«Cars 2» Rebellion der Rostlauben

Autos im Spionagedress: Der Animationsfilm Cars 2 trimmt Schrottkarren und Rennflitzer auf James Bond. Nebenbei gehen Klapperkisten auf die Barrikaden und ringen mit einer Identitätskrise.

«Cars 2» (Foto)
Freunde auf Reisen: Lightning McQueen (rechts) und Mater im Animationsfilm Cars 2. Bild: Walt Disney

Mater ist eine Möhre, ein völlig unmögliches Auto. Der Abschleppwagen ist nicht nur verbeult und rostig, er hat auch noch Hasenzähne und bringt seinen Freund Lightning McQueen ständig in Verlegenheit. Vor großer Gesellschaft verliert er Öl oder zertrümmert die Deko eines schnieken Empfangs, weil er die höllisch scharfe Wasabi-Paste für Pistazieneis hält.

Im Animationsfilm Cars 2 nimmt Sportwagen Lightning McQueen den Freund mit auf eine Renntournee. In Japan und Europa will er sich mit dem vorlauten Rennwagen Francesco Bernoulli messen. Bei diesen Rennen soll ein ökologischer Treibstoff getestet werden, aber das entpuppt sich als großes Desaster. Ein bösartiger Professor schmiedet nämlich im Hintergrund verschlagene Pläne, unterstützt wird er dabei von einer Ölmafia. Die Regisseure John Lasseter und Brad Lewis machen damit einen Wirtschaftskrimi auf, der befindet sich allerdings im Schlafrock einer Spionagegeschichte.

«Cars 2»: Poleposition für eine Gurke

Mater wird nämlich mit einem Spion verwechselt und gerät in brisante Verwicklungen. Weil es um Autos geht, dürfen rasante Verfolgungsjagden natürlich nicht fehlen. Ein britischer Sportwagen macht auf James Bond und ein violetter Flitzer verdreht Mater als verführerische Spionin Holley Swiftwell die Kühlerhaube.

Gurken auf den Barrikaden

Darüber hinaus zetteln die Rostlauben der Cars-Welt eine Revolution an, weil sie sich diskriminiert fühlen. Die einen stecken ihren Frust in Sabotage, die anderen werben um Respekt. Und am Ende werden die große Toleranzfahne geschwungen und Reden gehalten, dass auch Rostlauben wertvolle Zeitgenossen sind. Die schon viel zu oft bemühte Weisheit «Sei du selbst» wird herbeigezerrt und Mater darf skandieren: «Steht zu eurem Gurken-Dasein!»

Trailer «Cars 2»: Spionage auf vier Rädern
Video: amg/news.de/Walt Disney

Anders als im Vorgängerfilm ist der eigentliche Held dieses Films nicht der blank polierte Siegertyp Lightning McQueen, sondern der tölpelhafte Mater. Aus dessen Unzulänglichkeit zieht die Geschichte ihre Energie. Davon abgesehen, ist Cars 2 aber leider recht blutleer geraten: Das liegt vor allem daran, dass die Macher auf blank polierte Oberflächen setzen statt auf tiefschürfenden Inhalte. Kein Mensch, kein Tier, keine Vegetation sorgen für Natürlichkeit und so versprüht der Film leider den Charme eines Autohauses.

Die Regisseure John Lasseter und Brad Lewis verlassen sich zu sehr auf den Kniff, dass sie Autos in einen Spionagefilm stecken. Das nutzt sich aber leider recht schnell ab und trägt schon gar keinen kompletten Film. Das liegt vor allem daran, dass hier so uninspiriert Klischees abgespult werden: Am unteren Bildrand werden Daten eingeblendet, die Spionin lässt eine durchsichtige Projektion auf ihrer Motorhaube erscheinen und das Bond-Auto kann nicht nur fahren, sondern auch fliegen, schwimmen und Waffen zücken - das langweilt.

Knutschende Franzosen, Italiener auf der Piazza

Hinzu kommt, dass die Macher eine Menge nationaler Klischees aufwärmen: Die französischen Autos knutschen auf der Pont des Artes, die Italiener treffen sich natürlich zum turbulenten Festmahl auf der Piazza und in Japan werden die Freunde mit Geishas und vollautomatischen Klos konfrontiert. Etwas mehr Kreativität wäre hier ganz erfrischend gewesen.

Wie es aussieht, haben die Filmemacher aber ihre gesamte Energie in 3D-Effekte und Oberflächenästhetik gesteckt. Besonders die Anfangsszenen auf hoher See sind sehr gelungen: Da schwankt die Kamera so sehr auf den Wellen, das zarte Gemüter fürchten müssen, seekrank zu werden. Die Explosionen sind so liebevoll gestaltet, dass sie beinahe real wirken.

«Popcorn»: Ein grüner Superheld und sprechende Autos
Video: news.de

Das Kreativteam um Cars 2 zeigt auch, dass es viel Arbeit in die Oberflächenbeschaffenheit gesteckt hat: Da glänzt der regennasse Asphalt, matt schimmert Plastik und auf dem glänzenden Lack sitzt jeder Lichtreflex. Schade nur, dass ausgerechnet die Augen der Figuren dann so lieblos gestaltet sind, denn allein hier spielen sich die Emotionen der Autos ab - für Mimik gibt es bei einer Blechkiste nämlich nicht viel Spielraum.

Im Kern erzählt Cars 2 vom Wert der Freundschaft und davon, dass man sich nicht von Äußerlichkeiten leiten sollte - doch genau das ist diesem Film dann selbst passiert.

Die Kinostarts der Woche stellt unser Videomagazin Popcorn vor.

Titel: Cars 2
Regie: John Lasseter, Brad Lewis
Sprecher: Manou Lubowski, Reinhard Brock, Bettina Zimmermann, Rick Kacanian, Thomas Kretschmann, Sebastian Vettel
FSK: ohne Altersbeschränkung
Filmlänge: 107 Minuten
Verleih: Walt Disney
Kinostart: 28. Juli 2011

zij/news.de

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