«Dark Shadows» Johnny Depp trinkt Menschenblut

Stilikone
Lässiger als Johnny Depp geht's nicht
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In seinen vielen Filmen mit Regisseur Tim Burton sah Johnny Depp selten richtig gesund aus, doch selbst der Tod steht ihm gut: Als Barnabas, der Vampir, beherrscht Burtons Lieblingsschauspieler mit Dark Shadows erneut die Leinwand.

Johnny Depp nachzusagen, er wäre etwas blass um die Nasenspitze, würde im Allgemeinen als reine Boshaftigkeit verstanden werden. Ganz anders jedoch im Bezug auf seinen neuen Kinofilm Dark Shadows von Regisseur Tim Burton. Da muss man neidlos amerkennen: Selbst der Tod steht Johnny Depp äußerst gut: Als Barnabas, der Vampir, beherrscht Burtons Lieblingsschauspieler (seit Edward mit den Scherenhänden) erneut die Leinwand.

Mit kalkweißem Gesicht, schwarzen Stirnfransen und exzentrischem Zwirn könnte man ihn auf jeden Laufsteg schicken. Doch für gewöhnliche Zeitgenossen wirken der aristokratische Habitus und die überfeinerten Manieren auch etwas altmodisch. Barnabas Collins, der fahle Dandy des 18. Jahrhunderts, ist gefangen in der schrecklich banalen, zügellosen, herrlich bunten Welt des Jahres 1972!

Dark Shadows
Johnny Depps neuer Kino-Hit
Video: youtube

Um das Jahr 1776 herum wurde Barnabas von der eifersüchtigen Hexe Angelique (Eva Green) zum Vampir gemacht und lebendig begraben. Zwei Jahrhunderte später hat er jede Menge Durst und keinen blassen Schimmer von der Welt um sich herum: Männer tragen lange Haare und Frauen Doktortitel, Mode und Musik lassen jede Moral vermissen. Am besten sieht er den Verfall an der eigenen Familie, mit der er sich notgedrungen zusammenraufen muss.

Die Collins Family - eine schräge Bande

Zu den entfernten Verwandten zählen: die kühle Matriarchin Elizabeth (Michelle Pfeiffer), die eitle Psychiaterin Julia (Helena-Bonham Carter) und die laszive Glam-Rock-Göre Carolyn (Chloe Moretz). Als geschäftliche Konkurrentin - mit jahrhundertelanger Erfahrung - treibt auch Angelique noch ihr Unwesen.

Johnny Depp
Ein wandlungsfähiger Filmstar
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In der Kinoversion einer amerikanischen TV-Serie der 1960er Jahre zeigt sich Regisseur Tim Burton einmal mehr als Meister des humorvollen Gothic Horror, mit Betonung auf Humor. Nach einer düsteren Exposition und einem eleganten Übergang in die Gegenwart badet Dark Shadows geradezu in popkulturellen Referenzen und erlesener Seventies-Ästhetik. An alte Vampirmythen wie Dracula und Nosferatu erinnert nur noch Johnny Depps blasse Gestalt, ansonsten denkt man an The Rocky Horror Picture Show oder auch an die Addams Family.

Ein Regisseur holt sich sein Genre zurück

Denn im Vordergrund steht weniger eine emotional schlüssige Story - der alte Fluch der Familie Collins beinhaltet auch eine tragische Liebesgeschichte - als skurrile, oftmals brillante Einzelszenen. Dazu gehören ein im Fledermausmodus überm Bett hängender Vampir oder eine als Pop-Art-Massaker inszenierte Sexszene der beiden Jahrhundertfeinde. Leichtere Gags zeigen Barnabas im freundlichen Gespräch mit friedliebenden Hippies, die er danach allesamt verspeist, und einen Konzertauftritt von Alice Cooper im Familienstammsitz Collinwood Manor. Fans des düsteren Tim Burton werden mit einem starken Finale entschädigt, das nicht nur in Sachen Computertricks einige Überraschungen bietet.

Dieser Stilmix mag im Ganzen etwas zu speziell wirken. Dafür hat man nie den Eindruck, Burton bediene einfach den Twilight-Hype. Eher holt sich hier ein Regisseur, aus dessen Werk Untote aller Art nicht wegzudenken sind, sein eigenes Genre zurück - um es umgehend zu ironisieren.

Ein weiteres Markenzeichen kommt in diesem prachtvollen Kostümfilm ebenfalls nicht zu kurz: Kinogöttinnen wie Michelle Pfeiffer, Helena Bonham Carter und eine in Lack und Mieder bitterböse auftretende Eva Green sind erneut umwerfend inszeniert. Das Ergebnis ist ein zwar eher unblutiger, aber keineswegs blutleerer Vampirfilm - und ein echter Burton.

Titel: Dark Shadows
Kinostart: 10. Mai 2012
Schauspieler: Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Helena Bonham Carter, Eva Green u.a.
Regie: Tim Burton

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rut/boi/news.de/dapd

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