Bürger Lars Dietrich Shakespeare, aber ohne «furztrocken»

Von news.de-Mitarbeiter Ayke Süthoff
Bei Bürger Lars Dietrich denken die meisten auch fast 15 Jahre nach Erscheinen an den Hit Sexy Eis. Dabei macht er inzwischen viel mehr als nur alberne Musik mit «Boom schlabbalabba Boom». Seine neueste Entdeckung ist das Synchronsprechen.

Sie sprechen den Gnomeo – die Hauptfigur des Disneyfilms Gnomeo und Julia. Was hat Sie an der Rolle gereizt?

Dietrich: In mir schlummerte schon immer der Wunsch, auch mal synchronsprechen zu dürfen. Das hat sich jetzt mit dem Film angeboten und als ich den Charakter dann gesehen habe und gelesen habe, wie der Gnomeo ist, hab ich gleich gewusst, das ist genau mein Ding. Das bin letzten Endes ich. Ich bin Gnomeo.
 

Wo sind die Gemeinsamkeiten?

Dietrich: Er ist auch sehr beliebt in seiner Umgebung, steht gerne für Menschen ein und natürlich für die Gerechtigkeit. Er ist auch nicht nur romantisch und fröhlich, sondern kann auch mal anders, wenn es drauf ankommt. Da konnte ich mich ganz gut austoben.

«Gnomeo und Julia»
Große Liebe auf englischem Rasen
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Gnomeo und Julia ist also Ihr erster Animationsfilm?

Dietrich: Ja, das war das erste Mal, dass ich einen Charakter aus einem Film synchronisiert habe. Ansonsten habe ich meine Stimme schon des öfteren hergegeben für Werbespots und solche Sachen. Also als Sprecher arbeite ich schon viel mit der Stimme, aber ein Animationsfilm war immer noch ein Wunsch, den ich gern erfüllt haben wollte.

Es ist ja durchaus gewagt, Shakespeare so auf die Schippe zu nehmen.

Dietrich:
Ach, das finde ich eigentlich nicht. Im Gegenteil, ich finde sogar, dass man auf diese Art und Weise einem bestimmten Publikum Shakespeare nahebringen kann. Man guckt sich den Film an und wenn der einen berührt, forscht man vielleicht eher nochmal nach der Originalstory.

«Popcorn»
Von Traumfrauen und Psychopathinnen
Video: news.de

Sie wollen also mit Gnomeo und Julia bei Kindern das Interesse an Shakespeare wecken?

Dietrich: Ja, ich glaube, dass das durch so eine spielerische Art gelingen kann. Das klappt bei mir persönlich auch, ich interessiere mich dann auch dafür.

Aber Sie haben sich vermutlich schon vor Gnomeo und Julia für Shakespeare erwärmen können.

Dietrich: Naja, interessiert hab ich mich jetzt nicht groß dafür. Der war natürlich immer irgendwie gegenwärtig, jeder kennt Shakespeare. Auch Romeo und Julia natürlich. Aber das hat man immer furztrocken serviert bekommen, obwohl das eigentlich spannender Stoff ist. So wie man ihn in der Schule vorgelegt bekommt, in der ganz klassischen Art, das langweilt. Ich find's cool wenn man das ein bisschen modern aufpeppt.

Animationsfilme sind unheimlich beliebt und zwar weltweit. Was ist das Geheimnis dieses Formats?

Dietrich: Erstmal kann man sich die Charaktere selber auf dem Computer bilden. Die haben dann Gesichter, die es in der Realität gar nicht geben kann. Damit kann man eine ganz besondere Art der Komik erreichen, allein durch das Aussehen der Figuren. Dann kann man natürlich auch sehr viel Wortwitz da rein bringen und viel Blödsinn umsetzen, der im Realfilm nicht möglich wäre. Ich finde auch die Gag-Dichte immer toll.

Und Gnomeo und Julia ist ein echter Vorzeige-Familienfilm. Das soll jetzt überhaupt nicht so klingen als wenn der langweilig wäre oder so. Im Gegenteil, das ist ein actiongeladener, lustiger Liebesfilm, da ist alles drin. Das macht es für jeden zugänglich und das macht Animationsfilme auch so reizvoll.

Lesen Sie in zweiten Teil des Interviews, wie Bürger Lars Dietrich schon vor der Wende in den 3D-Genuss kam.

In Gnomeo und Julia wird die relativ neue 3D-Technik eingesetzt.

