Prognose Wer bekommt den Oscar?

In wenigen Tagen wird in Los Angeles der Oscar verliehen. Die news.de-Filmredaktion nennt Favoriten und Geheimtipps und ruft die User zum Mittippen auf. Zur Belohnung gibt es aufregende Filmplakat-Pakete zu gewinnen.

Oscar (Foto)
Natalie Portman und Colin Firth sind die Favoriten für den Oscar 2011.   Bild: news.de/dpa (Montage)

Bester Hauptdarsteller

Ob Jamie Foxx als Ray Charles oder Forest Whitaker als Idi Amin: Wer immer in den letzten Jahren durch die glaubhafte Darstellung einer historischen Figur überzeugte, nahm mit hoher Wahrscheinlichkeit am Ende den Oscar mit nach Hause.

Auch wenn man statistische Indizien beiseitelässt, führt in diesem Jahr an Colin Firth kein Weg vorbei. Als stotternder König Georg VI. macht er The King's Speech zu einem Kinogroßereignis. Wie es dem 50-Jährigen gelingt, Georg VI. royale Würde zu verleihen, gerade indem er dessen Erkrankung schonungslos bloßlegt, das ist ohne jeden Zweifel oscarwürdig.

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Auch als Ensemblefilm funktioniert The King's Speech perfekt, weil Firth glänzt, ohne seine Partner zu überstrahlen. Er ist weder ein besessener Method-Actor noch ein Alphatier. In Bridget Jones und Shakespeare in Love spielte Firth die zweite Geige, immer bescheiden, immer handwerklich makellos.

Mit seiner Darstellung eines lebensmüden Professors in A Single Man verlor er bei der letztjährigen Oscarverleihung gegen Jeff Bridges. Auch der ist dieses Jahr wieder nominiert. Bridges bärbeißiger Marshall in True Grit hatte gegen Firth' stotternden König jedoch bereits bei fünf Preisverleihungen das Nachsehen.

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Video: sua/news.de

Ebenfalls für einen Oscar nominiert ist Javier Bardem als Kleinkrimineller in Biutiful. Das Drama dürfte der Academy allerdings gleich mehrere Nuancen zu finster sein. Komplettiert wird das Feld der Nominierten durch die Jungspunde Jesse Eisenberg (The Social Network) und James Franco (127 Hours). Beide werden noch viele Gelegenheiten zum Gewinn eines Oscars erhalten. Doch gerade letzterer kann sich für seinen Parforceritt als verunglückter Abenteurer durchaus Außenseiterchancen ausrechnen.

U n s e r  F a v o r i t : Colin Firth (The King's Speech)
U n s e r  G e h e i m t i p p : James Franco (127 Hours)

 

Bester Nebendarsteller

Favorit auf den Oscar-Gewinn in dieser Kategorie ist wohl Geoffrey Rush. Der 59-jährige Australier glänzt an der Seite von Colin Firth in The King's Speech. Rush ist dem Publikum auch als Captain Hector Barbossa der Fluch-der-Karibik-Filme bekannt. Dort stellt er selbst Johnny Depp in den Schatten. Sollte Rush den Oscar gewinnen, wäre es bereits sein zweiter. Den Preis als bester Hauptdarsteller gewann er 1996 für seine Darstellung des nervenkranken Pianisten David Helfgott in Shine – Der Weg ans Licht.

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Ärgster Konkurrent um den Oscar des besten männlichen Nebendarstellers dürfte Christian Bale sein. Der 37-jährige Batman-Star hat schließlich schon den Golden Globe für seine Darstellung des ehemaligen Boxers und Trainers Dicky Eklund im Boxerdrama The Fighter erhalten. Normalerweise ein sicherer Indikator für einen Oscargewinn. Bales manisches «Method Acting» erinnert an die Schauspielkunst Robert de Niros und wird früher oder später mit einem Oscar belohnt werden müssen.

