Cosma Shiva Hagen «Ich bin umheimlich faul»

Neues Abenteuer mit der «Hexe Lilli» (Foto)
Cosma Shiva Hagen mit dem Drachen Hektor bei der Premiere ihres Films «Hexe Lilli - Die Reise nach Mandolan» in München. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Im neuen Hexe Lilli-Film spricht Cosma Shiva Hagen einen Flaschengeist. Für eine typische Schauspielerin hält sie sich nicht, wie sie news.de im Interview verraten hat. Dafür hat sie viel zu viel andere Dinge zu tun. Kellnern zum Beispiel.

Cosma Shiva Hagen lässt sich mit einem Seufzer in den roten Sessel des Münchner Hilton-Hotels fallen. Am Vortag ist eine Tresenkraft in ihrer Hamburger Bar ausgefallen und so musste sie selbst bis vier Uhr morgens aushelfen. Wenige Stunden später dann den Flieger erwischen, direkt in die Maske, jetzt der Sessel. «Unausgeschlafen Interviews geben ist immer ein bisschen schwierig.» Hagen lacht. Na dann mal los.

Sie sprechen im neuen Hexe-Lilli-Film einen Flaschengeist. Mulan war auch ein Animationsfilm, Sie haben aber auch schon Realfilme synchronisiert. Gibt es da einen Unterschied?

Eva-Maria Hagen
Schauspielerin, Mutter und Großmutter
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Hagen: Ja, absolut. Bei realen Personen ist es weitaus schwieriger, weil man sich sehr stark danach richten muss, was der Schauspieler gemacht hat. Man kann nicht einfach anfangen, eigene Nuancen einzubringen. Bei animierten Sachen muss man nicht ganz so sehr darauf achten, dass es lippensynchron ist, weil die Münder eh nur auf und zu gehen.

Wie viel Arbeit steckt denn dann in so einer Sprechrolle wie der von Flaschengeist Suki?

Hagen: In dem Fall sind es ja nur ein paar Sätze, das ist in einem halben Tag gemacht. Ich wundere mich auch gerade darüber, dass mein Name so groß neben dem von Michael Mittermeier auf dem Filmplakat steht. Dabei ist das nur so eine kleine Rolle im Vergleich zu allen anderen, das ist mir ein bisschen unangenehm. (lacht) Vielleicht kommt ja noch ein dritter Teil, in dem Suki eine ganz große Rolle bekommt.

Ausgeschlossen wäre das ja nicht, wo sie doch nun mit dem Drachen Hektor in unendlicher Liebe verbunden ist. Sie würden also für eine Fortsetzung zur Verfügung stehen?

Hagen: Absolut, ich finde die Filme ganz süß gemacht. Ich finde es auch großartig, dass Disney deutsche Filme macht – die ganze Kollaboration ist grandios. Der Film ist schon sehr speziell und perfektionistisch gemacht.

Genießen Sie es, wenn statt Ihres Aussehens mal Ihre Stimme im Vordergrund steht?

Hagen: Das mit dem Aussehen verstehe ich sowieso nicht ganz. Ich finde nicht, dass ich so schön bin, wie manche sagen. Das ist ja auch die Maske – man sieht ja nicht immer so aus, wie man auf dem roten Teppich aussieht. Was die Stimme angeht: Es ist natürlich immer gut, wenn die Arbeit im Vordergrund steht.

Wonach wählen Sie aus, in welchem Film sie mitwirken wollen?

Hagen: Ich glaube, ich bekomme gar nicht so viele richtig gute Angebote wie andere Kollegen. Weil ich so viele Sachen gleichzeitig mache, bin ich nicht so die erste, an die man denkt, wenn man einen Kinofilm macht. Von daher muss ich schon sehr speziell abwägen. Ich mache es meistens davon abhängig, ob die Geschichte etwas hergibt – also gar nicht so rollenabhängig, das Gesamtbild muss stimmen. Und mir ist auch immer wichtig, dass man mit den Leuten sympathisiert, mit denen man zusammenarbeitet. Das steht immer an erster Stelle, weil ich glaube, dass ich manchmal nicht ganz einfach bin.

Inwiefern?

Hagen: Es müssen einfach immer Menschen sein, mit denen man gerne zusammenarbeitet, damit es nicht zu anstrengend wird.

Das weiß man doch aber nicht immer vorher.

Hagen: Das stimmt. Aber meistens trifft man sich ja im Vorfeld, um das abzustecken.

Und wenn Sie da merken, dass es nicht passt, würden Sie auch Nein sagen?

Hagen: Ja, weil ich bin unheimlich faul und nicht so ehrgeizig. Wenn ich das Gefühl habe, das macht keinen Spaß und das wird anstrengend, dann lass ich es meistens.

Sie haben gesagt, dass Sie viele Dinge gleichzeitig machen. Brauchen Sie viel Abwechslung?

Hagen: Ich bin nicht so eine typische Schauspielerin und ich habe es immer ganz gerne, ein paar andere Sachen nebenbei zu machen. Mein karikatives Engagement ist mir sehr wichtig geworden. Auch meine Bar in Hamburg – das war ein Traum von mir und hat viel Zeit eingenommen. Die Arbeit am Theater mit Didi Hallervorden war mir sehr wichtig, da hatte ich auch erst einmal ein halbes Jahr lang keine Zeit für Film. Aber ich habe jetzt mit Lars Becker gerade eine Komödie gedreht. Ich bin ganz froh, dass das geschafft habe, zwischendurch eine Hauptrolle zu spielen – in einem guten Film, der jetzt bald im ZDF kommt.

Sie engagieren sich für fairen Handel. Warum?

Hagen: Ich habe nach etwas gesucht, das nachhaltig etwas ändert und nicht nur für den Moment. Ich habe dabei das Gefühl: Da macht man wirklich etwas, das Sinn macht und wo man auch von hier aus im Alltag etwas tun kann. Ich will versuchen, das für die Leute publik zu machen, die gar nicht wissen, dass sie doch hin und wieder eine Wahl haben. Dafür geht natürlich viel Zeit weg und deswegen muss man auch mal andere Sachen annehmen, die vielleicht nicht «fair trade» sind – einfach weil man auch seine Miete zahlen muss. Aber ich will sowieso nicht so mit erhobenem Zeigefinger sagen: Du musst das, das und das tun. Man muss für sich selbst eine Balance finden, mit der man gut leben kann.

Es heißt ja immer, dass Fair Trade im Kleinen ganz gut funktionieren, aber kein Modell ist für die Weltwirtschaft.

Hagen: Was sehr traurig ist. Eigentlich müsste es internationale Gesetze geben, die überprüfen, dass alle Seiten gerecht behandelt werden, so dass Fair Trade eigentlich nichts Besonderes sondern Normalität sein sollte. Ich hoffe immer, dass die Produkte günstiger werden, wenn die Nachfrage steigt und dass dann alles besser funktioniert. Aber man wird bei jedem Thema etwas Schlechtes finden, wenn man danach sucht. Auch bei Fair Trade gibt es zum Beispiel Biobaumwollfelder, die so viel Wasser brauchen, dass die Bevölkerung, die dort lebt, kaum noch Wasser hat. Da bin ich aber immer froh, wenn jemand in eine Diskussion kommt oder einfach nur darüber nachdenkt, damit wenigstens etwas in Bewegung bleibt. Das alleine ist schon wichtig.

Cosma Shiva Hagen gibt dem Flaschengeist in der Hexe-Lilli-Verfilmung ihre Stimme. Seit dem 17. Februar ist der Streifen im Kino zu sehen.

car/news.de

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