«Roller Girl» im Kino Die Emanzipation auf Rollen 

Für ihr Regiedebüt hat sich Drew Barrymore einer ungewöhnlichen Sportart gewidmet. Bei Roller Girl geht es um Roller Derby - und um die Suche nach dem eigenen Selbst. Ein vorhersehbarer Plot, aber Hauptdarstellerin Ellen Page ist auf Rollen einfach grandios.
 

Roller Girl (Foto)
Roller Girl: Bliss (Ellen Page) findet ihre Bestimmung im Roller Derby.   Bild: Senator Film

Eigentlich würde es für Bliss Cavender (Ellen Page) reichen, schön zu sein, und vielleicht noch ein bisschen schlau, um auch die Jury-Fragen bei Schönheitswettbewerben beantworten zu können. Die sind der Lebensinhalt der 17-Jährigen - zumindest wenn es nach ihrer Mutter geht (Oscar-Gewinnerin Marcia Gay Harden), selbst eine verblasste Schönheitskönigin.

In einer Kleinstadt in Texas schleppt sich Bliss als Außenseiterin durch den Highschool-Alltag und arbeitet mit ihrer besten Freundin Pash (Alia Shawkat) in einem Barbecue-Restaurant. Gemeinsam suchen sie einen Weg aus dieser Misere, die im Teenager-Alter um ein Vielfaches potenziert erscheint. Denn es reicht eben nicht, nur gut auszusehen.

Die Offenbarung kommt Bliss als sie ein Roller-Derby-Spiel in Austin besucht. Ein Sport wie das genaue Gegenteil zum Schönheitswettbewerb. Zwei Teams aus hemmungslos schwitzenden Frauen versuchen sich auf Rollschuhen gegenseitig von der Bahn zu rüpeln. Bliss ist angefixt, geht zum Probetraining und stellt sich als Naturtalent heraus. Schnell bekommt sie ihren Roller-Derby-Namen «Babe Ruthless» (Schätzchen Schonungslos) - von Glück keine Rede mehr. Bliss hat ihre Bestimmung gefunden, nur wehe, wenn das die Mutter erfährt.

Roller Girl: Lieber Rollschuhmädchen als Schönheitskönigin

Drew Barrymores Seelenverwandte

Natürlich wird sie es erfahren, deshalb ist die Geschichte so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Roller Girl ist eine Coming-Of-Age-Geschichte, wie es sie aus Hollywood schon zigfach gegeben hat. Wer bin ich und wo gehöre ich hin?, sind dann auch die zentralen Fragen, die «Dein eigener Held» und «Zu deinem eigenen Stamm» beantwortet werden. Besonders sind allerdings Ensemble und Setting.

Roller Girl ist das Regiedebüt von Hollywoodstar Drew Barrymore, die im Abspann auch als Produzentin genannt wird und selbst mitspielt, als prollig-taffe Smashley Simpson. Schon in ihrer ersten Szene rinnt ihr Blut aus der Nase bis übers Kinn - kann schon mal vorkommen beim Roller Derby. Mit Ellen Page hat Barrymore wohl eine Seelenverwandte gefunden, die in ihrer Figur reizend und glaubwürdig Girl Power neu definiert.

Das Drehbuch basiert auf dem Roman Derby Girl von Shawna Cross, die aus ihren eigenen Erfahrungen beim den Los Angeles Derby Dolls schöpft. Roller Derby als hochathletischer, für starke Frauen stehender und in Amerika immer beliebter werdender Sport, bietet das passende Umfeld für eine Geschichte, wie Barrymore sie erzählt - von kurios bis tiefgründig.

Vor allem die Beziehung zwischen Bliss und ihrer Mutter, denen der Kampf um Verständnis für den jeweils anderen schwer fällt, ist fein beobachtet. Außerdem ist die Roller-Derby-Performance der Rollschuhfahrenden Schauspielerinnen, unter ihnen auch Juliette Lewis und Zoe Bell, schlichtweg beeindruckend.

Roller Girl ist ein vergnüglicher Film, der das Genre nicht neu erfindet. Aber ein Film, in dem starke Mädchen verehrt werden, lohnt den Kinobesuch.

Titel: Roller Girl - Manchmal ist die schiefe Bahn der richtige Weg
Regie: Drew Barrymore
Darsteller: Ellen Page, Drew Barrymore, Kristen Wiig, Juliette Lewis, Eve, Jimmy Fallon, Daniel Stern
Filmlänge: 111 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: 20th Century Fox
Kinostart: 1. September 2011

krc/news.de

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