Geheimfavorit ist ganz klar Jeremy Renner. Seine Darstellung des James «Jem» Coughlin in Ben Afflecks Gangsterdrama The Town - Stadt ohne Gnade brachte ihm schon eine Golden-Globe-Nominierung ein. Er unterlag Christian Bale. Renners Schauspielkunst unterstreicht, was die Spatzen von Hollywoods Dächern längst pfeifen: Der 40-Jährige wird einer der kommenden Topstars der Traumfabrik.

U n s e r  F a v o r i t : Geoffrey Rush (The King's Speech)
U n s e r  G e h e i m t i p p : Jeremy Renner (The Town - Stadt ohne Gnade)

Lesen Sie auf Seite 2, wer die Oscars bei den Schauspielerinnen gewinnen wird

Beste Nebendarstellerin

Stellt man die Frage, welche der Nominierten den Oscar als beste Nebendarstellerin verdient hätte, dann kann es nur eine Antwort geben: jede. Das klingt banal und ein wenig altklug, aber alles andere wäre Anmaßung. Die news.de-Redaktion ist sich weitgehend einig, dass es in diesem Jahr eine ganz besonders verdient hätte: Hailee Steinfeld.

Was die 14-Jährige in dem Western True Grit zeigt, ist im wahrsten Sinne des Wortes eine reife Leistung. Reif, weil Steinfeld zeigt, was man eigentlich nur von gestandenen Schauspielerinnen hätte erwarten können. Und Leistung, weil sie in True Grit so eine Präsenz hat, dass sie eigentlich als beste Hauptdarstellerin hätte nominiert werden sollen. Sie spielt das junge Mädchen, das den Mord an ihrem Vater rächen will und dafür einen versoffenen Revolverhelden engagiert, so abgeklärt, als wäre sie tatsächlich im Wilden Westen groß geworden. Andere Schauspieler erreichen in ihrer ganzen Karriere nicht solch eine Authentizität. Chapeau!

So einig sich unsere Redaktion auch ist, dass es also nicht völlig riskant ist, einen kleineren Geldbetrag auf Hailee Steinfeld zu setzen, so einig ist sie sich, dass es bei Helena Bonham Carter ein größerer sein kann. Nun kann man das gut finden oder eben nicht, aber sollte bei der Entscheidung der Academy auch das eine Rolle spielen, was die Nominierten sonst für den Film getan haben, dann muss am Montagmorgen der Name Bonham Carter fallen. Ob in Fight Club, Harry Potter oder Sweeney Todd, Bonham Carter war stets großartig. Ihre Leistung in The King's Speech steht dem in nichts nach. Deshalb:

U n s e r e  F a v o r i t i n : Helena Bonham Carter (The King's Speech)
U n s e r  G e h e i m t i p p : Hailee Steinfeld (True Grit)

 

Beste Hauptdarstellerin

Dass Natalie Portman in diesem Jahr den Oscar für ihre Darstellung einer obsessiven Ballerina in Darren Aronofskys Black Swan als beste Hauptdarstellerin mit nach Hause nehmen kann, ist so gut wie sicher. Zu schwer wiegt der Fakt, dass die 29-Jährige dafür ein Jahr intensives Ballett-Training auf sich genommen hat.

Und das hat sich ganz offensichtlich gelohnt. Nicht nur, dass ihr Körper durch das harte Training ganz sehnig und drahtig wurde und sie so leidenschaftlich tanzt, dass es eine wahre Freude ist - sie vergisst nebenbei auch das gute Spielen nicht.  Im Film hört sie auf, Natalie Portman zu sein. Sie ist ganz klar die Oscar-Favoritin. Dieser Ansicht ist übrigens auch der neue Superstar aus dem Leipziger Zoo, das schielende Oppossum Heidi. In der Sendung Jimmy Kimmel Live! prophezeite Heidi, dass Natalie Portman den Oscar gewinnt.

