Neu im Kino Timberlake will Freundschaftssex

Sie sind Freunde mit gewissen Vorzügen: Mila Kunis und Justin Timberlake spielen in der gleichnamigen Romantikkomödie zwei Singles, die Sex ohne Verpflichtungen haben. Dass Gefühle ihnen schließlich einen Strich durch die Rechnung machen, ist nicht neu, aber sehenswert.

Trailer : Timberlake und Kunis auf Tuchfühlung
Video: Sony Pictures

Das ist der Stoff, aus dem schon so viele Romantikkomödien gemacht sind: Mann und Frau lernen sich kennen, werden Freunde, haben unverbindlichen Sex miteinander, der dann allerdings nicht mehr so unverbindlich ist, wenn Gefühle ins Spiel kommen. Die machen bekanntermaßen alles kompliziert und führen im wahren Leben wie auch im Film zu so mancher Szene - egal ob Wutausbruch oder Heulkrampf. Auch Hollywoods neuestes Werk in Sachen «Liebe mit Hindernissen» hat davon einige zu bieten. Freunde mit gewissen Vorzügen ist aber alles andere als aufgewärmter Einheitsbrei.

Das liegt vor allem an gut gezeichneten Figuren und nicht minder guten Darstellern. Da ist zum einen Headhunterin Jamie (Mila Kunis), die als waschechte New Yorkerin kein Blatt vor den Mund nimmt. Sie ist Karrierefrau, Kumpeltyp und Vamp in Personalunion. Mit ihr kann Mann Pferde stehlen. Sie soll den Internetblogger Dylan (Justin Timberlake) als Art Director für das renommierte GQ Magazin anwerben. Doch der Familienmensch hängt an seiner Heimat Los Angeles und so zieht Jamie sämtliche Register, um ihm die Konkurrenz-Großstadt schmackhaft zu machen.

Es funktioniert: Dylan entscheidet sich für den Job in New York und findet in Jamie eine der wichtigsten Bezugspersonen in der für ihn fremden Umgebung. Dabei bleibt es natürlich nicht lange. Weil beide von der Liebe einmal zu oft enttäuscht wurden, auf Sex aber nicht verzichten wollen, kommt ihnen die fixe Idee, miteinander Sex zu haben - ohne Gefühle und Verpflichtungen, versteht sich beim Schwur auf die Bibel-App. Schließlich ist Sex etwas rein Körperliches, wie Tennis spielen, glaubt Dylan. Und so landen er und Jamie schneller im Bett, als der Zuschauer gucken kann.

Die Romantikkomödie in der Romantikkomödie

Dass die beiden füreinander bestimmt sind und sich nach einigen Komplikationen doch kriegen werden, ist schon zu Beginn von Freunde mit gewissen Vorzügen klar. Langweillig wird es dank gelungener Situationskomik und narrativer Winkelzüge dennoch nicht. So hat die Sex-ohne-Liebe-Sache durchaus ihre Vorteile: Beim Beischlaf kann das Licht angelassen werden, weil Jamie sich für ihren Körper vor Dylan nicht schämen muss. Während des Aktes werden statt Liebesbekundungen ungeniert Anweisungen ausgetauscht, die den Sex noch besser machen. Und es darf gesungen werden, Debatten über Interpret und Titel inklusive. Keiner muss sich schämen und jeder kommt auf seine Kosten.

Im Kino: Liebe, Sex oder beides?

So einfach ist das Ganze aber nicht. Deswegen wird es auch kompliziert, als Dylan Jamie mit nach Hause nimmt. Die beiden hatten gerade eine Sexpause eingelegt, weil Jamie wieder daten wollte, was natürlich nach hinten los ging. Zur Ablenkung stellt Dylan sie ihrer Familie vor - als gute Freundin. Dass sie längst viel mehr ist als das, wissen Vater Harper (Richard Jenkins) und Schwester Annie (Jenna Elfman) auf Anhieb. Und auch Jamie wird langsam klar, dass sich Liebe und Sex auf Dauer nicht so einfach trennen lassen. Umso mehr verletzt sie Dylans Gleichgültigkeit.

Deshalb muss er sich ganz schön ins Zeug legen, um seine beste Freundin, die die Richtige zu sein scheint, zurückzugewinnen. Was als Komödie begann, wird hier schließlich zum Liebesfilm, der trotz Happy End nicht dem triefenden Kitsch herkömmlicher Schnulzen verfällt. Die Drehbuchautoren, darunter Regisseur Will Gluck (Einfach zu haben), haben vorgesorgt. Noch bevor Jamie und Dylan miteinander in die Kiste steigen, schauen sie ihre Lieblingsromantikkomödie. Und diese ist eine, wie sie der Zuschauer zuhauf kennt: mit sperrigen Dialogen und viel Kitsch.

Grandiose Haupt- und auch Nebendarsteller

Freunde mit gewissen Vorzügen macht diese Fehler zum Glück nicht, sondern beeindruckt durch Wortwitz und schlagfertige Dialoge. Die Selbstreferenz zum eigenen Genre greift der Film am Ende nochmals auf. Nicht etwa, um das Happy End mit weißer Pferdekutsche zu kopieren, sondern um dies gerade nicht zu tun. In Zeiten der sozialen Vernetzung hat der Traumprinz des 21. Jahrhunderts ganz andere Möglichkeiten.

Daneben lebt Freunde mit gewissen Vorzügen auch von seinen prominenten Nebendarstellern. Woody Harrelson als schwuler Macho Tommy und Patricia Clarkson, die als Mutter von Jamie in den 1970ern hängen geblieben ist, sorgen für reichlich Lacher. Richard Jenkins und Jenna Elfman bringen als Familie von Dylan ein wenig Dramatik ins Spiel, muss sie sich doch um den an Alzheimer erkrankten Vater kümmern. Eine Nebenstory, die man wie in vielen anderen Romantikkomödien nicht gebraucht hätte, die aber auch nicht wehtut.

Emanzipieren kann und will sich der Film von den Strukturen seines Genres nicht. Genau genommen wäre er dann ja keine Romantikkomödie mehr. So bekommt der Zuschauer, was er erwartet und noch ein bisschen mehr. Nämlich eine bekannte Story erfrischend neu erzählt.

Bestes Zitat: «Lass' uns Tennis spielen.» (Dylan will Sex mit Jamie.)

Titel: Freunde mit gewissen Vorzügen
Regie: Will Gluck
Darsteller: Mila Kunis, Justin Timberlake, Patricia Clarkson, Woody Harrelson und andere
Filmlänge: 109 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Verleih: Sony Pictures
Kinostart: 8. September 2011 

wie/news.de

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