«Green Lantern» Ryan Reynolds im Tiefflug

«Green Lantern» (Foto)
Ryan Reynolds in grünes Licht getaucht - der Kinofilm Green Lantern setzt auf spektakuläre Effekte. Bild: Warner

Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Der «Sexiest Man Alive» greift zur Laterne: Für die Comicverfilmung Green Lantern zwängt sich Ryan Reynolds in einen grünen Fummel, hat aber erstmal die Hosen voll. Später rettet er selbstverständlich die Welt.

Da sitzt ein Mann mit einem Ring vor einer Laterne. Ein Kunststück, aus so einer Figur einen Superhelden zu machen. Regisseur Martin Campbell wagt dieses Experiment mit seiner gleichnamigen Verfilmung der Comicreihe Green Lantern. Aber selbst wenn «Sexiest Man Alive 2010» Ryan Reynolds sich in eine grün-fluoreszierende Pelle zwängt - die Laterne ist ein ziemlicher Abtörner.

Reynolds spielt Hal Jordan, der sich von einem lilahäutigen Alien einen Ring an den Finger stecken lässt und fortan als «Auserwählter» firmiert. Damit kann der Chaot, der außer Fliegen nicht viel auf die Reihe bekommt, endlich Eindruck schinden. Ihm schwellen gigantische Muskeln unter dem hautengen Superhelden-Kostüm und er kann Rennbahnen aus grünem Licht bauen.

«Green Lantern»
Chaot mit Superkräften
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Das reicht erstmal, um endlich die Liebe seines Lebens zu beeindrucken, von der er bislang nur ein trockenes «werd endlich erwachsen» gehört hatte. Wieso die Dame jetzt ihre Meinung geändert hat, ist nicht ganz nachvollziehbar, aber weil das hier Popcorn-Kino ist, kann man darüber vielleicht noch hinweg sehen. Wahrscheinlich ist es auch einfach nur das Sixpack, das sich in dem Kostüm so schön abzeichnet. Jedenfalls darf die kurz zuvor noch so taffe Pilotin jetzt das Köpfchen an die vor Muskeln berstende Schulter lehnen.

Doch mit Lichtspektakeln für die Liebste ist es natürlich längst nicht getan. Hal Jordan alias Green Lantern - wer will schon «grüne Laterne» heißen? Aber lassen wir das - muss selbstverständlich auch noch die Welt retten. Und wenn man schon mal dabei ist, warum nicht gleich das ganze Universum? Ein finsterer krakenhafter Bösewicht, der seine Energie aus der Angst speist, schlägt eine Schneise der Verwüstung durch das All, mit dem Ziel, alles Leben zu vernichten. Auf der Erde schiebt er seine Staubtentakel durch Häuserschluchten, Menschen rennen schreiend weg und schon sind sie wieder da, die Bilder von 9/11, die sich so tief in unser Gedächtnis gebrannt haben.

Trailer «Green Lantern»
Grünes Licht für einen Superhelden
Video: amg/news.de/Warner

Superhirn im Vater-Sohn-Konflikt

Held Hal, der noch gar kein Held ist, sondern die Hosen ziemlich voll hat, muss jetzt lernen, seiner Angst die Stirn zu bieten. Ein Kindheitstrauma muss er überwinden und sich an seinem Übervater abarbeiten, damit aus dem schluffigen Chaoten endlich ein Mann wird. Und weil Green Lantern so ein cooler Kerl ist, bekommt er gleich einen zweiten Bösewicht serviert. Wissenschaftler Hector Hammond (grandios: Peter Sarsgaard) beißt sich auch an einem Vater-Sohn-Konflikt die Zähne aus, wird aber eine ganz andere Richtung einschlagen. Ihm schwillt erst der Schädel und dann entdeckt er, dass es viel mehr Spaß macht, Superschurke zu sein als verkannter Wissenschaftler mit hängenden Schultern.

Um diese etwas krude Geschichte wird ein Riesen-Spektakel inszeniert, das aber leider mehr Ähnlichkeit mit einem Computerspiel als mit einem Kinofilm hat. Manche Szenen sind in 3D durchaus imposant, andere wirken wiederum wie ein animierter Werbeprospekt. Besonders in der Szene, in der Hal von einer Art Kampftroll ausgebildet werden soll, wirkt wie der Trailer zu einem Computerspiel: Der Held wählt mittels Willenskraft seine Waffen - Kettensäge, Katapult, Schwert - und wehrt anschließend Angriffe mit Mauern und Stahlträgern ab. Wie praktisch, dass das passende Computerspiel zum Film gerade auf den Markt gekommen ist.

Auch bei den Dialogen liegt hier einiges im Argen: «Wer finsteren Mächten sich verspricht, der hüte sich vor Green Lanterns Licht», skandiert Hal bedeutungsschwanger. Und da ist sie wieder, diese unfreiwillige Komik mit der Laterne. Noch schlimmer wird’s, wenn es romantisch werden soll: «Weißt Du, was ich heute Nacht gemacht habe?», fragt Carol und klimpert mit den Augen. Wer sich jetzt auf Schlüpfrigkeiten gefreut hatte, sei gewarnt, denn Carol wird diesen Sprechpart mit dem Satz beenden: «Ich hab mir Sorgen um dich gemacht.» Wenig später kämpft sie plötzlich mit den Tränen und gesteht: «Ich hab Mitleid mit dir, du hattest schon so oft große Chancen.» Das ist wohl nicht gerade das, was ein «Sexiest Man Alive» gern gehört hätte.

«Popcorn»
Ein grüner Superheld und sprechende Autos
Video: news.de

Beim Happy End drückt Campbell dann völlig hemmungslos auf die Schmalztube. Sonnenuntergangsszene, flatterndes Haar, tiefes Dekolletee, er fasst ihr ans Kinn uns säuselt: «Ich werde viel reisen. Ich bin zwar weg, aber dennoch immer bei dir». Dann saust er davon und die Lady lächelt versonnen. Da muss man schon ein echter Kerl sein, um so einen Käse auszuhalten.

Titel: Green Lantern
Regie: Martin Campbell
Darsteller: Ryan Reynolds, Blake Lively, Peter Sarsgaard
FSK: ab 12 Jahren
Filmlänge: 114 Minuten
Verleih: Warner
Kinostart: 28. Juli 2011

krc/news.de

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