Eine, die Natalie Portman gefährlich werden könnte, ist Annett Bening. Sie ist für ihre Rolle als lesbische Mutter in der Komödie The Kids Are All Right nominiert. Für Annette Bening ist es bereits die vierte Nominierung. Es wird Zeit, dass sie die kleine Goldstatuette endlich einmal mit nach Hause nimmt.

U n s e r e  F a v o r i t i n : Natalie Portman (Black Swan)
U n s e r  G e h e i m t i p p : Annette Bening (The Kids Are All Right)

Lesen Sie auf Seite 3, welchem Regisseur und Film die Krone aufgesetzt wird

Beste Regie

Diesmal soll er im Kodak Theatre in Los Angeles nicht vergebens zittern. David Fincher sollte in diesem Jahr den Goldjungen für die beste Regie in den Händen halten. Er hätte es verdient, findet die news.de-Redaktion. Warum? Weil Fincher mit The Social Network das Lebensgefühl der Generation Web 2.0 einfängt und damit einfach auf der Höhe des Zeitgeistes ist. Weil sein Film viele Menschen ins Kino zog, sie mitreißt und zum Nachdenken animiert. Und nicht zuletzt deshalb, weil er mit dem Computer-Nerd-Drama über den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg die wichtigen Kritiker- und Branchenpreise abgeräumt hat.

Doch Finchers Konkurrenz ist hochkarätig. Da sind die Brüder Joel und Ethan Coen, deren Westerndrama True Grit mit Jeff Bridges als alten Haudegen an den Kinokassen punktet. Schon mehrfach waren die Coen-Brüder für den Oscar nominiert und nahmen die Trophäe bereits für No Country For Old Men (2008) mit nach Hause. Sie sind alte Hasen im Geschäft und haben sicher viele Freunde in der Academy.

Und da ist Tom Hooper mit The King's Speech – das Historien-Drama über den stotternden britischen König George VI., der für viele als der große Favorit gilt. Doch news.de ist anderer Ansicht. Hoopers Film wird das gleiche Schicksal ereilen wie anderen Streifen über das britische Königshaus. Wir erinnern uns zum Beispiel an The Queen oder an Elizabeth. Da blieb es auch nur bei der Nominierung.

Außenseiter-Chancen räumt die Redaktion indes David O. Russell mit The Fighter ein. Okay, es handelt sich wieder mal um ein Boxerdrama. Aber die Academy steht auf solche Geschichten: 1977 ging der Oscar (allerdings für den besten Film) tatsächlich an Rocky. The Fighter ist um Längen besser, überragend gespielt (Christian Bale) und packend in Szene gesetzt.

Das gilt auch für Darren Aronofskys Black Swan – der wohl erste wirklich anspruchsvolle Ballettfilm über eine höchst ambitionierte Tänzerin. Faszinierend an Aronofskys Werk ist neben dem Spiel der Hauptdarstellerin Natalie Portman die Vermischung verschiedener Genres. Denn dieser Tanzfilm ist sowohl Thriller als auch Horrorfilm, und vor allem aus dem Fundus des Letztgenannten schöpft Aronofsky. Mit großem Gespür für imposante Bilder reiht er Effekte aneinander und hält den Zuschauer gefangen bis zum allerletzten eindrucksvollen Bild.

Es kann also passieren, dass Aronofsky seinem Mitbewerber Fincher den Oscar vor der Nase wegschnappt. Das ist Fincher schon 2009 passiert. Damals war er mit dem Drama Der seltsame Fall des Benjamin Button im Rennen um den begehrtesten Filmpreis der Welt. Doch am Ende trug Danny Boyle den Regiepreis mit Slumdog Millionaire davon. Fincher sollte sich schon einmal auf den Moment vorbereiten, dass Aronofsky in diesem Jahr die Rolle des Spielverderbers übernimmt.

