«Kochen ist Chefsache» Mit Jean Reno im Land der Froschfresser

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Der wuselige Koch Jacky hat sich mit seiner Kreativität bisher noch hinter jedem Bistro-Herd unbeliebt gemacht. Dem stoischen Alexandre dagegen, einem legendären Starkoch, fällt einfach nichts mehr ein. Als sich die beiden zufällig begegnen, ist das der Beginn einer eigenartigen Beziehung.

Koch Jacky (Michaël Youn) hat sich mit seiner genialen Kreativität bisher noch hinter jedem Bistro-Herd unbeliebt gemacht. Dem überaus stoischen Alexandre (Jean Reno) dagegen, einem legendären Starkoch, fällt einfach nichts mehr ein. Als sich die beiden so unterschiedlichen Temperamente zufällig begegnen, ist Jacky begeistert, denn Alexandre ist quasi sein Hausheiliger. Doch als der Chaot in Alexandres Gourmettempel aushelfen soll, kochen beide bald über. Dabei stehen nicht nur die drei Sterne von Alexandres Restaurant auf dem Spiel.

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Kochen ist Chefsache ist - natürlich - eine Komödie aus dem Land der Froschfresser. Ganz in Weiß, mit einer Haube auf dem Kopf, zanken sich zwei der beliebtesten französischen Stars: Veteran Jean Reno und Komiker Michaël Youn, im Gegensatz zu Der Profi Reno hierzulande noch unbekannt. Nicht nur seit Louis de Funès köstlicher Gastro-Satire Brust oder Keule (1976) demonstrieren französische Filme ein Faible für leibliche Genüsse. Nirgends sonst wird im Film so viel und begeistert gekocht, gegessen und gesüffelt. Und auch diesmal sollte man nicht hungrig ins Kino gehen.

Spott über die Mätzchen der Molekularküche

Doch mit Funès' Komödie hat dieser Film nur die Besessenheit für den guten Geschmack und die Abscheu vor neuen Methoden gemein. Kam Louis einst beim Anblick eines aus undefinierbarem Formfleisch hergestellten Fabrikbroilers die Galle hoch, so will sich Alexandre auf keinen Fall mit der angesagten Molekularküche befassen, in der Lebensmittel mit Stickstoff pulverisiert und verformt werden.

Kochen ist Chefsache
Jean Reno schwingt den Kochlöffel
Video: youtube

Genau das aber verlangt sein schnöseliger junger Chef von ihm - und tut im Übrigen alles, damit Alexandre einen Stern verliert. Jacky dagegen droht seine schwangere Frau abhandenzukommen, die seine Eskapaden satt hat.

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Fast noch wichtiger als die privaten Nöte - auch Alexandres Tochter fühlt sich von Papa vernachlässigt - sind aber Fragen wie die, ob das Lamm besser mit Schnittlauch oder mit Estragon schmeckt, oder ob Kalbsbries mit Holunderessig gewürzt werden darf, kurz, ob Jacky das Recht hat, die Rezepte des verehrten Alexandre «neu zu interpretieren». So wandelt sich, von einem kulinarischen Scharmützel zum nächsten, die Notgemeinschaft der beiden zu einer Männerkumpanei, die vor nichts zurückschreckt. Auch nicht davor, als japanisches Ehepaar verkleidet ein stylisches Molekularrestaurant auszuspionieren und im Kimono Essen zu bunkern.

Fritten, blaue Nudeln und andere kulinarische Katastrophen

Abgesehen von dieser herrlich albernen Szene gibt es wenig Slapstick, und die Geschichte erweist sich insgesamt als doch recht aufgewärmt. Dennoch ist auch diese Komödie von jener unbeschwerten Quirligkeit, deren Rezept das Geheimnis gallischer Regisseure - hier Daniel Cohen - zu sein scheint.

Und wenn der manische Jacky die Esser handgreiflich vom richtigen Wein zu seinem Menü überzeugen will, wenn er in der Fernfahrerkneipe an der Vorliebe der Kundschaft für Fritten verzweifelt, wenn er im Altersheim die Töpfe rührt und die Senioren meutern - dann merkt man, dass die Leidenschaft für gutes Essen nicht nur witzig ist, sondern ein essenzielles Bedürfnis befriedigt. wird.

Angesichts des Hysterikers Jacky braucht Jean Reno als Alexandre nur sein steinernes Gesicht aufzusetzen und seine Triefaugen noch etwas müder blicken zu lassen. Mit der Kritik an der elitären Gourmetszene und an der von Ferran Adrià entwickelten Molekularküche (wobei der Katalane, der die französische Gourmetküche herausgefordert hat, nie genannt wird) befindet sich die Komödie zudem auf der Höhe der Zeit. Und wer würde wohl im Ernst Mätzchen wie blaue Nudeln und «explosion de boeuf» den Karamell-Herzen und knusprigen Croissants, die beide Köche ihren Lieben kredenzen, vorziehen?

Titel: Kochen ist Chefsache
Regie: Daniel Cohen
Darsteller: Jean Reno, Michaël Youn, Raphaelle Agogué u.a.
Verleih: Senator
Kinostart in Deutschland: 7. Juni 2012

rut/news.de/dapd

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