Fantasyfilme Harrys und Frodos Konkurrenz versagt

Der Herr der Ringe und Harry Potter haben zusammen gut zehn Milliarden Dollar eingespielt. Aber beinahe alle Versuche Hollywoods, den Erfolg der Fantasyreihen zu kopieren, schlugen fehl: Die Geschichte eines Scheiterns.

Nie war eine Katze im Sack einträglicher. Der letzte Auftritt des berühmtesten Zauberschülers der Welt konnte bereits einen Einspielrekord aufstellen, bevor er überhaupt in den Kinos der Welt angelaufen war. Allein der Kartenvorverkauf brachte 32 Millionen Dollar ein. Das hat noch kein Film zuvor geschafft.

Überhaupt dankt mit Harry Potter eine irrwitzig erfolgreiche Kinoreihe ab: Fast 6,4 Milliarden Dollar gaben Zuschauer für Tickets der ersten sieben Teile aus. Der achte Film dürfte spielend die Grenze von sieben Milliarden überschreiten. Mit Harry Potter verlieren nicht nur Fans rund um den Globus einen treuen Begleiter ihrer Jugend. Warner Brothers, das Studio, das die Filmreihe produziert hat, verliert einen wahren Goldesel.

Der Boom von Fantasyfilmen begann 2001 mit dem sensationellen Erfolg des Herrn der Ringe und dem ersten Harry-Potter-Abenteuer. Seither versucht Hollywood, ähnliche Reihen anzuschieben. Denn noch besser als ein Filmhit sind viele.

Allein: Ein weiterer, leicht fortzusetzender Kassenschlager blieb aus. Beinahe jedenfalls. Die Lewis-Verfilmung Der König von Narnia wurde zwar von der Kritik ausgelacht, spielte aber üppige 745 Millionen Dollar ein. Die beiden Fortsetzungen konnten da nicht mithalten. Trotzdem übertrafen die drei Narnia-Abenteuer mit Einnahmen von fast 1,6 Milliarden Dollar ihre Produktionskosten um das Dreifache.

Mittelerde schlägt Hogwarts


Abgesehen davon reihte Hollywood jedoch auf seiner Suche nach einem weiteren Goldesel Flop an Flop. Vielfach ausgezeichnete und beliebte Jugendbuchzyklen wie Lemony Snicket, Der goldene Kompass oder Die Geheimnisse der Spiderwicks scheiterten grandios oder waren zumindest nicht einträglich genug um fortgesetzt zu werden. Selbst die Verfilmung von Cornelia Funkes Welterfolg Tintenherz spielte nur mit Ach und Krach ihre Herstellungskosten wieder ein.

Bedenkt man, das zum Budget eines Hollywoodfilms noch einmal 30 Prozent für Werbung dazu kommen, waren City Of Ember, Zarthura - Abenteuer im Weltraum und Tintenherz schmerzhafte Verlustgeschäfte. Für das 200 Millionen Dollar teure Spektakel Prince Of Persia kauften Zuschauer im Wert von 335 Millionen Dollar Eintrittskarten - ebenfalls zu wenig für eine Fortsetzung.

Zusammengenommen kosteten die zehn wichtigsten Familienfantasyfilme der letzten zehn Jahre 985 Millionen Dollar und spielten etwas über 1,6 Milliarden ein - ein Gewinn von 69 Prozent. Die drei Narnia-Abenteuer kamen demgegenüber auf 182 Prozent und Harry Potter auf fast 504 Prozent.

Der Zauberer muss sich im Fantasygenre lediglich den Hobbits aus Mittelerde geschlagen geben. Beim Herrn der Ringe stand ein Produktionsaufwand in Höhe rund 280 Millionen Einnahmen von 2,9 Milliarden Dollar gegenüber. Frodo war mit 937 Prozent also beinahe doppelt so gewinnträchtig wie Harry.

Individuelle Schwächen und eine alte Weisheit

Aber wieso entpuppt sich die eine Bestseller-Reihe als Goldader, während sich anderen Claims im Kino kein einziges Nugget abringen lässt? Die Qualität der Filme ist durchaus unterschiedlich, aber nicht der entscheidende Faktor. Lemony Snicket etwa war wunderbar inszeniert und grandios gespielt - ein Erfolg war das kuriose Schauermärchen über drei aufgeweckte Waisen trotzdem nicht. Narnia fand aller Schwächen ungeachtet unzählige Fans.

Vielleicht ist es entscheidend, wie zugänglich die Geschichte für Zuschauer ist, die die Vorlage nicht gelesen haben. Harry Potter machte den Einstieg für ein breites Publikum leicht und wurde jedem Teil etwas düsterer und komplexer. Dem philosophisch ambitionierten Goldenen Kompass hingegen gelang das nicht. Die Veränderungen zum Roman machten den Film nicht schlüssiger, zumal das Ende das tragische Finale des Buches verzagt aussparte.

Ein Misserfolg kann in einem zu schmalen Budget liegen, an einem schlechten Drehbuch, miesen Tricks, unmotivierten Schauspielern oder zu hochfliegenden Ambitionen. Harry und Frodos Konkurrenten scheitern an individuellen Schwächen. Ihr gemeinsamer Nenner ist die alte Hollywood-Weisheit: Erfolg ist nicht planbar. Harry Potter und der Herr der Ringe bleiben wunderbare Ausnahmen. Das mag die Produzenten ärgern. Dem Zauber dieser Fantasystreifen tut es keinen Abbruch. Und das macht sie für Zuschauer und Filmstudios umso kostbarer.

Harry Potter: Das letzte Stündlein

juz/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Pro Libertate
  • Kommentar 2
  • 16.07.2011 17:38

Ist das nun spezifisch ein Problem der Journalisten bei news.de oder weitverbreitet in der Branche? Heute fand ich schon 2 Fehler betreffs "das" und "dass" in 2 verschiedenen news.de Artikeln! Wenn das eine Tendenz darstellt, dann wird das Volk wirklich immer dümmer.

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  • Greg
  • Kommentar 1
  • 16.07.2011 13:16

Man erfuhr, dass bald erste Ausgabe 8 Harry Potter http://hpnext.com

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