«Four Lions» Ein Kracher nach dem anderen

«Four Lions»: britische Terrorismus-Satire (Foto)
Die Terroristen beim Anpirschen. Bild: dpa

Ein Terrorist jagt sich versehentlich mitten in einer Schafherde in die Luft und bei der Aufnahme des Drohvideos gibt es unterschiedliche Regie-Auffassungen. Heute startet in den Kinos die britische Komödie Four Lions. Nicht alle können darüber lachen.

Die bitterböse Satire von Regisseur Chris Morris bringt - im wahrsten Sinne des Wortes - einen Kracher nach dem anderen. Er erzählt die Geschichte einer britischen Terrorzelle, die einen Anschlag in England plant und sich schon bei der Suche nach einem geeigneten Ziel drastisch in die Haare bekommt. Unter ihrem Anführer, dem jungen Familienvater Omar (Riz Ahmed) wollen sie sich dem Heiligen Krieg anschließen. So richtig weiß aber niemand, wie genau das geht und auch der Aufenthalt in einem Ausbildungs-Camp in Pakistan ist nur sehr bedingt von Erfolg gekrönt. Four Lions - vier Löwen - nennen sich die Vier.

Englands Satire-Star Chris Morris - als Schauspieler auch bekannt aus der grandiosen und in Deutschland völlig zu Unrecht weitgehend unbekannten britischen Comedy-Serie The IT Crowd - erzählt die Geschichte der vier jungen verhinderten Krieger Allahs mit unglaublich viel tragischer Situationskomik und Wortwitz. «Bei meinen Recherchen über Dschihadisten bin ich immer wieder auf Beschreibungen von realen, unglaublich komischen Situationen gestoßen», sagte er. «Daraus habe ich dann einen Film gemacht.»

Deutscher Filmpreis
Gerangel um eine güldene Dame

Und darin gelingt es Morris, Terrorismus und Selbstmordattentate als ein Ausbund an Absurdität zu zeigen. Dabei bekommen nicht nur die Attentäter ihr Fett weg, sondern auch die Polizei, die vor lauter Vorurteilen gegenüber gläubigen Muslimen die wahre Gefahr nicht erkennt.

Manchem wird das Lachen aber womöglich auch im Halse stecken bleiben. Denn bei aller Absurdität bleibt doch die Frage: Darf man lachen über den islamistischen Terror, der bislang schon so viele Menschen das Leben gekostet hat?

Nein, sagt zum Beispiel Stephan Mayer von der CSU - auch wenn er zunächst nur Ausschnitte aus dem Film gesehen hatte. «Ich sehe die konkrete Gefahr, dass der ein oder andere sich durch diesen Film provoziert fühlt. Man hat das ja auch gesehen bei den Mohammed-Karikaturen», betont der Bundestagsabgeordnete. Morris kontert, sein Film sei damit überhaupt nicht vergleichbar.

Aber auch der Präsident der Opfer- und Hinterbliebenen-Vereinigung «September 11th Families», Lee. A. Lelpi, sieht das Filmprojekt eher skeptisch. Er verlor seinen Sohn, einen Feuerwehrmann, bei den Anschlägen auf das World Trade Center. «Um fair zu sein: Ich kenne den Film nicht», sagt er. «Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich darüber lachen kann. Für mich gibt es nichts Lustiges am Terrorismus.»

Wie auch immer man zu dieser Frage stehen mag - Four Lions ist in jedem Fall kein 08/15-Film, sondern einer, der zum Nachdenken anregt - nicht nur über die Welt, in der wir leben, sondern auch über die Frage nach den Grenzen von Satire.

oro/cvd/news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig