«Werner - Eiskalt» Bölkstoff für Untote

«Werner - Eiskalt» (Foto)
Lehrling im Rennfieber: Werner - Eiskalt. Bild: Constantin

Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Selbstbeweihräucherung mit Bier und Fäkalien: Der Kinofilm Werner - Eiskalt trägt Zeichner Brösel zu Grabe und schickt den Lehrling mit der langen Nase mal wieder in turbulente Rennen - diesmal mit einem makabren Beigeschmack. News.de verlost Tickets.

Werner ist zurück. Das muss man erst einmal verdauen. Was tief und gut verpackt in den verdrängten Erinnerungen der 1990er Jahre schlummerte, wird jetzt wieder auf die Leinwand gezerrt. Dabei wäre der Installateurslehrling mit der langen Nase und dem Faible für Hopfengetränke besser in seinem Nostalgie-Kämmerlein geblieben.

Das scheinen wohl selbst die Macher zu ahnen, denn genau darum dreht sich der aktuelle Kinofilm Werner - Eiskalt: Werner-Zeichner Brösel leidet darunter, dass Mangas seinen Comic-Helden verdrängen. Der Verlag winkt müde ab, als er eine neue Geschichte vorlegt. Nur weil Brösel dann vermeintlich tödlich verunglückt, kommt es zu einem weltweiten Werner-Hype: Werner läuft auf allen Kanälen, die Sender zeigen Sondersendungen zum Tod des Zeichners, Fans sind erschüttert und dann zaubert auch der Verlag das unveröffentlichte Manuskript aus der Schublade.

«Werner - Eiskalt»
Lass kesseln

Aus dem stammen dann die Cartoonsequenzen, die aus Werners Kindheit und seiner Konkurrenz mit dem schnöseligen Holgi erzählen. Die beiden lieferten sich schon im Kinderwagen Rennen, bei denen Werner immer den Kürzeren zog - eine Schmach, die er endlich mit einem Sieg beseitigen will. So bereitet sich die Comicfigur auf das Rennen seines Lebens vor, während Zeichner Brösel mit seinem Ableben beschäftigt ist. Was die trauernde Welt nicht weiß: Brösel ist eigentlich gar nicht tot, bekommt alles mit, während seine Kumpel versuchen, die vermeintliche Leiche von Frankreich nach Deutschland zu schmuggeln.

Bier, Fäkalien, Erbrochenes in Strömen

Es ist der fünfte Kinofilm um den norddeutschen Knaben und die Macher setzen dabei auf Altbewährtes: Animationssequenzen wechseln sich mit Realfilmpassagen ab, das Bier fließt in Strömen, Fäkalien und Erbrochenes sowieso. Leider wird das auf Dauer ziemlich langweilig. Weil man das in Variationen schon hundert Mal gesehen hat, wirkt auch ein eigentlich rasantes Kinderwagenrennen durch die Gassen der Kleinstadt ziemlich schal. Im Grunde ist das ist die legendäre Fußballspiel-Sequenz mit anderen Requisiten.

Trailer «Werner - Eiskalt»
Bier, Bikes und Babes
Video: amg/news.de/Constantin

Wirklich anstrengend ist, dass Brösel sich dabei selbst feiert - das wird zwar mit einem ironischen Augenzwinkern betrieben, das aber so aufdringlich ist, dass man den Machern den satirischen Abstand zur Sache nicht so recht abnehmen mag. Die etwas wackelige Story dient im Grunde nur als halbgarer Anlass, um das klassische Werner-Programm abzuspulen. Dabei liefert die Geschichte vom toten Brösel den perfekten Anlass, Ausschnitte aus den vergangenen Filmen einfach noch mal zu recyceln.

Mit psychotischen Mangafiguren, die den Helden heimsuchen, kommt erfrischende Surrealität ins Spiel. Doch obwohl die Idee gelungen ist, ändert das leider nichts an der Tatsache, dass das genau das Problem des Films ist: Werner wirkt im Jahr 2011 merkwürdig fremd. Als Nostalgie-Parade für Hardcore-Fans mag der Film gut funktionieren, eine gute Story sieht allerdings anders aus.

Kalauer-Parade mit Ladehemmung

Werners Welt ist zwar detailreich und liebevoll entworfen und der Zeichner zeigt auch viele kreative Ideen, aber leider fehlt der Leim, der all das zusammen hält und die Szenenabfolge zu einem zusammenhängenden Film macht.

Stattdessen wird eine Kalauer-Parade mit übersteuerter Melodramatik überspült, Frau Hansen wird mit Hundekacke besudelt, Würstchen fliegen durch die Luft, die Senfdusche folgt. Dazu muss man Sprüche wie «Sortieren geht über studieren» über sich ergehen lassen, dabei zusehen, wie Backsteine in Hinterteile fliegen und ein Pömpel als «sagenumwobener Kampfflansch der Gerechtigkeit» stilisiert wird.

Besonders ärgerlich ist, dass der Film einfach nicht in die Gänge kommt, die 98 Minuten ziehen sich scheinbar endlos dahin, bis Brösel endlich in die Arme einer schmachtenden Blondine sinken darf. Und dann braucht man tatsächlich erst einmal eine Flasche Bölkstoff.

«Popcorn»
Cameron Diaz auf Marihuana
Video: news.de

Titel: Werner - Eiskalt
Regie: Klaus Büchner
Darsteller: Rötger Feldmann, Ivonne Schönherr, Marysol Fernandez, Richard Sammel, Kalle Haverland, u.a.
Filmlänge: 98 Minuten
FSK: ab sechs Jahren
Verleih: Constantin
Kinostart: 23. Juni 2011

Das news.de-Kinomagazin Popcorn stellt die Kinostarts der Woche vor und verrät, für welche Filme sich die Kinokarte lohnt.

Mit news.de Kinotickets gewinnen

Zum Kinostart von Werner - Eiskalt verlost news.de gemeinsam mit Constantin Film fünf Kinotickets für den Filmspaß mit Rötger Feldmann. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail bis Freitag, 24. Juni, 2011, 12 Uhr, an redaktion@news.de mit dem Stichwort «Werner». Die Adresse nicht vergessen. Wer am schnellsten reagiert, erhält einen der Gewinne. Die Gewinner werden umgehend per E-Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

car/news.de

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