«Gregs Tagebuch» Mit Anlauf voll ins Fettnäpfchen

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Der lustige Antiheld Greg aus den Comicbestellern von Jeff Kinney stolpert ab sofort wieder über die Kinoleinwände. In Gregs Tagebuch - Ich war's nicht bringt er sich mit seinen Tricks erneut in Bredouillen. Leider driftet mancher Gag in arg unappetitliche Gefilde.

Endlich Ferien! Greg will die freien Wochen mit zwei Projekten ausfüllen: Zuhause mit Videospielen abhängen und seinem Schwarm Holly näher kommen. Vor allem aber muss der Racker vor seinem Vater, der ihn sportlich ertüchtigen will, in Deckung gehen. Und so laviert sich der Antiheld in Gregs Tagebuch - Ich war's nicht mit seinen Tricks erneut in Bredouillen, die kleine und auch vielleicht große Zuschauer zum Lachen bringen.

Die dritte Verfilmung von Jeff Kinneys Bestseller-Comics ist inspiriert vom vierten Band der Buchreihe. Ging's in den vorigen Filmen darum, die ersten Jahre der Junior Highschool und die Gemeinheiten seines älteren Bruders Rodrick zu überstehen, so handelt die Fortsetzung besonders von der Beziehung zu seinem Vater. Dieser wird erneut von Steve Zahn als netter Pantoffelheld ohne viel Durchblick, aber mit gutem Willen verkörpert. Papa schleppt den Sohnemann ins Pfadfinderlager, nimmt ihn zum Angeln mit und auch zu seinem Hobbyverein, bei dem erwachsene Männer in historischen Soldatenuniformen Bürgerkrieg spielen. Dass Greg es spielend schafft, bei diesen Aktivitäten tief ins Fettnäpfchen zu treten, steht außer Frage.

Zum Glück bietet ihm sein bester Kumpel, der leicht bedepperte Rupert, eine Zuflucht im noblen Country Club seiner Eltern. Statt in dem mit haarigen und käsfüßigen Zeitgenossen übervölkerten öffentlichen Schwimmbad zu strampeln, genießt Greg das Dolce Vita am fast leeren Pool, wo freundliche Kellner für steten Eisnachschub sorgen. Außerdem tummelt sich auf dem Tennisplatz die engelhafte Holly. Rodrick interessiert sich allerdings für ihre ältere Schwester, Superzicke Heather, was zu neuen Katastrophen führt. Auch Greg schafft es, sich zu blamieren: Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was beim Sprung vom Fünf-Meter-Brett alles passieren kann.

Kreatives Sensibelchen mit Loser-Charme

Kurz: Die Fortsetzung ist sehr slapsticklastig, doch die Malheurs sind meist nachvollziehbar und besitzen Fremdschäm-Garantie. Mit einem Neuzugang, einem peinlicherweise «Sweetie» benannten Zottelhund, driftet mancher Gag in arg unappetitliche Gefilde. Trotz dieser Igitt-Momente hat der Knilch so viel Identifikationspotenzial, dass sich Klein und Groß (im Gedenken an die eigene Kindheit) mit ihm identifizieren können. Greg kommt als liebenswertes Sensibelchen 'rüber, dessen kreative Schwindeleien und genaue Beobachtung der Macken seiner Durchschnittsfamilie es fast als präpubertären Woody Allen ausweisen.

«Gregs Tagebuch»
Pfadfinder, Superzicken, Zottelhunde
Video: arrangement-co

Trotz der gelegentlichen Überblendung des Realfilms mit Comic-Strichmännchen gibt es in dem neuem Abenteuer leider weniger von jenen ins Absurde driftenden Alltagssituationen, die einst das Markenzeichen der Verfilmungen war. Gottlob aber bleiben auch in Gregs neuer Pannenrunde die pädagogischen Zeigefinger unten. Die Neudefinition des Vater-Sohn-Verhältnisses, in dem Greg klar wird, wie ähnlich er seinem Vater ist, verweist allerdings auch auf das allmähliche Erwachsenwerden des Bengels. Man darf gespannt sein, ob Gregs entwaffnender Losercharme die Pubertät von Hauptdarsteller Zachary Gordon, der bald 15 Jahre zählt, überstehen wird. Es wäre schade wenn nicht.

Titel: Gregs Tagebuch - Ich war's nicht
Länge: 96 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung
Regie: David Bowers
Darsteller: Zachary Gordon, Robert Capron, Devon Bostick, Rachael Harris, Steve Zahn

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boi/news.de/dapd

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