«Brighton Rock» Mods und Totschlag

BrightonRock (Foto)
Der Kleinganove Pinkie (Sam Riley) sucht mehr und mehr die Nähe der Serviererin Rose (Andrea Riseborough). Bild: Kinowelt

Von news.de-Redakteur Sven Wiebeck
In seinem Kinodebüt Brighton Rock erzählt Regisseur Rowan Joffe von Aufstieg und Fall des noch jungen, doch deshalb nicht minder skrupellosen Kleinganoven Pinkie. Trotz einer visuell brillanten Inszenierung und toller Schauspieler zieht sich das düstere Drama leider etwas.

Das Knattern und Röhren der Auspuffe übertönt des Geschrei der Möwen: Mods und Rocker erobern mit Vespas und Motorrädern die Straßen des vermeintlich idyllischen Seebads Brighton im Süden Englands. Doch die vordergründige Beschaulichkeit täuscht: Nicht nur die rivalisierenden Jugendbanden liefern sich offene Duelle an der Strandpromenade. In der tristen Unterwelt tobt eine erbitterter Bandenkrieg - bis aufs blutige Messer.

Besonders ehrgeizig treibt der skrupellose Kleinganove Pinkie Brown, gespielt von Sam Riley, seine kriminelle Karriere mit allen Mitteln voran. Bis er es eines Nachts zu weit treibt - und unter dem Pier einen wichtigen Handlanger des mächtigen Mobsters Colleoni (Andy Serkis) umbringt. Zwar gewinnt er in seiner Gang dadurch gehörig an Respekt, doch taucht wenig später nicht nur ein belastendes Foto auf, das Pinkie mit dem Ermordeten in Verbindung bringt, sondern auch eine Zeugin: die Kellnerin Rose (Andrea Riseborough). Dem Totschläger bleibt keine andere Wahl, als das Vertrauen des schüchternen Mädchens zu gewinnen. Auf gefährlich charmante und äußerst perfide Weise versucht er, die gutherzige Unschuld zum Schweigen zu bringen.

«Brighton Rock»
Vom Aufstieg und Fall eines Kleinganoven
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Die Tristesse verranzter Appartements

Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman Graham Greenes aus dem Jahr 1938. Der britische Schriftsteller lieferte bereits die Vorlagen für Filme wie den Schwarzweiß-Klassiker Der dritte Mann mit Orson Welles oder Der stille Amerikaner. Regisseur Rowan Joffe verlagert die Handlung in seinem Kinodebüt stilsicher in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Bislang zeichnete Joffe unter anderem als Autor für die Drehbücher zu 28 Weeks Later und Anton Corbijns The American verantwortlich.

Mit Brighton Rock ist Joffe nun ein düsteres, atmosphärisch überaus dichtes Drama gelungen, das besonders von den starken Darstellern und Bildern in klassischer Ästhetik lebt - zwischen strahlendem Sonnenschein auf der Seebrücke und gnadenloser Tristesse in verranzten Appartements und den Gesichtern.

Zwar erinnert Rileys Mimik manchmal sehr an seine, zugegeben noch melancholischere, Darstellung des Joy-Division-Sängers Ian Curtis in Control - unter der Regie von Anton Corbijn. Doch schafft er es auch immer wieder, derart viel Verzweiflung, Panik, Wut und Hass in seinen durchdringenden, mitunter bedrohlichen Blick zu legen, dass es das Publikum fröstelt.

Ab und an ist in seinen Augen allerdings die pure Ungläubigkeit zu erkennen. Denn so sehr er die scheinbar gänzlich schutzlose Rose auch manipuliert und einschüchtert, reagiert sie selbst auf massiven Druck und Drohungen immer wieder mit Liebe - so dass sein emotionaler Panzer durch ihre kindliche Unschuld kleine Risse bekommt.

Etwas zu viel Theatralik

Auf der vergangenen Berlinale als European Shooting Star ausgezeichnet, verleiht Englands Nachwuchstalent Andrea Riseborough der Serviererin derweil so viel Naivität und Verletzlichkeit, dass der Zuschauer sie einfach nur mitleidsvoll packen und wachrütteln möchte. Obwohl sie Sam sogar spontan zu einer auf Schallplatte gebannten Liebeserklärung bewegen kann; die jedoch nicht ganz so klingt, wie von Rose erdacht.

Sie wachzurütteln versucht auch immer wieder ihre Arbeitgeberin, die resolute Restaurantbesitzerin Ida, gespielt von Helen Mirren. Respektlos stellt sie sich dem Gangster gegenüber, um zu verhindern, dass Rose zum tragischen Opfer dieser Geschichte wird. Und einmal mehr brilliert die Oscar-Preisträgerin in ihrer Rolle als attraktive, flirtfreudige Rothaarige - stets mit etwas zu viel und zu grellem Make-up im Gesicht.

Zwar machen die Darsteller sowie die visuelle Inszenierung Brighton Rock zu einem guten Drama, können aber leider nicht verhindern, dass sich dieses streckenweise etwas hinzieht. Besonders im Hinblick auf die Aufbruchstimmung dieser bewegten Zeit hätte den Figuren angesichts der sich abzeichnenden Jugendrevolte manchmal etwas weniger Theatralik vermutlich ebenso gut getan.

Titel: Brighton Rock
Regie: Rowan Joffe
Darsteller: Sam Riley, Andrea Riseborough, Helen Mirren, John Hurt, Phil Davis, Nonso Anozie, Craig Parkinson, Andy Serkis, Sean Harris und andere
Filmlänge: 111 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Verleih: Kinowelt
Kinostart: 21. April 2011

krc/sua/ivb/news.de

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