«Gnomeo und Julia» Shakespeare am Gartenzaun

«Gnomeo und Julia» (Foto)
Brisanter Flirt: Gnomeo und Julia. Bild: Walt Disney

Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Showdown unter Zipfelmützen: Der Animationsfilm Gnomeo und Julia verfrachtet einen Shakespeare-Klassiker auf englischen Rasen und inszeniert die berühmte Liebesgeschichte mit Gartenzwergen. Gewagt, aber spritzig.

Romeo ist ein Tonkopf. Julia sowieso. Jedenfalls im neuen Walt-Disney-Film Gnomeo und Julia. Regisseur Kelly Asbury (Shrek 2) wagt es mit diesem Animationsfilm, den klassischen Shakespeare-Stoff Romeo und Julia von den Brettern der Theaterbühne auf englischen Rasen zu verfrachten und mit Gartenzwergen zu inszenieren. Doch das ist ihm noch nicht Frevel genug, er dichtet die Tragödie auch noch um - weil ihm das tragische Ende nicht passt.

Und so äugeln sich zwei tönerne Zwerge an, die Montagues tragen blaue, die Capulets rote Zipfelmützen und duellieren sich in Rasenmäherrennen. Zugegeben, das klingt erst einmal nach einer furchtbar albernen Klamotte, ist dann aber doch überraschend gut gelungen. Auch wenn hier ein bepflanztes Klo zum Heiligtum stilisiert und jede Menge Gartendeko-Klimbim aufgefahren wird – dem Regisseur gelingt es, eine so dichte Atmosphäre zu inszenieren, dass das alles ganz selbstverständlich wirkt.

«Gnomeo und Julia»
Große Liebe auf englischem Rasen

Auch wenn die Zwerge innen hohl sind, liefern sie sich wunderbar leichtfüßige und kluge Wortgefechte. Die Dialoge sind spritzig und pointiert, besonders in der englischen Fassung, die gekonnt mit einem geschliffenen britischen Akzent und der dazugehörenden Schlagfertigkeit aufwartet. Für die Originalfassung konnten die Macher einen exzellenten Cast zusammenstellen: James McAvoy spricht den Romeo, Emily Blunt die Julia, auch Sir Michael Caine, Ozzy Osbourne, Jason Statham und Hulk Hogan leihen ihre Stimmen. In der deutschen Synchronisation gibt Bürger Lars Dietrich den verliebten Wicht und Anke Engelke die bräsige Froschdame Nanette.

Elton John gibt eine rosa-glitzernde Show-Einlage

Und mal ehrlich: Auch wenn hinlänglich bekannt ist, dass die berühmte Liebesgeschichte im Tod endet – wer hat auf den letzten Metern vor dem ganz großen Drama nicht schon einmal gehofft, dass sich alles doch noch in Wohlgefallen auflöst? Asbury tut dem Zuschauer den Gefallen und auf dem Weg dahin unterhält er ihn prächtig.

«Gnomeo und Julia»
Liebe unter Gartenzwergen
Video: amg/news.de/Walt Disney

Warum allerdings Elton John dabei eine so große Rolle spielen musste, bleibt ein Rätsel. Der exzentrische Künstler liefert den musikalischen Bombast und inspiriert einen tönernden Gesellen zu einer rosa-glitzernden Show-Einlage, die allerdings völlig sinnfrei im Raum steht.

Mit Shakespeare hat das natürlich nicht mehr viel zu tun, dennoch: Es ist köstlich, wie keck sich der Gartenzwerg als Inkarnation des Kitsches und Spießertums gegen die Lichtgestalt der Literaturgeschichte auflehnt. Asbury entledigt sich der ganzen Schwere und Tragik, die in Romeo und Julia steckt – falls hier mal etwas zerbricht, lässt es sich eben wieder kleben und so ist Gnomeo und Julia ein klassischer Disney-Wohfühl-Film, der zwar Konkurrenten wie Toy Story 3 oder Ich- einfach unverbesserlich nicht überflügeln kann, sich aber dennoch nicht verstecken muss.

Mit einer literaturgeschichtlich ambitionierten Erwartungshaltung ist man hier natürlich fehl am Platz. Schafft man es, den erhobenen Zeigefinger beiseite zu lassen und sich auf die lockere Geschichte einzulassen, dann ist Gnomeo und Julia locker-seichte Kinounterhaltung.

Der Pater wird zum Plastik-Flamingo

Hier wird nicht nur gesäuselt und gelitten, hier brausen auch Staubwolken bei rasanten Rasenmäherrennen auf. Da wird der geistliche Vertraute Pater Lorenzo kurzerhand zu einem pinkfarbenen Plastik-Flamingo und Julias Zofe zu einer mannstollen Kröte. In der Wichtelvariante treffen sich die Liebenden nicht etwa auf einem Kostümfest, sondern mit Strumpfmasken auf Diebestour und liefern sich ein wunderbar wendiges Wortgefecht.

Das alles spielt nicht in Verona, sondern in Shakespeares Geburtsstadt Stratford-Upon-Avon. Der berühmte Einwohner muss sich dann aber auch einiges gefallen lassen: Der verliebte Wicht klettert auf der Bronzestatue des Dichters herum, diskutiert mit ihm und dann wird das Denkmal auch noch mit Vogelkot bekleckert.

Wie auch schon in den Toy-Story-Filmen ist der Zauber der beseelten Zwerge erstarrt, sobald Menschen auftauchen. Darüber hinaus ist es den Machern dieses Films erstaunlich gut gelungen, den tönernen Figuren Leben einzuhauchen. Die glasierte Oberfläche schimmert gekonnt im Licht, ist bei all der Aufregung zwischen den verfeindeten Clans auch mal angeschrammelt und angestoßen.

Die Tontechniker haben auch nicht vergessen, immer wieder ein hohles «klonk» einzuspielen, wenn die neckischen Figürchen irgendwo anstoßen. Dabei spielt Asbury immer wieder mit der Zerbrechlichkeit seiner Keramik-Protagonisten. Und zwischen Ton, Steinen und Scherben gilt dann auch hier: Nur die Harten kommen in den Garten – aber nur, wenn sie dabei auch drollig aussehen.

Titel: Gnomeo und Julia
Regie: Kelly Asbury
Deutsche Synchronsprecher: Bürger Lars Dietrich, Anke Engelke, Bernhard Fleischmann, Holger Ponik
Filmlänge: 84 Minuten
FSK: ab sechs Jahren
Verleih: Walt Disney
Kinostart: 24. März 2011

wie/ivb/news.de

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