2011 auf DVD Die besten Filme fürs Heimkino

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Auch diese Filme aus dem Jahr 2011 gehören in jede gut sortierte Filmsammlung. Bild: news.de (Montage)

Das Jahr neigt sich dem Ende, Zeit für den Blick zurück. Zum Beispiel auf die Highlights im Kino. Viele sind inzwischen als DVD und Blu-ray erschienen, wir empfehlen unsere zehn Favoriten fürs Heimkino. Denn nicht nur zwischen den Jahren sind die Abende lang.

The King's Speech

Der Film war der Abräumer der vergangenen Oscarverleihung. Zwölfmal nominiert, wurde er mit vier Academy Awards ausgezeichnet. Ob die Queen über die Filmbiographie «amused» war, ist zwar nicht bekannt, «bewegend» fand Elizabeth II. The King's Speech aber. Jedenfalls wurde Englands Königin nach einer Privatvorführung entsprechend zitiert.

Der Film von Regisseur Tom Hooper zeichnet einige Jahre aus dem Leben ihres Vaters König George VI. nach. Sein Stottern macht ihm das Leben immer wieder zur Hölle. Etwa in dem Moment, als der Monarch, dargestellt von Colin Firth (Bridget Jones, Dorian Gray), während der Abschlussveranstaltung der British Empire Exhibition von 1925 erstmals eine vom Hörfunk übertragene Ansprache halten soll. Es kommt zu einem Fiasko.

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Damit beginnt The King's Speech. Und erzählt im Anschluss, wie der König mit Hilfe des australischen Sprachtherapeuten und Gelegenheitsschauspielers Lionel Logue (Geoffrey Rush), der neben seinen unorthodoxen Behandlungsmethoden vor allem durch seine Exzentrik auffällt, das Sprachleiden mehr und mehr in den Griff bekommt. Und wie aus den beiden ungleichen Männern wahre Freunde werden. Ein illustres und blendend aufspielendes Darstellerensemble, wunderbar pointierte Dialoge und starke Bilder machen The King's Speech zu einem großartigen Drama.

The Social Network

Der Oscar für den besten Film des Jahres mag an The King's Speech gegangen sein. Wenn jedoch in 20 Jahren jemand etwas über die Nullerjahre erfahren möchte, wird er zu einem anderen Film greifen: The Social Network. Man kann David Finchers Meisterstück über die Entstehung des sozialen Netzwerkes Facebook gar nicht hoch genug loben. Aaron Sorkins vor rasiermesserscharfen Dialogen schier berstendes Drehbuch, der brillante Schnitt sowie der ungewöhnliche Industrial-Soundtrack entfalten einen Sog, der seinesgleichen sucht.

Ziemlich mutig war das Projekt auch - nicht nur, weil es ohnehin schwierig ist, eine Art Historienfilm über nur wenige Jahre zurückliegende Ereignisse zu drehen. Auch bestand die Gefahr, dass der echte Mark Zuckerberg unwirsch auf den Film reagiert. Eine unbegründete Sorge.

Das Biopic erzählt von einer Zeitenwende: Davon, wie eine Bande Außenseiter das Establishment praktisch auf dem Standstreifen überholt. In einigen Jahren wird man The Social Network ansehen, wie man heute American Graffiti oder Easy Rider guckt, um in die Ära des Rock'n'Roll oder die Zeit der Hippies einzutauchen.

True Grit

Zehnmal war True Grit für den Oscar nominiert - unter anderem für den besten Film sowie Joel und Ethan Coen für die beste Regie. Doch das Werk des genialen Bruderpaares ging am Ende leer aus. Dem Urteil der Academy zum Trotz haben die Coens mit True Grit einen exzellenten Western geschaffen, der das bereits oft totgesagte Genre erneut wiederbelebt.

Als versoffener Auftragskiller reitet Rooster Cogburn alias Jeff Bridges für ein 14-jähriges Mädchen namens Mattie (Hailee Steinfeld) gegen einen feigen Mörder. Beide waren ebenfalls für den Oscar vorgeschlagen: Bridges als bester Hauptdarsteller, Hailee Steinfeld als beste Nebendarstellerin. Dabei hat eigentlich das Mädchen in True Grit die Hosen an. Mit der beneidenswerten Unerschrockenheit eines Teenagers kämpft sich Mattie durch eine Welt voller Raubeine, zu denen auch die wunderbar aufspielenden Matt Damon und Josh Brolin gehören.

Doch True Grit überzeugt nicht bloß dank der herausragenden Darsteller, sondern ebenso mit der Vielschichtigkeit der Charaktere. Es geht um Loyalität, Schneid und Vergeltung, die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Und das in toll fotografierten Bildern. Die Vorlage für den Western der Coen-Brüder lieferte der gleichnamige Roman von Charles Portis.

Dass es schon einen Film zum Buch gibt, in dem John «The Duke» Wayne die Hauptrolle spielt, sehen die Regisseure betont gelassen. Sie hätten sich ausschließlich auf die literarische Vorlage konzentriert und den Western-Klassiker absichtlich ignoriert, beteuern sie. Und damit sind sie sehr erfolgreich, besonders in Europa lockte das Werk die Massen in die Kinos.

Rango

Dass das geschwätzige Chamäleon Rango mal ein waschechter Revolverheld werden soll, davon weiß es anfangs noch nichts. Das Reptil hockt in seinem Terrarium und führt zum Zeitvertreib Einpersonenstücke auf. Erst als es bei einer Autofahrt aus dem Wagen purzelt, wendet sich sein Schicksal.

Unverdrossen marschiert es durch die Wüste und gelangt in die Kleinstadt Dirt. Weil Rango im örtlichen Saloon ordentlich auf die Pauke haut, hält man ihn für einen versierten Cowboy und unversehens steckt er mitten in den Ermittlungen zu einer Verschwörung. Dirt geht nämlich das Wasser aus. Nun sind Helden gefragt. Helden wie Rango.

Regisseur Gore Verbinski (Fluch der Karibik) inszeniert Rango nicht als überdrehte Nummernrevue, sondern als waschechtes Spannungskino. Sein Animationswestern hebt sich damit wohltuend von anderen Trickfilmabenteuern ab. Auch das Genre ist klug gewählt. Nicht nur sind Western inzwischen so rar geworden, dass sie eine willkommene Abwechslung von den überstrapazierten Shrek- oder Ice-Age-Reihen sind.

Die obligatorischen Anspielungen auf wichtige Klassiker sind clever integriert und nicht so prominent hervorgehoben, dass sie vom Genuss der Geschichte ablenken würden. Wenn Rango schließlich in den dramatisch gelb-roten Sonnenuntergang reitet, kann einem glatt entfallen sein, dass man da animierte Echsen, Wühlmäuse und sogar Lemuren gesehen hat - und eben keinen klassischen Western. Wunderbar.

In ihren Augen

Das argentinische Drama In ihren Augen (spanischer Originaltitel: El secreto de sus ojos) ist ein großartiger Film über die Liebe, ohne ein Liebesfilm zu sein. Der ehemalige Polizist Benjamín Espósitos (Ricardo Darín) ist gerade in den Ruhestand getreten, doch Ruhe findet er nicht. Seit 25 Jahren ist der Argentinier besessen von einem Fall, seinem wichtigsten. Nun möchte er darüber ein Buch schreiben, einen Roman.

Durch diesen erzählerischen Kniff gelingt es dem Film problemlos, zwischen Buenos Aires heute und Mitte der 1970er Jahre hin und her zu springen, Vergangenheit und nie Vergangenes gegenüberzustellen und so die enorme Tragweite des Falls und dessen Einfluss auf Benjamíns Leben deutlich zu machen. Er kämpft für Gerechtigkeit und vergisst darüber, um seine große Liebe zu kämpfen.

In ihren Augen ist ein toller, auch durch das krimi-ähnliche Grundgerüst überaus spannender Film, dramatisch und traurig zugleich. Völlig zu Recht wurde er mit dem Oscar als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet.

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