«Der Mandant» Mr. Cool

Eine coole Sau (Foto)
Matthew McConaughey und Ryan Phillippe in Der Mandant Bild: Universum Film

Von news.de-Redakteurin Julia Pfeifer
Matthew McConaughey spielt in Der Mandant einen lässigen Anwalt, der statt im Büro auf der Rückbank einer Limousine Rechtsdeals für Drogenhändler und Prostituierte aushandelt. Sein neuer Fall bringt ihn jedoch mächtig in Bedrängnis.

Eine dunkle Lincoln-Limousine fährt durch die Hügel von Los Angeles. Auf der Rückbank handelt ein kaugummikauender Mick Haller (Matthew McConaughey) mit breitem Südstaatenakzent Deals mit Staatsanwälten und Richtern aus. Er trifft sich mit Drogenhändlern, Prostituierten, Obdachlosen, legt vor Gericht lässige Auftritte hin und feiert ein erfolgreiches Prozessende abends hemdsärmlich in einer dunklen Bar in Inglewood, einem der weniger schönen Stadtteile von Los Angeles.

Der Einstieg in Der Mandant macht klar, wo die Reise hingehen soll. Mick Haller ist ein cooler Typ, den wirklich nichts aus der Ruhe bringt. Egal ob Schwerverbrecher oder Junkie - er vertritt die, die sonst niemand vertreten will. Vor dem Gefängnis kann er sie nicht bewahren - seine Mandanten sind in der Regel schuldig - doch seine abgebrühten Deals mit Staatsanwälten und Gerichten ersparen ihnen lange Haftstrafen. Reich wird Mick Haller dadurch nicht, für Maßanzüge und eine schicke Wohnung reicht es jedoch allemal.

«Der Mandant»
Limousine statt Büro

Als ihm eines Tages der Fall des Louis Roulet (Ryan Phillippe) angeboten wird, scheint auch er endlich einmal einen dicken Fisch an der Angel zu haben. Der Sohn aus einer reichen Familie soll versucht haben, eine Prostituierte zu vergewaltigen und zu töten. Roulet beteuert seine Unschuld - er glaubt von der Prostituierten in eine Falle gelockt worden zu sein. Nach den ersten Recherchen stellt sich auch tatsächlich heraus, dass das Messer, welches am Tatort gefunden wurde, nicht dem Beschuldigten gehört. Der Fall scheint klar. Doch dann erinnert sich Micks Partner Frank Levin (William H. Macy) an einen früheren Mandanten, der für ein Verbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, obwohl er immer behauptet hatte, unschuldig zu sein. Dessen Fall und der von Louis Roulet ähneln sich auf verblüffende Weise und Mick kommen Zweifel. Er droht erstmals zu scheitern.

«Popcorn»
Cameron Diaz auf Marihuana
Video: news.de

Ein Justizthriller voller Überraschungen

Gerichtsfilme sind im amerikanischen Kino keine Seltenheit. Man denke nur an die Verfilmungen der Justizromane von John Grisham. Zahlreiche A-Klasse-Schauspieler Hollywoods haben dafür schon vor der Kamera gestanden, unter anderem auch Matthew McConaughey. Er war 1996 an der Seite von Sandra Bullock und Samuel L. Jackson in Die Jury zu sehen. Der Mandant ist nicht, wie man zunächst aufgrund des Titels vermuten möchte, eine weitere Grisham-Verfilmung. Die Vorlage zum Buch lieferte Michael Connelly. Der englische Originaltitel lautet The Lincoln Lawyer und unterscheidet sich enorm von anderen Gerichtsbüchern aus den USA.

Die Hauptperson ist hier eben nicht der moralisch einwandfreie Gutmensch, sondern ein Typ, für den es weder falsch noch richtig gibt. Er macht sich seine eigenen Regeln, die ihm nur dazu dienen, möglichst vorteilhaft aus seinen Fällen herauszukommen. Die Familie, die den heldenhaften Anwälten in anderen Justizdramen den nötigen Rückhalt gibt, ist in Der Mandant zerbrochen. Dazu kommt, dass er kein schickes Büro mit adretter Vorzimmerdame hat, sondern seine Arbeit von der Rückbank eines Lincoln aus erledigt. Unterstützt wird er von einem Privatdetektiv und einer Sekretärin, die wichtige Telefonate beim Nägellackieren oder Einkaufen erledigt.

Die Idee von einem ganz anderen Anwalt hat auch Regisseur Brad Furman in der Verfilmung der Romanvorlage fortgeführt. Er hat die Handlung in den ärmeren Vierteln von Los Angeles ansiedelt: Inglewood und Echo Park. Dort gibt es keine Villen, Palmen und Reichtum. Dort leben Menschen in runtergekommenen Holzhäusern. Dort finden Schießereien statt und von dort ist das eigentlich in der Nachbarschaft gelegene Hollywood Lichtjahre entfernt. Gedreht wurde an Originalschauplätzen was man dem Film ansieht: Die Story wirkt glaubwürdig.

Das ist darüber hinaus auch ein Verdienst der erstklassigen Darsteller. Matthew McConaughey, der in den letzten Jahren vor allem mit nacktem Oberkörper durch seichte Romantikomödien turnte, kann hier zu Hochform auflaufen. Sein Kollege Ryan Phillippe, der im Film überzeugend vom knopfäugigen Bubi zum fiesen Schnösel mutiert, spielt nicht minder ambitioniert. Marisa Tomei, William H. Macy und Josh Lucas - eigentlich Hollywood-Superstars - geben sich mit unaufgeregten Nebenrollen zufrieden, was dem Film unglaublich gut tut.

Der Mandant ist ein Überraschungsfilm, der die zunächst niedrigen Erwartungen an einen weiteren Gerichtsfilm bei weitem übersteigt. Für das Genre ist er eine Erfrischung, die beweist, dass das Schema F der zahlreichen Grisham-Verfilmungen ausgedient hat.

Titel: Der Mandant
Regie: Brad Furman
Darsteller: Matthew McConaughey, Ryan Phillippe, Marisa Tomei, William H. Macy
Filmlänge: 119 Minuten
FSK: ab zwölf Jahren
Verleih: Universum Film
Kinostart: 23. Juni 2011

Die weiteren Kinostarts der Woche stellt das news.de-Kinomagazin Popcorn vor.

krc/news.de

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