«Midnight In Paris» Zeitreise mit Owen Wilson

Midnight in Paris (Foto)
Muse (Marion Cottiliard) und Gil (Owen Wilson) Bild: Concorde Filmverleih GmbH

Von news.de-Redakteur Oliver Roscher
Punkt zwölf geht es ab in die «Roaring Twenties»: Woody Allens neuer Film lässt Owen Wilson Zeitreisen ins Paris der 1920er-Jahre antreten. Dem Regisseur gelingt ein unterhaltsamer Streifen mit viel Dialogwitz vor hemmungslos romantischer Kulisse.

Woody Allens 42. Regiearbeit Midnight In Paris widmet sich der Stadt der Liebe, Paris. Der ideale Ort, die wahre Liebe zu finden - ein altbekannter Plot, der vom Altmeister aus New York schwungvoll interpretiert wird. Eine Touristengruppe aus der uneuropäischsten Stadt der USA, Los Angeles, trifft auf das alte Europa, also Paris. Sie schlagen die üblichen Touristenpfade ein. Nur Gil, der tanzt aus der Reihe und irgendwann auch aus der Zeit.

Die Touristengruppe besteht aus dem jungen Pärchen Gil (Owen Wilson) und Inez (Rachel McAdams) samt Inez' Eltern. Wenn der liberale Gil auf den reaktionären Vater (Kurt Fuller) von Inez trifft, kommt es zu Dialogwitzen der allerfeinsten Art - Woody Allen in Höchstform.

«Midnight In Paris»
Party mit Hemingway
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Schnell wird klar, dass Owen Wilson eine blonde Version des inzwischen 75-jährigen New Yorkers darstellt. Das macht der texanische Blondschopf mit der markanten Nase übrigens erstklassig. Wer zuvor Zweifel an der Besetzung hatte, sieht sich hier eines besseren belehrt. Das reduzierte Spiel des 42-Jährigen angereichert mit einer ganz eigenen Art des Verträumtseins, spiegelt den Charakter seiner Rolle in Perfektion wieder. Niemand hat in seinem Blick mehr Sehnsucht als Owen Wilson.

Der Träumer und die Realistische

Owen Wilson ist also Gil und der schreibt Drehbücher in Los Angeles, strebt aber eine ernsthafte Karriere als Schriftsteller an. Woody Allen sagt über Gil: «Er stellt fest, dass er ein Opfer dieses alten Hollywood-Witzes ist. ‹Ich habe mich an den Pool gelegt und als ich wieder aufstand, waren zehn Jahre vergangen.›» Gil will aber sein wie Ernest Hemingway oder F. Scott Fitzgerald, die großen Romanciers ihrer Zeit. Zu gern würde er sich vom Treiben der Stadt mitreißen lassen und in alkoholgeschwängerten Nächten einen literarischen Diskurs mit eben jenen Helden der 1920er-Jahre führen.

«Midnight In Paris»
Stell Dir vor, Du triffst Hemingway
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Seine Verlobte Inez ist da bodenständiger, nett formuliert, realistischer. Sie sieht in seinem Job lediglich eine Einkommensquelle. Die beiden gehören nicht zusammen, so viel ist klar. Aber schaffen sie es voneinander zu lassen, wo doch die Eltern da sind und bald geheiratet werden soll? Die Selbsterkennnis lässt noch auf sich warten.

Zu allem Unglück treffen Gil und Inez in Paris auch noch die Collegeliebe von Inez, den aufgeblasenen Paul (glänzend: Michael Sheen) und dessen Frau Carol (Nina Arianda). Gil hat bald genug vom besserwisserischen Paul, geht seiner Wege und verläuft sich prompt in den Straßen der Metropole.

Ein Film wie ein Jazz-Song

Punkt Mitternacht kommt schließlich ein Oldtimer vorgefahren, der Gil auf geradem Wege mit in die «Roaring Twenties» bringt. Dort trifft er tatsächlich auf seine Idole Ernest Hemingway, Scott F. Fitzgerald und Gertrude Stein. Allen formt diese Szenen zu witzigen, nostalgischen Momenten voller Leichtigkeit und Charme. Der Rhythmus bei Midnight In Paris stimmt, er wiegt sich wie im Takt eines geschmeidigen Jazz-Songs.

Woody Allen errichtet eine Komfortzone um den Zuschauer. Dem Treiben der exzellenten Darsteller zuzuschauen, macht einfach Spaß. Ob Corey Stoll als maskulin-kämpferischer Ernest Hemingway oder Adrien Brody als herrlich exzentrischer Salvador Dalí, nicht nur Gil wird in Erstaunen versetzt. Der Zuschauer wird von Woody Allen sanft gepackt und in diesen zauberhaften Strudel aus wohligen Brauntönen, verrauchten Jazzclubs und exaltierten Persönlichkeiten gezogen.

Orientierungslos ins Glück

Bei Woody Allen geht es aber in erster Line um die Liebe. Gil findet sie, weil er sich in den Straßen verirrt. Die anschließende Zeitreise dient als Selbstfindungstrip, an dessen Ende eine Erkenntnis und damit einhergehend die große Liebe liegt. Dass Inez eher nicht die Richtige ist, wird ihm spätestens klar, als er mit ihr an jenem Ort wartet, an dem der Oldtimer ihn regelmäßig aufliest. Nur eben an jenem Abend nicht. Gil scheint seine Seelenverwandte ohnehin in Adriana (Marion Cotillard), der Muse Picassos und Hemingways, gefunden zu haben - bis diese von einer anderen Zeit träumt.

Dass Midnight In Paris so gut funktioniert, ist aber vor allem den Schauspielern zu verdanken, allen voran Owen Wilson. Er bietet sich mit dieser Darstellung für weitere ambitionierte Projekte an. Selbst Carla Bruni-Sarkozy fällt in ihren zwei kurzen Auftritten nicht weiter negativ auf.

Midnight In Paris beginnt wie ein romantischer Urlaub und wird zur kurzweiligen Zeitreise in eine verklärte Epoche. Woody Allen hat mit diesem Film seine ganz persönliche Hommage an die Stadt der Liebe abgeliefert. «Würde ich nicht in New York leben, wäre Paris meine erste Wahl», sagt er. Und am Ende steht die immer wiederkehrende Erkenntnis: Woody Allen hätte auch als Paartherapeut eine große Karriere hingelegt.

Bestes Zitat: «Paris ist der geilste Ort im Universum.» (Owen Wilson erklärt Marion Cotillard seine Begeisterung für Paris)

Titel: Midnight in Paris Regie: Woody Allen Darsteller: Owen Wilson, Rachel McAdams, Marion Cotillard, Adrien Brody, Corey Stoll, Tom Hiddleston, Michael Sheen, Kathy Bates Laufzeit: 100 Minuten Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung Verleih: Concorde Filmverleih Kinostart: 18. August 2011

krc/news.de

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