Michael Mittermeier Mubarak auf dem Schleuderthron

Mittermeier  (Foto)
Michael Mittermeier gibt in dem Kinofilm Hexe Lilli dem Flugdrachen Hektor seine Stimme. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Komiker Michael Mittermeier leiht auch in der zweiten Verfilmung aus der Kinderbuchreihe Hexe Lilli dem Flugdrachen Hektor seine Stimme. Im Interview verrät er, warum Witze für Kinder nicht plump sein dürfen und welche Rolle der Humor für Umbrüche wie den in Ägypten spielt.

Hektor spricht denselben Dialekt wie Sie. Ist er eigentlich Bayer?

Michael Mittermeier: Ein Teil von ihm ist Bayer. Er steht in direkter Nachfolge: Erst kommen schottische Drachen und dann bayerische. Das ist die Rangordnung.

Der Drache spielt in der zweiten Hexe-Lilli-Verfilmung eine größere Rolle, hat sogar einen eigenen Filmtrailer. Wie viel steckt von Ihnen als Komiker in Hektor?

Mittermeier: Wir wollten, dass sich Hektor im zweiten Teil mehr austoben kann. Dazu haben wir Sven Kemmler an Bord geholt, mit dem ich viel zusammen schreibe. Er und der Regisseur Harald Sicheritz haben die Hektor-Sätze entworfen. Wir drei haben dann überlegt, wie Hektor sich ausdrücken würde – ein paar seiner Worte, «logofax» zum Beispiel, kamen von mir. Auf diese Weise wird es auch genauso, wie man es selbst sagen würde.

Lilli hilft im Mandolan dem Volk, das sich gegen einen ungeliebten Herrscher auflehnt. Eine Geschichte mit Bezug zur Tagespolitik sozusagen.

Mittermeier: Ja, stimmt, so habe ich das noch gar nicht gesehen. Jürgen Tarrach als Hosni Mubarak – schöne Vorstellung. Wir hätten mit Mubarak das gleiche tun sollen wie mit dem bösen Großwesir im Film: Einfach auf den Schleuderthron setzen und über die Grenze schießen.

Sie haben im vergangenen Jahr eine Dokumentation über den Komiker Zarganar gedreht, der in Burma im Gefängnis sitzt. Kennen Sie Komiker, die im Nahen Ostens arbeiten?

Mittermeier: Beim Comedyfestival in Südafrika habe ich Amet Amet kennengelernt, der einen Film gemacht hat, für den er durch die Länder im Nahen Osten gefahren ist. Es gibt auch einen Iraker, der sich über Terrorismus und sich selbst lustig macht – der ist unglaublich komisch. Das ist die Erfahrung, die ich in Burma gemacht habe: Es gibt auch Comedians in Ländern, wo man es nicht vermutet. Aber es ist für die Leute natürlich ungleich schwerer.

Ist Humor gleichzeitig wichtiger in Ländern mit politisch schwieriger Lage?

Mittermeier: Er kann eine Entwicklung, wie beispielsweise die augenblickliche in Ägypten, pushen. Ich habe das in Südafrika erlebt: Früher gab es dort keine schwarzen Comedians. Auch nach dem Ende der Apartheid hat sich eine schwarze Comedy-Gemeinde erst ganz langsam entwickelt. Mittlerweile gibt es viele junge Comedians, die sich zum Beispiel auch über den ANC (aktuelle Regierungspartei, die sich als Sprachrohr der schwarzen Bevölkerung sieht, Anm. d. Red.) lustig machen. Humor ist universell und hat immer etwas Subversives. Das ist auch beim Drachen Hektor so: Hektor ist Anarchist. Er darf sagen, was er will. Im Film gibt es auch Witze, die keine Kinderwitze sind. Das ist ja gerade die Herausforderung: Das man den Film lustig macht an Stellen, die die Erwachsenen witzig finden und die Kleinen auch. Manchmal funktioniert das: Die Kinder lachen über eine witzige Bewegung oder ein Wort und die Erwachsenen verstehen den tieferen Sinn.

Als ich den Film gesehen habe, war ich überrascht, wie viel die Kinder offenbar auch von den Wortspielen verstanden haben und mit den Großen zusammen gelacht haben.

Mittermeier: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man Kinder fordern muss. Nicht im Sinne, dass sie Leistung bringen sollen, aber wenn du Unterhaltung für Kinder machst, dann bitte nicht zu billig. Das hat mich an Hexe Lilli auch von Anfang an gereizt: Wir versuchen nicht, nur einfache Kinderpointen zu machen. Vielleicht verstehen sie es dann eben erst beim zweiten Mal oder die Eltern erklären den Witz und dann finden ihn auch die Kleinen spitze. Ich wundere mich, dass ich bei mir in der Show immer wieder sechs- oder siebenjährige Kinder sitzen habe. Die verstehen natürlich das meiste nicht, haben aber trotzdem ein Gefühl dafür, was lustig ist.

Hexe Lilli läuft seit dem 17. Februar in den Kinos. Lesen Sie hier unsere Rezension zum Film.

car/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • mariana
  • Kommentar 1
  • 19.02.2011 21:05

unterhaltung bei kindern nicht zu billig, aber bei den erwachsenen darf es gaaanz billig sein. hr. mittermeier, bitte freiwillig zurücktreten!!!!

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