actionsfilms. Doch wie bringt man Poltik in einem Actionfilm unter?

Der Brasilianer José Padhila führte beim Remake von «Robocop», welcher diese Woche in den Kinos startete, Regie. Er wurde bekannt durch seine Dokumentarfilme über Hunger und Korruption in Brasilien, wovon «Tropa de Elite» sogar mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet wurde. Bei«Robocop» führt er erstmals für einen Actionfilm Regie und erzählt news.de, was er dabei im Sinn hatte.

Was waren die Gründe, wieso Sie einen neuen Robocop-Film drehen wollten?

José Padhila: Die kurze Antwort ist, dass das, was in 1987 Fiktion war, nun real ist. Das Maschinen Polizisten und im größeren Ausmaß auch Soldaten ersetzen, steht uns nahe bevor. Wir benutzen bereits jetzt Drohnen, die Menschen töten. Da sitzt ein Pilot in einem Bunker in Texas, der eine Entscheidung über das Leben von jemandem in Pakistan trifft. ... Und schon bald werden wir mit Armeen von Robotern anstatt Soldaten konfrontiert werden. Diese Thematik steht auch bei «Robocop» im Raum.

Könnte es eine Tür zu Faschismus öffnen?

José Padhila: Ein Weg, darüber nachzudenken, ist die Betrachtung des Vietnam-Krieges. Warum zogen sich die Amerikaner aus Vietnam zurück? Weil Soldaten getötet wurden. Aber was passiert, wenn man die Soldaten mit Robotern ersetzt?... Ich meine, es ist eine ernste Frage, die jede Nation diskutieren sollte. Zunächst müssen sie entscheiden, ob sie Roboter zur Gesetzesvollstreckung nutzen wollen oder nicht. Und ich denke, demnächst wird die UN diskutieren, was legal und was illegal ist, wenn man Maschinen nutzt. Ist es legal, Menschen eines anderen Landes zu scannen und eine Datenbank darüber anzulegen? Mit solchen Fragen beschäftigt sich «Robocop».

Sie haben sich zudem entschieden, die Geschichte emotionaler darzustellen, als es im ursprünglichen Film der Fall war. Warum?

José Padhila: Wir kehrten sie um, ja. Der Grund, weshalb der ursprüngliche «Robocop»-Film so interessant für mich ist, ist, das er zwei Seiten hat. Die eine Seite ist die politische, dass man Menschen durch Maschinen ersetzt. Die andere Seite ist die philosophische Seite. Wenn Maschinen sich der Technologie annähern, sich nicht mehr von Menschen unterscheiden zu können. Wenn biologische Systeme sich mit künstlichen Systemen vermischen. Die Frage, was uns menschlich macht, wird dann schwierig zu beantworten.

Die Menschheit hat diese Frage lange vor sich her geschoben. Ich denke aber, die Wissenschaft wird diesbezüglich immer aufdringlicher. Ich dachte, wenn ich «Robocop» als Mensch aufwachen lassen würde und es steht ein Wissenschaftler vor ihm und sagt, ‹das ist kein Anzug sondern das sind sie, sie sind ein Roboter› und der Mann mit diesem Dilemma konfrontiert wird, und er sieht, was von seinem Körper übrig ist – und das ist nicht viel – und er seinen freien Willen verliert, was genau definiert uns dann als Mensch?

Ist das auch der Grund, weshalb Sie im Remake bewusst auf gewalttätige Szenen, wie sie im Original zu sehen sind, verzichtet haben?

José Padhila: Für mich hat der Grund von großer Gewalt oder Sex oder was auch immer in einem Film mit der inneren Logik des Films zu tun, mit dem Zusammenhang des Film selbst. Es macht also keinen Sinn für jemanden, einen Film wie den Original «Robocop» anzuschauen, und zu sagen, das muss Gewalt sein, deshalb muss das Remake auch gewalttätig sein. ... Ich wählte das Level der Gewalt, welches angemessen für den Film war. Ich glaube, es gibt in dem Original «Robocop» keinen Film, der so gewalttätig ist, wie die Szene, in der sich Alex Murphy nach seinem Unfall nackt im Spiegel sieht. Das ist Gewalt in einer anderen Form. Ich kann zu Ihnen auch sagen, dass ich schon sehr viele Filme gemacht habe, die gewalttätig waren. Der gewalttätigste war ein Film über den Hunger.

VIDEO: Robocop - Kinotrailer

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