«Harry Potter» Fans zaubern sich ihren achten Band

Treffen der Zauberhüte: Der Harry-Potter-Fanclub feierte die Premiere des letzten Teils der Magiersaga in Berlin. Von Abschiedsschmerz ist aber nichts zu spüren, die Anhänger basteln einfach selbst an einer Fortsetzung.

Letzter Potter-Film in Berlin (Foto)
Diese Fans zeigen für wen aus den Potter-Filmen ihr Herz schlägt.  Bild: dpa

Zauberhutsilhouetten huschen an den Fensterscheiben des Kinos am Potsdamer Platz vorbei. Inmitten des Waldes aus wippenden Hutspitzen ragt ein braunes Exemplar besonders hervor, weil es immer wieder von Scheinwerfern und Blitzlicht erhellt wird. Unter der breiten Krempe verbirgt sich Saskia Preißner - die Vorsitzende des Harry-Potter-Fanclubs gibt Interviews im Akkord.

Sie hat sich ein schwarzes Cape mit goldenem Kragen um die Schultern geschlungen, darüber schlängelt sich ihr gülden gewelltes Haar bis auf die Hüften. Es ist ein wichtiger Tag für die 20-Jährige, denn der Fanclub feiert in Berlin die Premiere des letzten Harry-Potter-Films, Die Heiligtümer des Todes (Teil II). Damit endet die Potter-Ära – Grund genug für die Mitglieder des Fanclubs, sich in Schale zu werfen und aufgeregt durch das Foyer des Kinos zu wuseln. Manch einer ist extra aus dem Ruhrgebiet oder gar aus Österreich angereist.

Harry Potter: Das letzte Stündlein

Tische und Decken haben sie mit künstlichen Spinnweben dekoriert, eine Süßigkeitenbar in Anlehnung an den Honigtopf aus der magischen Welt des Zauberlehrlings aufgebaut und ein kleines Potter-Fotostudio für Erinnerungs-Schnappschüsse eingerichtet. An der Wand hängt ein riesiges Plakat, auf dem die Fans Wünsche für einen achten Potter-Band äußern können. Der Harry-Potter-Fanclub will sich nämlich nicht damit zufrieden geben, dass es sich mit dem letzten Buch und dem letzten Film nun ausgepottert hat. Sie wollen kurzerhand selbst eine Fortsetzung schreiben. Ein paar Kapitel sind schon zusammengekommen und daraus geben sie kurz vor Filmstart auch eine kleine Kostprobe.

«Wir sind nicht darauf angewiesen, dass neue Bücher und Filme erscheinen», sagt die Fanclub-Vorsitzende und deshalb sei sie jetzt auch nicht melancholisch, dass der letzte Film abgedreht ist. «Wir leben in unserer Harry-Potter-Fanclub-Welt», erklärt Gesaga, die lieber nur mit ihrem Nickname aus dem Internet zitiert werden möchte. Auf der Homepage des Fanclubs haben die Mitglieder ein komplexes System aufgebaut: Hier kann man etwa eine Zauberschule besuchen, in der man bis zu 35 Fächer belegen kann. Wer die Hausaufgaben erledigt, sammelt Bonuspunkte und der fleißigste Fan gewinnt einen Pokal, erklärt Gesaga.

Popcorn: Potters Finale
Video: news.de

Schwärmen für Ron Weasley

Das interessiert Victoria und Theresa nicht so sehr, sie fiebern darauf hin, dass der Film endlich gezeigt wird. Die beiden Schwestern haben zur Feier des Tages T-Shirts bemalt: «I love Ron Weasley» steht da in großen Lettern auf Victorias Brust. Sie schwärmt schon seit dem ersten Film für Ron, dass der jetzt mit Hermine angebandelt hat, sieht sie aber ganz gelassen. Theresa verkündet auf ihrem Shirt, dass sie sich für Fred Weasley begeistert.

