Eichinger-Tod Der King Kong des deutschen Films

Filmproduzent Bernd Eichinger gestorben (Foto)
Bernd Eichinger bekam einen Deutschen Filmpreis für Das Parfum. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Jeder Filmliebhaber kennt sie: Streifen wie Der Name der Rose, Der bewegte Mann, Der Untergang. Bernd Eichinger war eine Größe in der deutschen Kinolandschaft und auch international erfolgreich. Was bedeutet sein Tod für die deutsche Filmbranche?

Mit Bernd Eichinger ist eine Schlüsselfigur des deutschen Films gestorben. Als Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Filmverleiher war er der Hans Dampf der deutschen Filmbranche, überall hatte Eichinger seine Finger im Spiel, vor allem, wenn es darum ging, dem deutschen Film wieder internationales Renomée zu verschaffen.

Alles fing damit an, dass der Münchner Filmverleiher Constantin Film in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Eichinger kaufte 1979 erst ein Viertel, dann die Hälfte der Anteile. Als Hauptanteilseigner der «Neuen Constantin» prägte er den deutschen Film wie kaum ein anderer. Damals wagte kaum einer, von einer Blüte des deutschen Films mit internationaler Strahlkraft auch nur zu träumen. Während die Deutschen den Blick melancholisch auf die 1920er Jahre richteten, in denen Berlin noch der pulsierende Nabel der internationalen Filmbranche war, dümpelten im aktuellen Kinoprogramm die Streifen in deutscher Sprache so vor sich hin.

Bernd Eichinger ist tot
«Ein Schock für die Filmbranche»

Eichinger schlüpfte in seine berühmten beigefarbenen Turnschuhe, krempelte die Ärmel hoch und ballerte eine Erfolgsproduktion nach der anderen heraus. Mit seiner kompromisslosen Versessenheit für den Film hat er sich nicht nur Freunde, dafür aber Geschichte gemacht. Zuvor hatte er sich mit seiner Produktionsfirma Solaris anspruchsvollen Autorenfilmen verschrieben, unter der Flagge von Constantin setzte er ganz auf Publikumsrenner nach amerikanischem Vorbild.

Erfolg mit einer Drogensüchtigen

Das erste Pferd, auf das er setzte, war der Film Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, als Regisseur beauftragte er seinen Studienfreund Uli Edel – der wird ihm in seiner Karriere ein treuer Begleiter sein. 4,7 Millionen Zuschauer haben sich die Geschichte von der heroinabhängigen Christiane F. im Kino angesehen – damit war Wir Kinder vom Bahnhof Zoo der bis dahin erfolgreichste deutsche Film der Nachkriegsgeschichte. Eichinger denkt größer, produziert Das Boot und Die unendliche Geschichte mit dem Regisseur Wolfgang Petersen.

Mit Der Name der Rose (1986) begibt er sich dann erstmals auf internationales Parkett und feiert mit Sean Connery und Christian Slater in den Hauptrollen einen großen Erfolg. Die Eichinger-Produktion Das Geisterhaus mit Meryl Streep, Antonio Banderas und Winona Ryder konnte die Kritik zwar nicht so recht überzeugen, aber die Zuschauer ließen sich trotzdem nicht davon abhalten, zahlreiche Tickets für diesen Film zu lösen.

Vor allem auf dem Gebiet der deutschen Komödien bewies Eichinger ein gutes Gespür für den Publikumsgeschmack: Für deutsche Filme wie Der bewegter Mann, Das Superweib oder Werner -Beinhart! strömten die Menschen plötzlich wieder in die Kinos und das Rückgrat der deutschen Filmbranche richtete sich wieder auf.

Bernd Eichinger
Ein Bayer in Hollywood

Pittbull in Turnschuhen

An zahlreichen deutschen Filmen, die weltweit beachtet wurden, war auch Eichinger beteiligt: Für die oscar-nominierten Filme Der Untergang und Der Baader Meinhof Komplex hat er die Drehbücher geschrieben. Der Untergang hat weltweit 75 Millionen Dollar eingespielt, Der Baader Meinhof Komplex war auch für einen Golden Globe nominiert. Bei beiden Filmen hat wieder Eichingers Studienfreund Uli Edel Regie geführt – ein erfolgreiches Gespann.

Wenn sich der leidenschaftliche Turnschuhträger etwas in den Kopf gesetzt hatte, konnte er sich festbeißen, wie ein Pitbull. Für die Verfilmung von Patrick Süßkinds Roman Das Parfum trug er zähe Kämpfe um die Filmrechte aus. Und auch hier bewies er ein gutes Näschen: Der Film, für den Eichinger das Drehbuch verfasst hatte und den der deutsche Aushängeschild-Regisseur Tom Tykwer verfilmt hatte, wurde mit dem Deutschen und dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet und steht auf Platz 15 der erfolgreichsten deutschen Filme in Deutschland.

Laut der Filmfördergesellschaft FFA haben bislang mehr als 70 Millionen Zuschauer Bernd-Eichinger-Produktionen im Kino gesehen. Mit ihm verliert die deutsche Filmbranche einen Filmverrückten, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass der deutsche Film sich wieder sehen lassen kann.

Lesen Sie hier unsere Bilderstrecke über die größten Erfolge von Bernd Eichinger.

Und hier, wie Promis auf den Tod des Filmproduzenten reagierten.

car/reu/news.de

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Elster
  • Kommentar 4
  • 27.01.2011 13:15

Was er machte war sehr gut. Sein Auftreten war ohne Ärroganz und Überheblichkeit .

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  • Ottmar Schmidt
  • Kommentar 3
  • 26.01.2011 15:22

Danke Bernd (ich darf dich doch beim vornamen nennen?), leider bist du nun schon unterwegs, aber auf der anderen seite sehen wir uns dann alle wieder. Nochmals, gracias, mil gracias! Ottmar

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  • uwe schmidt
  • Kommentar 2
  • 26.01.2011 01:22

,,es hat oftmals nur sein mund gelächelt, seine augen aber dabei nicht,,

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