Oscars 2011 Der geadelte Stotterer

The King's Speech gewinnt die Oscars der Königsklassen: Mit dem Triumph für den stammelnden Regenten lassen die Briten das Hollywood-Kino hinter sich. Die Oscarnacht erfüllt Erwartungen - nur James Franco war irgendwie nicht ganz bei der Sache.

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News.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann. Bild: news.de

Jetzt ist es raus: Die Oscars sind verteilt, die Filmbranche hat ihren großen Abend gefeiert. Große Überraschungen gab es nicht: The King's Speech ist der Star der Nacht. Auch wenn das absehbar war, gibt das keinen Anlass zum Mosern, denn die Academy hat diesen klugen und brillanten Film völlig zu Recht mit vier güldenen Knaben bedacht. Mit zwölf Nominierungen war  das Drama über das Stotterproblem des englischen Königs George VI. ins Rennen gegangen.

Auf den ersten Blick hat Christopher Nolans Inception zwar genauso viele Auszeichnungen bekommen, doch The King's Speech konnte in den Königsklassen überzeugen: beste Regie, bester Hauptdarsteller, bester Film, bestes Originaldrehbuch. Inception erhielt die Preise in technischen Kategorien wie visuelle Effekte oder Tonschnitt. The Social Network war als Konkurrent von The King's Speech in die Verleihung gegangen – von acht Nominierungen konnte der Film in drei Kategorien überzeugen. Damit ist The King's Speech eine Revanche gelungen, denn bei den Golden Globes hatte der stotternde König gegenüber dem geschäftstüchtigen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg das Nachsehen gehabt.

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Große Erwartungen waren auch an den Western der Coen-Brüder, True Grit, geknüpft worden, die sich aber leider nicht erfüllt haben: Obwohl der Film in zehn Kategorien nominiert war, haben die Macher keine einzige Stauette bekommen. Damit ist True Grit der Verlierer der 83. Oscarverleihung. Das ist schade, denn der Film überzeugt mit einem ausgeklügelten Drehbuch, brillanten Darstellern und einer exzellenten Kameraarbeit, doch die Konkurrenz war offenbar einfach zu groß. Dennoch: Zumindest Hailee Steinfeld hätte einen Preis als beste Nebendarstellerin verdient.

Der deutsche Champagner wandert wieder in den Kühlschrank

Oscarnacht 2011: Zuschauer sind die großen Verlierer
Video: car/news.de/Unitec

Auch die deutschen Oscar-Hoffnungen haben sich nicht erfüllen können. Der Filmkomponist Hans Zimmer war für seine Filmmusik zu Inception nominiert, durfte dann aber doch nicht auf die Bühne schreiten, um einen Goldjungen in Empfang zu nehmen, und auch der animierte Kurzfilm The Grüffelo aus Ludwigsburg ging leer aus - die Deutschen müssen die Champagnerflaschen also wieder zurück in den Kühlschrank stellen.

Selbst für die Macher von The King's Speech hatte es zunächst gar nicht so rosig ausgesehen. Erst in der letzten halben Stunde der Verleihungsgala prasselten die Preise dann wie ein warmer Sommerregen auf sie herab. Bis dahin hatte Christopher Nolans Film Inception vorne gelegen und The Social Network schien auf die Überholspur auszuscheren. Dramaturgisch war das großes Kino, weil bis zum Schluss nicht klar war, welcher Film als strahlender Sieger aus der Oscarnacht hervorgehen würde.

Den Preis als bester Hautpdarsteller hat sich Colin Firth hart erarbeitet: In der Rolle des stotternden Königs George VI. ringt er mit großer Anstrengung um jede Silbe und verliert dabei doch nicht seinen Sinn für Humor. Damit hat Firth endlich die Gelegenheit zu glänzen und kann sich vom gutmütigen, aber recht braven Mann fürs Leben aus Bridget Jones freischwimmen. Ausgeruht hat sich der Brite seitdem nicht: Allein in den vergangenen vier Jahren hat Firth in 14 Filmen mitgespielt - jetzt fährt er die Ernte ein.

Absage an das Wohlfühlkino

Dass The King's Speech so gut abgeschnitten hat, ist auch ein britischer Triumph über das amerikanische Hollywood-Kino. Ein klassischer Blockbuster ist das Werk von Regisseur Tom Hooper eigentlich nicht. Und auch das ist erfreulich, denn mit der Academy-Adelung rückt ein Film, der eher in die Arthouse-Sparte gehört, in das Bewusstsein eines breiten Publikums.

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Auch mit dem Oscar an Natalie Portman als beste Hauptdarstellerin in Black Swan ist ein Film ausgezeichnet worden, der nicht das klassische Wohlfühlkino bedient. Wie erwartet, hatte sie sich mit ihrer intensiven und einfühlsamen Interpretation der psychotischen Ballerina Nina gegen Konkurrentinnen wie Annette Bening oder Nicole Kidman durchsetzen können. Das war wieder keine Überraschung und abermals eine gute Wahl. Und Portman hat Glück gehabt: In The King's Speech gab es ja keine Hauptdarstellerin, die ihr den Preis hätte streitig machen können.

Insgesamt hat die Academy die Preise jedoch erstaunlich ausgewogen verteilt: Jeweils zwei Statuetten bekamen The Fighter (bester Nebendarsteller, beste Nebendarstellerin), Alice im Wunderland (bestes Kostümdesign und Bühnebild) und Toy Story 3 (bester Animationsfilm und bester Song).

Ein Rätsel ist allerdings, was in den Moderator James Franco gefahren ist: Der Mann stand völlig neben sich. Mit entrücktem Blick und einem jenseitigen Grinsen hangelte er sich durch seinen Text und wirkte dabei wie ferngesteuert. Dass er sich außerdem als Monroe-Kopie versuchte, lockerte das Ganze nur marginal auf. Es war ein Leichtes für seine Co-Moderatorin Anne Hathaway daneben zu glänzen: Mit Esprit und Witz führte sie durch den Abend, sang und schwang sich sogar in Musicalposen, allein dafür hätte auch sie einen Oscar verdient – gäbe es die Kategorie «Moderation».

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car/ivb/news.de

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