«Das Beste ist, wenn im Vorspann der Harry-Potter-Schriftzug erscheint und dann die Titelmelodie erklingt - dann können wir kaum glauben, dass wir tatsächlich im Kino sitzen», gestehen die beiden mit glühenden Gesichtern. Seit zwei Monaten hat sich ihre Aufregung schon auf die Premiere gesteigert, den Trailer haben sie sich unzählige Male angesehen und im Detail interpretiert, erzählen sie. «Ich werde bestimmt wieder heulen», prophezeit Victoria.

Auch Theresa muss ganz stark sein, denn ihr Held wird sterben, das weiß sie ja schon aus dem Buch. Auch wenn Victoria ihren Favoriten Ron Weasley regelmäßig googelt, betont sie, dass sie keinen hysterischen Starkult betreibt. Mit Teenie-Idolen wie Robert Pattinson kann sie zudem überhaupt nichts anfangen. «Die Harry-Potter-Stars passen ja eigentlich auch nicht in das Klischee eines typischen Teenieschwarms», findet sie und genau das gefällt ihr.

Potterhead mit Leopardenkragen

Aber es sind nicht nur junge Hüpfer, die sich für den Zauberlehrling und seine Gefährten begeistern können. Zwei Damen erscheinen in großer Robe, die sie sich aus einem Kostümfundus zusammengestellt haben: Die eine trägt einen weiten Mantel mit breitem Leopardenkragen, dazu eine elegante Schärpe mit einer Brosche um den Kopf. «Ich bin ein richtiger Potterhead», gesteht sie. Ihre Begleiterin hat sich in ein goldenes Cape gehüllt und trägt dazu einen riesigen Glasstern um den Hals.

Trailer Harry Potter: 3D-Spektakel zum Finale
Video: news.de/Warner

Und auch Reinhard Menken hat sich mit einer blauen Robe stilecht gekleidet. Der 56-Jährige Bochumer fällt mit seinem grauen Bart unter den jungen Fans richtig auf, doch in seiner Potter-Begeisterung steht er ihnen in nichts nach. «Sobald ich das erste Buch angefangen hatte, konnte ich nicht mehr aufhören. Am schlimmsten war es beim letzten Buch. Ich konnte tagelang nicht weiter lesen, als mir klar wurde, dass die Geschichte in wenigen Seiten enden würde», erinnert er sich.

Dass die Filme die Bücher nicht ersetzen können, darin sind sich hier fast alle einig. «Die Filme sind ein nettes Beibrot», sagt Saskia Preißner und auch die beiden Schwestern Victoria und Theresa geraten vor allem über die literarische Vorlage in Verzückung. Alle drei berichten, dass sie zunächst gar keine Lust gehabt hätten, den ersten dicken Potterband zu lesen. Daraus hat sich inzwischen nicht nur eine Pottermanie, sondern auch ein Interesse für Literatur entwickelt. Die 16 Jahre alte Victoria greift jetzt auch gern zu Charles Bukowski und Autoren der Beat-Generation.

Wenn der letzte Harry-Potter-Film jetzt in die Kinos kommt, muss er sich also den kritischen Augen der leidenschaftlichen Leser stellen. Um 00.01 Uhr geht das Licht im Kino am Potsdamer Platz aus und mit dramatischer Musik wird das Ende einer Ära der Kinogeschichte eingeleitet.

«Ich bin positiv überrascht», sagt Expertin Saskia Preißner nach dem Film. Abgesehen von dem etwas absurd geratenen Epilog, habe sie sich besonders über die 3D-Effekte gefreut. «Ich hatte befürchtet, dass der Film eine einzige Schlacht wird, aber da war auch mal was zum Schmunzeln dabei und der Drachen hat mir gefallen, genauso hatte ich ihn mir auch vorgestellt», berichtet sie. Für diese Nacht kann sie den Zauberhut an den Haken hängen und vom achten Harry-Potter-Band träumen.

Alle Infos zum Ende der Harry-Potter-Reihe gibt es in einem Popcorn-Spezial.

oro/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Patrick Hertel
  • Kommentar 1
  • 16.07.2011 01:47

Ich habs gerade erst gesehen: hier der zweite Tintin Trailer! http://www.imdb.com/video/imdb/vi1744739353/ Ich find's großartig. Grüße vom Cinestar-Hausfotografen!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig