Ryan Reynolds «Ich sah aus wie ein Crashtest-Dummy»

F├╝r Green Lantern schl├╝pft Hollywood-Beau Ryan Reynolds in einen hautengen Fummel. Im Interview mit news.de spricht der «Sexiest Man Alive 2010» ├╝ber seine Flugangst und Dreharbeiten im Sarg.

Ryan Reynolds (Foto)
Mit Humor und Sexappeal: Ryan Reynolds. Bild: dapd

Herr Reynolds, in der Comicadaption Green Lantern d├╝rfen wir Sie wieder mit einem beeindruckenden Sixpack bewundern. Sehen Sie eigentlich immer so aus?

Ryan Reynolds: Nein, ich habe auch noch ein Leben. Wenn man ann├Ąhernd wie eine Actionfigur aussehen muss - es ist nun mal genetisch beinahe unm├Âglich mit einer Plastikfigur mitzuhalten - dann verbringt man eine Menge Zeit damit. Ich stemme nicht mal Gewichte, ich wandere und fahre Rad. Ich liebe Sport, aber ich lege es nicht auf die ├ästhetik an, ich mag es nur, wenn ich es schaffe, morgens aufzustehen, ohne mich mies zu f├╝hlen.

Green Lantern ist zum ersten Mal verfilmt worden - haben Sie die besondere Freiheit genossen, dass es keinen Vorg├Ąnger gibt, an dem Sie sich messen lassen m├╝ssen?

┬źGreen Lantern┬╗: Chaot mit Superkr├Ąften

Reynolds: Das hat Vor- und Nachteile. Zum einen gibt es ja schon die Comicfigur und die hat nat├╝rlich eine strenge Fangemeinde, aber gleichzeitig kann man diesen Charakter mit dem Kinofilm einem gro├čen Publikum zeigen, das vorher noch nie von Green Lantern geh├Ârt hat. Das nehme ich nat├╝rlich nicht auf die leichte Schulter, denn es ist schwierig, eine Figur zu etablieren, weil man viel mehr erkl├Ąren muss. Da haben es ein Batman oder Superman leichter. Was man in solchen Filmen in drei Minuten erz├Ąhlen kann, dauert bei uns 30 Minuten, weil man alles erst einmal herleiten muss.

Ihr letzter Film Buried ist ja ein ziemlicher Kontrast zu Green Lantern. Da spielen Sie einen Lastwagenfahrer, der in einem Sarg gefangen gehalten wird. Welchen dieser beiden Filme bevorzugen Sie als Schauspieler?

Trailer ┬źGreen Lantern┬╗: Gr├╝nes Licht f├╝r einen Superhelden
Video: amg/news.de/Warner

Reynolds: Als Schauspieler ist nat├╝rlich ein Film wie Buried  viel befriedigender. Von so einer Gelegenheit tr├Ąumt wohl jeder Schauspieler: Jeder sagt dir, das sei unm├Âglich, dass du lieber die Finger davon lassen solltest aber du machst es trotzdem und es funktioniert. Aber auch wenn ich mich ├╝ber Lob nat├╝rlich freue, so ist ein Film in erster Linie ein Regie-Medium und bei Buried habe ich mit Rodrigo Cort├ęs mit einem der wom├Âglich besten und j├╝ngsten Regisseure im Gesch├Ąft gearbeitet.

Die Dreharbeiten in dem Sarg waren aber sicher kein Spaziergang, oder?

Reynolds: Stimmt. Wir hatten 17 Drehtage - das ist eigentlich unglaublich kurz, aber es waren 17 Drehtage in einem Sarg. Ich h├Ątte 500 Tage lang Green Lantern drehen k├Ânnen, es w├Ąre k├Ârperlich nicht ann├Ąhernd so anstrengend gewesen. Als ich nach Buried in Barcelona ins Flugzeug stieg, war ich ein anderer Mensch. Es hat Wochen gedauert, bis ich das verarbeitet hatte. Das klingt vielleicht bl├Âd und esoterisch, aber wenn man spielt, dass man langsam stirbt, dann wei├č der K├Ârper nicht, dass das nur ein Spiel ist. Ich war in einem entsetzlichen Zustand nach diesen Dreharbeiten.

Dann waren die Dreharbeiten zu Green Lantern so etwas wie ein Befreiungsschlag?

Reynolds: Ja! (atmet h├Ârbar aus) Das war eine gro├če Erleichterung. Wir haben mit einem au├čerordentlichen Budget gearbeitet, wir hatten genug Zeit und wir konnten vieles ausprobieren. Buried hatte ein Budget von 1,4 Millionen Dollar, das entspricht wom├Âglich der Kaffeekasse von Green Lantern.

F├╝r Green Lantern mussten Sie dieses superenge Kost├╝m tragen, das war sicher auch nicht gerade bequem, oder?

Reynolds: Ja, das war wie ein Sarg aus Stoff. Ich sah aus wie ein Crashtest-Dummy, der seinen Helm verloren hat. Das war schon schr├Ąg. Es ist ja auch so, dass von diesem Kost├╝m so abh├Ąngig ist, wie die Figur wirkt. Ich habe aber erst neun Monate nach den Dreharbeiten so richtig sehen k├Ânnen, wie es dann tats├Ąchlich aussehen w├╝rde. Ich erinnere mich noch, dass ich da dachte: «Oh! So sehe ich also aus. Ok, es wirkt, als h├Ątte ich das auch wirklich getragen.» Mein Gesichtsausdruck passt zu dem gr├╝nen Schnickschnack. Das war schon ungew├Âhnlich.

In Green Lantern muss Ihr Charakter sich mit seinen Ängsten auseinandersetzen - was macht eigentlich einem Ryan Reynolds Angst?

Reynolds: Ich f├╝rchte mich am meisten davor, mich selbst zu entt├Ąuschen. Wenn andere von mir entt├Ąuscht sind, ist das nicht so schlimm f├╝r mich, weil es da um die Projektionen der anderen geht, sie setzen Erwartungen an mich, die ich nicht habe.

Sie haben Flugangst und in Green Lantern spielen Sie einen Piloten. Wie sind Sie damit umgegangen?

Reynolds: Hmm, naja, das ist alles mit Greenscreen gedreht worden. Da gab es also keine Probleme. Ich w├╝nschte, ich h├Ątte mit Greenscreen heute nach Berlin fliegen k├Ânnen. 

Lesen Sie auf der zweiten Seite, mit welcher ungew├Âhnlichen Medizin Ryan Reynolds gegen seine Flugangst vorgeht.

Wie beruhigen Sie sich dann auf einem Flug?

Reynolds: Ach, da gibt es schon ein paar Rituale - vor allem trinke ich Alkohol. Als ich klein war, habe ich mich dar├╝ber gewundert, warum auf Fl├╝gen immer gleich Spirituosen ausgeschenkt werden. Jetzt wei├č ich es: Diese kleinen Whiskyfl├Ąschchen sollen die Leute mit Flugangst ruhigstellen.

Sie sind ein gut ausgebuchter Hollywood-Star. Haben Sie schon alles erreicht oder haben sie noch Ziele?

Reynolds: Wenn andere Schauspieler auf diese Frage antworten «selbst einen Film drehen», rolle ich meist mit den Augen, das finde ich furchtbar eitel. Aber je l├Ąnger ich in diesem Gesch├Ąft bin, je mehr Filme ich gemacht habe... wissen Sie, manchmal kann es ganz sch├Ân frustrierend sein, in einem Film mitzuspielen und zu sehen, was die Regie letztendlich daraus gemacht hat. Dann denke ich, ich h├Ątte es so und so gemacht, ich mache mich damit total verr├╝ckt und dann packt mich die Lust, es auch mal selbst zu machen. Vielleicht mache ich mich damit zum Deppen, vielleicht ist es aber auch brillant.

Wann wollen Sie das in Angriff nehmen?

Reynolds: Es ist schwer, Agenturen und Manager davon zu ├╝berzeugen, es dauert ungef├Ąhr ein Jahr, einen Film zu machen, manchmal l├Ąnger und f├╝r den Zeitraum ist man nat├╝rlich vom Markt. Ich glaube aber, dass ich bis jetzt genug unterschiedliche Rollen gespielt habe, dass ich mir auch mal eine Auszeit nehmen k├Ânnte, ohne darum zu f├╝rchten, dass ich dann keinen Fu├č mehr in die T├╝r bekomme.

Wenn Sie Regie f├╝hren w├╝rden, was f├╝r ein Film w├Ąre das?