Dietrich: Das ist sowieso toll. 3D-Fan war ich schon immer, früher gab es ja schon diese View Master, die hat mir mal jemand mitgebracht, aus dem Westen. Das musste man ins Licht halten und dann hat man über diese 3D-Stereobilder ein räumliches Bild bekommen. Das hat mich schon immer fasziniert. Oder diese Blau-Rot-Effekte in Zeitschriften, das fand ich immer toll und deshalb bin ich auch absolut begeistert von der heutigen Entwicklung der 3D-Technik. Ich bin doppelt stolz, dass es auch noch eine 3D-Animation ist, an der ich jetzt teilhaben darf.

Gnomeo und Julia ist Ihr Synchron-Debüt und dann sprechen Sie gleich die Hauptrolle. War das sehr schwer? Wie lange brauchten Sie, um da reinzukommen?

Dietrich: Das ging komischerweise sehr schnell. Wahrscheinlich, weil ich eben auch Musiker bin und da gehört so ein gewisses Gefühl für Timing und Rhythmus dazu. Das habe ich wahrscheinlich unbewusst mitgebracht, deswegen war das gar nicht mühselig. Im Gegenteil, das hat mir totalen Spaß gemacht, ich konnte mich richtig Take für Take in die Szenen reindenken. Wobei Gnomeo auch ein Charakter ist, der mir sehr nahe liegt.

Andererseits nimmt ein animierte Figur was Bewegungen, Gestiken und natürlich Aussehen angeht, Ihnen als Schaupieler viel weg. Wie schaffen Sie es, dort noch etwas Eigenes reinzubringen?

Dietrich: Irgendwie ist man in dieser Figur drin und gestikuliert beim Sprechen mit, auch mimisch. Man wird quasi zu der Figur und ist dann auch mit ganzem Herzen dabei. Wenn Gnomeo Unrecht widerfährt, bin ich genauso aufgewühlt und dann bring ich das dann auch genau so rüber. Das passiert natürlich auch, weil der Film so berührt und so schön nachzuvollziehen ist.

«Gnomeo und Julia»
Liebe unter Gartenzwergen
Video: amg/news.de/Walt Disney

Besitzen Sie selbst Gartenzwerge oder können Sie sich dafür begeistern?

Dietrich: Ich habe keinen Garten, deshalb brauchte ich mich bis jetzt mit dem Thema Gartenzwerge nicht auseinandersetzen. Aber ich bin ein verspielter Typ und finde das immer wieder lustig, wenn ich an einem Garten vorbeikomme, in dem witzige Gartenzwerge drapiert sind. Ich finde das niedlich.

Gartenzwerge wurden in Deutschland und Österreich erstmals aufgestellt, das war im 17. Jahrhundert. Und sie gelten ja auch heute noch als typisch deutsch. Gibt es an Bürger Lars Dietrich typisch deutsche Seiten?

Dietrich:
Ja, die gibt es bestimmt. Ich kann mich manchmal nicht benehmen (lacht). Optisch bringe ich vielleicht auch ... obwohl ich auch schon oft für einen Türken gehalten wurde. Das liegt wohl immer im Auge des Betrachters. Ob ich jetzt so typisch deutsch bin, ich weiß es nicht. So ein Typ Mensch wie ich, den kann es auf der ganzen Welt geben. Ich glaube tatsächlich, dass ich mich gut anpassen kann.

Man sagt Gartenzwergen Spießigkeit nach, das trifft allerdings auf Gnomeo überhaupt nicht zu.

Dietrich:
Das stimmt, in diesem Film wird das Vorurteil auf jeden Fall behoben. Das sind alles andere als spießige Gartenzwerge. Klar, die rennen da auch rum, aber es gibt auch Zwerge zum Beispiel im Borat-Kostüm, mit diesem Tanga-Ding. Und dann gibt’s natürlich auch Gnomeo, der ja ein sehr moderner Zwerg ist, sehr cool und witzig.

Entdecken Sie manchmal spießige Seiten an sich?

Dietrich: Ja, wahrscheinlich liegt das aber auch einfach am Alter. Dass ich öfter mal genervt bin von Sachen, die mich früher überhaupt nicht genervt hätten – laute Musik vom Nachbarn oder so. Da fühle ich mich manchmal schon gestört. Ich sag dann nicht groß etwas oder geh mich nicht beschweren, aber ich merke durchaus, dass ich mich manchmal über Sachen aufrege, die mich früher kalt gelassen hätten.

Titel: Gnomeo und Julia
Regie: Kelly Asbury
Deutsche Synchronsprecher: Bürger Lars Dietrich, Anke Engelke, Bernhard Fleischmann, Holger Ponik
Filmlänge: 84 Minuten
FSK: ab sechs Jahren
Verleih: Walt Disney
Kinostart: 24. März 2011

voc/news.de

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