U n s e r   F a v o r i t e n : Darren Aronofsky (Black Swan)
U n s e r  G e h e i m t i p p : David O. Russell (The Fighter

 

Bester Film

Und dann gilt es noch das beste Gesamtkunstwerk zu krönen – den besten Film. Nein, den Machern des Blaublüter-Dramas The King's Speech wird die filmische Krone nicht aufgesetzt. Da ist sich die news.de-Filmredaktion sicher. Ebenso bei der bunten Animationskomödie Toy Story 3. Denn nach Lachen ist der Oscar-Jury in diesem Jahr mal wieder nur begrenzt zumute. Entsprechend wird auch die unkonventionelle Familienkomödie The Kids Are All Right um ein Lesbenpaar und ihre Kinder leer ausgehen.

Und so läuft es auch in der Königsdisziplin auf ein Duell zwischen Black Swan und The Social Network hinaus. Ganz gemäß der Tatsache, dass die Auszeichnung für die beste Regie meist mit dem Oscar für den besten Film einhergeht.

Glaubt man dem Golden-Globe-Orakel, können sich die Erzähler der Entstehungsgeschichte des sozialen Netzwerkes Facebook schon bald die goldene Trophäe auf den heimischen Kaminsims stellen. Dagegen spricht allerdings, dass Regisseur David Fincher diese bereits für Filme wie Sieben und Fight Club verdient hätte, sie ihm bislang jedoch verwehrt blieb. Ebenso vor zwei Jahren, als er mit Der seltsame Fall des Benjamin Button auf der Liste der Nominierten vermerkt war. Offensichtlich soll es für Fincher einfach nicht sein.

Doch von solch kruden Gedankenspielen einmal abgesehen: Darüber hinaus legte Regiekollege und -konkurrent Darren Aronofsky (The Wrestler) mit dem verstörenden Ballettthriller Black Swan letztlich den besseren Film vor, dessen Wahnsinns-Geschichte und beklemmende Inszenierung ihn nach Ansicht der news.de-Jury zum absoluten Favoriten auf den Goldjungen erhebt.

Da müssen selbst die Coen-Brüder Präriestaub fressen: Ihr Westernepos True Grit geht höchstens als geheimer Geheimtipp durch, ist jedoch zugleich ein aussichtsreicher Kandidat in der Kategorie «Beste Kamera».

Als wahrer Geheimtipp der Redaktion gilt indes 127 Hours von Regisseur Danny Boyle – also einem weiteren alten Bekannten. Erst 2009 bekam der Brite für Slumdog Millionaire gleich mehrere Oscars. Mit der wahren Geschichte des Extremsportlers Aron Ralston – gespielt von James Franco –, der auf unglaubliche Weise nur knapp dem Tod entkommt, kann er diesen Erfolg zumindest in der Kategorie «Bester Film» eventuell wiederholen. Es wäre eine kleine Überraschung.

Eine riesige Überraschung würden indes ein Triumph von The Fighter darstellen. Nach Ansicht der news.de-Redakteure hat das Boxerdrama aber noch nicht einmal ernsthafte Außenseiterchancen. Ebenso Christopher Nolans Inception. Der Science-Fiction-Thriller ist ganz einfach nicht Oscar-tauglich. Zumal der noch junge Regisseur in den vergangenen Jahren einen guten Film nach dem nächsten abgeliefert hat, womit auch in der Zukunft weiterhin zu rechnen ist.

U n s e r   F a v o r i t : Black Swan
U n s e r  G e h e i m t i p p: 127 Hours

Lesen Sie auf Seite 4, wie Sie ein Filmplakat gewinnen können

Die news.de-Filmredaktion hat ihre Prognose abgegeben. Nun sind Sie, liebe User, an der Reihe. Welchem Film räumen Sie die größten Oscar-Chancen ein? Wer seinen Tipp abgibt und mit seiner Einschätzung richtig liegt, hat Chancen, eines von insgesamt fünf Paketen aus vier Filmplakaten zu Black Swan, The King's Speech, True Grit und 127 Hours zu gewinnen.

Den Tipp (mit Postanschrift des Absenders) bitte per E-Mail bis zum 27. Februar, 12 Uhr, an redaktion@news.de schicken. Die Gewinner werden umgehend per E-Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

boi/reu/news.de

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