Reynolds: Eher ein Independentfilm, die Investition ist geringer. Man steckt dann nicht so im System der Studios drin und ist freier. Bei Independentfilmen wird erwartet, dass man provoziert, mutig ist. Manchmal ist es allerdings auch phantastisch, wenn man ein gro├čes Studio im R├╝cken hat. Die k├Ânnen auch unglaublich innovativ sein, auch mit denen kann man Dinge umsetzen, die nicht nur das Boxoffice, sondern auch das Publikum f├╝ttern.

Welchen Unterschied erkennen Sie zwischen Hollywood-Produktionen und europ├Ąischen Filmen?

Reynolds: Naja, ein Ende wie im Film Buried wird es in Hollywood nicht geben oder nur sehr selten. In den USA werden die Erwartungen in der Regel bedient, in europ├Ąischen Filmen wird eine Erwartung aufgebaut und dann um 90 Grad gedreht. Das ist nicht nur toll f├╝r den entsprechenden Film, sondern auch wichtig f├╝r die Filmindustrie insgesamt. In den USA sind wir so auf ein Happy End gepolt: Ok, der verliebt sich also in die, er wird Rache ├╝ben, er wird aus der Falle entkommen. Wenn ich mir in Europa einen Film ansehe, dann wei├č ich nie, was passiert. Das finde ich gro├čartig.

Nervt Sie das auch, wenn Sie klassische Hollywood-Scripts bekommen, wenn Sie gleich wissen, wie der Film enden wird?

Reynolds: Ach, das sind Luxusprobleme, es ist ja immer gut, wenn man eine Rolle angeboten bekommt. Ich mag auch das Popcorn-Kino, ich schaue mir die Filme gern an und ich spiele auch gern solche Rollen. Es ist nat├╝rlich interessant, wenn man dann ab und zu auch mal was anderes macht.

Sie sind h├Ąufig in Berlin, wie verbringen Sie ihre Zeit in der Stadt?

Reynolds: Ich bin meistens mit Freunden unterwegs. Ein guter Freund von mir ist Kameramann, der geht mit mir hier aus. Meist bin ich allerdings beruflich hier, dann arbeite ich haupts├Ąchlich. Wenn ich aber in Berlin Urlaub mache, schlendere ich gern einfach herum. Ich klappere keine Sehensw├╝rdigkeiten ab. Ich treffe mich mit Freunden und ├╝bernachte auch bei Ihnen und das ist immer die beste Art eine Stadt kennen zu lernen. Ich lebe in einer mikroskopischen Version ihres Alltags, das gef├Ąllt mir.

Welche Orte in der Stadt m├Âgen Sie?

Reynolds: Vor ein paar Jahren hab ich mal in einem Dunkelrestaurant gegessen. Das war eine bizarre, erstaunliche Erfahrung. Man isst im Stockdunkeln, der Koch und die Kellner sind blind. Die Sinne sind viel intensiver, der Geschmackssinn ganz sensibel. Es war allerdings auch eine ziemliche Sauerei, ich glaube, ich habe mir mit einem St├╝ck Fleisch ins Auge gepiekt. Wenn man da wieder rauskommt, sieht man jedenfalls ziemlich unm├Âglich aus.

Perfekt f├╝r einen Hollywoodstar in einem Dunkelrestaurant zu essen, weil man nicht von Paparazzis und Fans erkannt wird, oder?

Reynolds: Richtig, aber der Verschw├Ârungstheoretiker in mir denkt: Da gibt es bestimmt irgendeinen Penner, der eine Infrarotkamera hat und sich ├╝ber all die Idioten lustig macht, die sich mit ihrem Essen bekleckern. Das w├╝rde ich aber tats├Ąchlich selbst auch gern sehen.

Und wenn Sie Pech haben, steht das dann am n├Ąchsten Tag bei YouTube...

Reynolds: Ja, genau. Dann mache ich mich in aller ├ľffentlichkeit zum Volldeppen, wenn ich mir die Finger wie ein Ferkel ablecke.

Der kanadische Schauspieler Ryan Reynolds wurde mit Rollen in Filmen wie Party Animals - Wilder geht's nicht oder Blade: Trinity bekannt. 2010 wurde er vom People Magazin zum «Sexiest Man Alive» gew├Ąhlt. Zurzeit ist er im Kino in der Comicadaption Green Lantern als muskelbepackter Superheld zu sehen.

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krc/pfj/news.de

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