«Wir wollten aufs Meer» Hoffnung und Verrat in Zeiten der Stasi

Im Kino 2012
Die erfolgreichsten Filme des Jahres
Ziemlich beste Freunde (8,8 Millionen Besucher) (Foto) Zur Fotostrecke

Seit mehr als 20 Jahren ist die DDR Geschichte. Doch Filme über diese Zeit bewegen die Menschen immer noch. Wir wollten aufs Meer ist ein emotionaler Streifen über Hoffnungen, bittere Enttäuschungen und die Frage, was den Wert von Freundschaft ausmacht

Freundschaft in Zeiten der Stasi - nicht immer leicht. Wem kann man vertrauen, wer ist ehrlich oder wer würde einen schlimmstenfalls verraten? Um dieses Wechselspiel zwischen Vertrauen und Misstrauen geht es in dem Film Wir wollten aufs Meer. Ronald Zehrfeld, August Diehl und Alexander Fehling spielen darin drei junge Männer, die zu DDR-Zeiten als Matrosen der Handelsmarine anheuern wollen. Ihr Ziel: Die ferne Welt. Doch aus den Plänen wird nichts, im Gegenteil. Die Stasi taucht auf und will zwei der Freunde als Spitzel gewinnen. Sie sollen den dritten im Bunde, Matze, aushorchen. Fortan ändert sich das Leben der Drei radikal - mit schlimmen Folgen.

Toke Constantin Hebbeln hat nach seinem Oscar-gekrönten Studenten-Kurzfilm Nimmermehr das bedrückende und bewegende Stasi-Drama über die Situation von politischen Gefangenen inszeniert. Ohne falsches Pathos zeigt er darin, wie das Misstrauen immer weiter um sich greift, bis in intimste Beziehungen. Auch wenn das DDR-System marode ist und dem Untergang entgegenschlittert, hat es doch noch viel Macht und zerstört zahlreiche Menschenleben. Im Mittelpunkt steht die Frage, welchen Wert Freundschaft und Treue haben. Wer sie verrät, so die Botschaft, ist am Ende der wahre Verlierer, selbst wenn er eigentlich auf der Seite der Mächtigen steht.

Millionen-Verluste
Autsch! Die größten Filmflops der Stars
Extrem Laut und Unglaublich Nah (Foto) Zur Fotostrecke

Conny (Fehling) und Andy (Diehl) schuften als Hafenarbeiter in Rostock. Bald freunden sie sich mit dem Vorarbeiter Matze (Zehrfeld) an. Den Oberen kommt zu Ohren, dass Matze die Republikflucht plant. Um ihn auszuspionieren, setzt die Stasi Conny und Andy auf ihn an. Als Belohnung lockt der langersehnte Wechsel zur Marine. Mit einem Tonbandgerät horchen sie Matze aus, der ihnen tatsächlich von seinen Fluchtplänen erzählt. Doch plötzlich bekommen die Spione Zweifel und beschließen, nichts zu verraten. Trotzdem wird Matze am nächsten Tag bei seinem Fluchtversuch festgenommen und in den Knast gesteckt.

Conny ahnt, dass Andy der Verräter war und ist schockiert. Als auch er fliehen will, landet er ebenfalls im Gefängnis. Andy hat sich unterdessen auf einen Handel mit der Stasi eingelassen und agiert weiter als Spitzel. Während seine Freunde als politische Gefangene verzweifelt um ihre Freilassung Richtung Westen kämpfen, hadert er bald mit seiner Aufgabe.

«Wir wollten aufs Meer»
Freundschaft im Schatten der Stasi
Video: filmtrailercom

Die Musik ist bisweilen etwas bombastisch geraten und entfaltet eine Dramatik, die der Film auch alleine aufbringt. Viele Szenen rühren an, etwa wenn Matze im Gefängnis verzweifelt, als seine Frau ihm schriftlich ihre Scheidung erklärt und nicht mehr weiß, warum er sich überhaupt noch um seine Freilassung in den Westen bemühen soll. Doch seine Mitgefangenen reden ihm zu: «Vergiss niemals, warum.» Denn ohne Lebenswillen zerbricht man im harten Gefängnisalltag, das wissen alle.

Matze-Darsteller Zehrfeld empfand diese Szene als besonders einprägsam. «Dieser Moment zeigt, das ist das Menschliche, das kann Dir kein totalitärer Staat wegnehmen. Da ist es egal, ob du auf einer Gefängnispritsche liegst oder auf einem 5-Sterne-Himmelbett, da trennt sich die Spreu vom Weizen», sagt er. Den gebürtigen Ostberliner beeindruckten beim Dreh vor allem die Komparsen, die solche Dinge tatsächlich erfahren hatten. «Sich vorzustellen, dass die das in echt erlebt haben, da liefen uns auch die Tränen runter, wenn wir gespielt haben», erinnert er sich.

Von Jannings bis Donnersmarck
Deutsche Oscarpreisträger
Emil Jannings (Foto) Zur Fotostrecke

Für viele der Komparsen sei der Film eine Form der Aufarbeitung gewesen. «Das hat ihnen etwas zurückgegeben, was man nicht aufwiegen kann mit Geld. Gestandene Männern haben geheult und gesagt, danke, dass ihr uns was zurückgebt. Denen hat man einfach ein Stück Leben geklaut.»

Sind Sie schon Fan von news.de auf Facebook? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

Kinostarts der Woche
Bourne und andere Vermächtnisse
Video: dpa

rut/news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige