Jesus im Kino Romantische Apokalypse

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Von Axel Schock
Mit Jesus liebt mich startet am Donnerstag eine romantisch-apokalyptische Komödie in den deutschen Kinos. Jessica Schwarz verliebt sich als Schwarzwälderin in den geheimnisvollen Jeshua - der aber leider den Weltuntergang vorbereiten soll.

Die Autoren deutscher Filmkomödien haben offensichtlich ein neues komisches Feld für sich entdeckt: die christliche Kirche und deren bis in höchste Kreise reichendes Personal. In Omamamia verscherzt es sich Marianne Sägebrecht mit dem Papst, in Wer's glaubt, wird selig entgeht Hannelore Elsner nur knapp der Heiligsprechung, und in Jesus liebt mich (Kinostart: 20. Dezember 2012) kehrt nun Christus nach rund 2.000 Jahren zu den Menschen zurück und sucht sich ausgerechnet ein Städtchen im Schwarzwald für seinen Blitzbesuch aus.

Dass es sich bei dem etwas verstrahlt wirkenden Jeshua aus Palästina mit nicht ganz geklärtem beruflichen Hintergrund tatsächlich um Jesus, den Gekreuzigten handelt, spricht sich erst langsam herum. Für Marie (Jessica Schwarz) kommt diese Erkenntnis schon zu spät. Sie hat sich zu diesem Zeitpunkt schon heillos in den geheimnisvollen, sanftmütigen Softie, der immerzu reden und fremden Menschen die Füße waschen will, verliebt.

Gabriel (Henry Hübchen) hingegen hat Jeshua gleich wiedererkannt. Der Erzengel, der für seine ­ längst gescheiterte Liebe zu Sylvia (Hannelore Elsner) alles Göttliche samt Flügel aufgegeben hat, weiß auch als Einziger, was Jesus zu den Menschen zurückgetrieben hat: Er soll die akut anstehende Apokalypse vorbereiten.

Verliebter Messias und Frauenschwarm

Dass Jesus liebt mich nur wenige Tage vor dem Weihnachtsfest in die Kinos kommt, lässt es schon ahnen: Derbe Blasphemie und sarkastische Späße auf Kosten Gläubiger hatte Regisseur Florian David Fitz (Vincent will meer) keineswegs im Sinn. Während die Romanvorlage von Comedyautor David Safier (Berlin, Berlin) noch weit mehr mit pubertären Sprachwitzen durchsetzt ist, wandelt Fitz das Ganze in eine handlich recht glatt und sauber umgesetzte romantische Liebeskomödie.

Fitz, Filmemacher und Hauptdarsteller in Personalunion, hat keine Scheu, sich in seiner Rolle als verliebter Messias ohne Hemmungen als Frauenschwarm zu inszenieren. Richtig Spaß bei der Sache hatten aber sichtlich die erfahrenen Routiniers in der hochkarätigen Besetzung, etwa Michael Gwisdek als altersmüder Gott und Hannelore Elsner als Maries esoterische Hippie-Mutter.

Philosophische Streitgespräche mit Gott und Teufel

Solange Regisseur Fitz sich auf wenig originelle, aber gut funktionierende Slapstickeinlagen besinnt und komisches Kapital aus dem Zusammentreffen von irdischen mit himmlischen Gestalten schlagen kann, bleibt seine Komödie rund und in Fahrt. Schwieriger wird es, je mehr sich der Weltuntergang nähert und nun auch Moraldebatten und philosophische Streitgespräche mit Gott und Teufel (Nicolas Ofcarek) geführt werden müssen. Der damit verbundene Genresprung von der romantischen zur tragischen Komödie will Fitz nicht so recht gelingen und die Debatten über den freien Willen des Menschen ziehen sich etwas zäh und witzlos hin. Dieses bereits in der Romanvorlage bestehende Manko wusste Fitz dann noch nicht zu kompensieren.

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les/zij/news.de/dapd

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