Bernd Eichinger Der Filmbesessene ist tot

Bernd Eichinger (Foto)
Gemeinsam mit Bruno Ganz (links) und Corinna Harfouch produzierte Bernd Eichinger Der Untergang - einen seiner wichtigsten Filme. Bild: dpa

Von den news.de-Redakteurinnen C. Arthen, J. Pfeifer und J. Zahnweh
Die Geschichte des Baader-Meinhof-Komplexes hat er verfilmt und die letzten Tage im Leben Adolf Hitlers. Bernd Eichinger war eine Größe der deutschen Filmbranche. Im Alter von 61 Jahren starb er nach einem Herzinfarkt. Kollegen und Freunde sind schockiert.

Er hatte noch so viel vorgehabt. Eines seiner nächsten großen Projekte war die Verfilmung der Entführung und des jahrelangen Martyriums von Natascha Kampusch. Erzählen, was wirklich geschehen ist: Das wollte Bernd Eichinger. In diesem Jahr sollten die Dreharbeiten beginnen, 2012 war der Kinostart geplant.
Doch aus den Plänen wird nichts. Bernd Eichinger, einer der bekanntesten und wichtigsten Filmproduzenten in Deutschland, ist tot. Gestorben nach einem Herzinfarkt, den der 61-Jährige am Montagabend in Los Angeles während eines Essens im Familienkreis erlitt.

Bernd Eichinger ist tot
«Ein Schock für die Filmbranche»

Bernd Eichinger hat den deutschen Film geprägt wie kaum ein anderer. Er war national und international erfolgreich. Und er hat andere Filmemacher inspiriert. Nicht immer kam er gut dabei weg. In Helmut Dietls Gesellschaftssatire Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief (1997) taucht der Filmproduzent Oskar Reiter auf. Schauspieler Heiner Lauterbach versucht in dieser Rolle verzweifelt, einem Schriftsteller die Filmrechte an dessen Erfolgsroman abzukaufen.

Oskar Reiter war an Bernd Eichinger angelehnt, daran gab es keinen Zweifel. Denn Eichinger bemühte sich ebenfalls jahrelang um die Filmrechte für einen Roman: Patrick Süskinds Bestseller Das Parfum. Die Verbissenheit, mit der Oskar Reiter im Film versucht, endlich an den Stoff für seinen nächsten Film zu kommen, war in der Tat real. Sie war typisch für Eichinger, der sich selbst als Filmbesessenen bezeichnet.

Eine unendliche Erfolgsgeschichte

Seine große Stunde schlug 1978, als er beim Filmunternehmen Neue Constantin Film GmbH einstieg. Eichingers erste Arbeit als Produzent, Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, traf den Zeitgeist und schlug ein wie eine Bombe. Auch die nachfolgenden Produktionen, meist Literaturverfilmungen wie Die unendliche Geschichte, Das Boot, Der Name der Rose oder Das Geisterhaus waren grandiose Kino-Erfolge.

Ab den 1990er-Jahren verlegte sich Eichinger dann auch auf leichtere Kost, wie Sönke Wortmanns Der bewegte Mann oder Bully Herbigs Der Schuh des Manitu. In den darauffolgenden Filmen wie Der Untergang oder Der Baader-Meinhof-Komplex beschäftigte sich Eichinger eingehend mit der jüngeren deutschen Vergangenheit.
Keine Frage, Eichinger hatte stets das richtige goldene Näschen für viel versprechende Tendenzen, Visionen und Strömungen bewiesen, und das in einer Filmlandschaft, die immer noch den ausländischen Mega-Produktionen hinterherhinkt.

Diva Awards
Promis in Trauer statt in Feierlaune

Auf das Geheimnis seiner Erfolge angesprochen, erklärte Eichinger gerne, dass ihn ein Stoff persönlich ansprechen muss. Sein Verhältnis zu einem Film sei dabei ähnlich wie das Verhältnis eines Wellenreiters zu einer Riesenwelle. Eine Gratwanderung, die jeden Moment zur Katastrophe werden kann, beschrieb er in einem Interview.

Unter dieser Begeisterung fürs Geschichten-Erzählen litt sein Privatleben. Bis zu seinem 40. Geburtstag habe er ständig aus dem Koffer gelebt, entweder in Hotels, den Wohnungen verreister Freunde oder auf Reisen auch im Auto, erzählte er einmal. Und er hatte zahlreiche Beziehungen zu Schauspielerinnen wie Hannelore Elsner, der verstorbenen Barbara Rudnik, Corinna Harfouch oder Katja Flint.

Im Dezember 2006 war Schluss mit dem Junggesellendasein. Eichinger heiratete die Autorin Katja Hofmann, nachdem er sich lange nicht vorstellen konnte, dass eine Frau jemanden mit seinem Lebensstil zum Mann haben wollte. Manche Dinge dauerten eben etwas länger im Leben von Bernd Eichinger. Wie etwa die 15 Jahre des Wartens auf die Filmrechte an Patrick Süskinds Das Parfum. Die hatte er am Ende natürlich auch bekommen.

Promis zum Tode von Bernd Eichinger

Der Tod Bernd Eichingers war das beherrschende Thema auf dem roten Teppich der Diva-Award-Verleihung in München. Ralph Siegel war im Gespräch mit news.de sichtlich geschockt. «Ich kannte ihn sehr lange, mir geht sein Tod nah. Er hat so unglaublich viel geleistet. Es ist einfach nur schrecklich.»

Bernd Eichinger
Ein Bayer in Hollywood

Seine Tochter Giulia Siegel meint: «Sicher ist 61 zu jung, aber dieser Mann hat alles erlebt, was man erleben kann. Das soll man ihm erst einmal nachmachen.» Filmemacher Joseph Vilsmaier war übrigens der Erste, der die Presse am roten Teppich über den Tod Eichingers informierte: «Ich will nichts sagen. Der Eichinger ist gestorben», sagte er bedrückt.

 

Lesen Sie in unserer Fotostrecke, wie Prominente auf den Tod von Bernd Eichinger reagierten.

Hier geht es zu unserem Nachruf auf Bernd Eichinger.

Lesen Sie, wieso die Todesursache Nummer 1 in Deutschland immer noch verkannt wird.

kas/cvd/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • gabriela linck
  • Kommentar 1
  • 27.01.2011 06:20

was hat bernd E. Zuletzt im schosse seiner familie verkostet hatte er sich über das essen aufgeregt oder über ein familiengespraech wann hatte er sich zuletzt von einem artz untersuchen lassen vorsorge ist sehr wichtig da haette seine gattin drauf achten sollen! Traurig in stillen gedaenken

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