Neu auf DVD Der Kitsch-Overkill

Amanda Seyfried findet Briefe an Julia. Liam Neeson ist eifersüchtig auf den Anderen. Und Leonardo DiCaprio begibt sich in Inception in einen Fahrstuhl Richtung Trauma. News.de stellt neue DVDs vor.

Briefe an Julia

Eigentlich hatte die Journalistin Sophie (Amanda Seyfried) sich den Italien-Urlaub mit ihrem Verlobten anders vorgestellt. Der jedenfalls will zahlreiche Restaurants besuchen, weil die Eröffnung des eigenen bald bevorsteht. So kommt es, dass Sophie allein loszieht und sich plötzlich vor dem Haus wiederfindet, in dem die berühmteste aller Julias lebte und von niemand geringerem als ihrem Romeo umworben wurde. Erzählt wird diese Geschichte in Gary Winicks Kinofilm Briefe an Julia, der nun auf DVD und Blue ray erhältlich ist.

 Sophie ist etwas überrascht, als sie sieht, wie Frauen aus aller Welt im Hof vor dem Gebäude Briefe hinterlegen, in denen sie um Hilfe in Liebesangelegenheiten bitten.
Schnell findet Sophie heraus, dass eine Gruppe von Frauen, die sich «Julias Sekretärinnen» nennen, der Briefe annehmen und sie beantworten.

Sie tritt dem seltsamen Verein bei und findet einen 50 Jahre alten Brief der Engländerin Claire (Vanessa Redgrave). Darin beschreibt diese, wie sie sich während eines Urlaubsaufenthalts in einen italienischen Jungen verliebt hat. Sophie antwortet und das offenbar so überzeugend, dass es nicht lange dauert, bis Claire, mittlerweile eine alte Dame, in Italien auftaucht, um ihre große verloren geglaubte Liebe wiederzufinden. Die rüstige Rentnerin kommt jedoch nicht allein – als Aufpasser, der ihr nicht von der Seite weicht, bringt sie ihren Enkel Charlie (Christopher Egan) mit. Der ist eigentlich ein Brite wie aus dem Bilderbuch, taut aber in Sophies Gegenwart immer mehr auf.

Mag sein, dass die Handlung so vorhersehbar ist, wie die eines Rosamunde-Pilcher-Romans. Aber das stört nicht weiter, denn die eigentliche Hauptrolle dieses Films spielt der Handlungsort selber: Italien. Wein, Käse, weite Olivenhaine, charmant-schnulzresistene Opas und südländisches Flair - alles das bekommt der Zuschauer vor einer verträumt-romantischen Urlaubskulisse geboten.

 Gary Winick (30 über Nacht) ist verantwortlich für diese leider nur durchschnittliche Romantik-Komödie. Die ist aber immerhin dann noch recht unterhaltsam, wenn einem ein paar gut-aussehende Darsteller und schöne Landschaftsaufnahmen genügen und man sich nicht daran stört, eine komplett vorhersehbare Handlung vorgesetzt zu bekommen. Dem Film wird der Kitsch-Overkill vielleicht verziehen, wenn man weiß, dass es den Club der Briefe beantwortenden Frauen tatsächlich gibt. Alles Unheil hat eben bekanntlich einen Anfang.

Titel: Briefe an Julia
Regie: Gary Winick
Darsteller: Amanda Seyfried, Vanessa Redgrave, Gael García Bernal, Franco Nero, Christopher Egan
FSK: ohne Altersbeschränkung
Spieldauer: 102 Minuten
Verleih: Concorde Home Entertainment
Preis: rund 15 Euro
Verkaufsstart: 13. Januar 2011

Lesen Sie auf Seite 2, wie Liam Neeson in einen Strudel der Eifersucht gerät

Der Andere

Ein skandalöses Paar kirschroter Pumps sind der Nabel des Films Der Andere. Die Frau, die in die Stöckelschuhe schlüpft, steht zwischen zwei Männern und ist auch noch Schuhdesignerin. Ihren Alltag verbringt Lisa (Laura Linney) mit ihrem zuverlässigen aber etwas faden Mann Peter (Liam Neeson), mit dem sie seit 25 Jahren eine liebevolle Ehe führt. Hin und wieder gönnt sie sich zerwühlte Hotellaken und Sonnenuntergänge mit dem feurigen Ralph (Antonio Banderas).

Es war eine Frage, mit der der Zweifel in Peters glückliche Ehe einzieht. Beim Candlelight-Dinner rückt Lisa damit heraus: «Wünscht Du Dir nicht manchmal, mit jemand anderen zu schlafen?» Ein Schnitt und dann ist Lisa weg. Zurück bleiben die roten Schuhe und darin findet Peter einen Zettel, auf dem die Worte «Comer See» geschrieben stehen.

«Inception»: Traumdeutung im Praxistest

Mit dem Zettel entdeckt der sanfte Gatte eine andere Seite an sich: Peter fährt das volle Eifersuchtsprogramm hoch. Auf ihrer Mailbox hört er eine sehnsuchtsvolle Männerstimme, auf ihrem Laptop einen passwortgeschützten Ordner mit verfänglichen Fotos der Amour fou. Einmal im Strudel der Recherche, kann er nicht mehr aufhören, bis er den Nebenbuhler aufgespürt hat.

Ralph ist der Alptraum aller eifersüchtigen Männer: Wie aus dem Ei gepellt – im Dreiteiler mit Einstecktuch, schwarzgelocktes Haar, maronenfarbene Augen – schreitet er durch Mailand. Peter fordert den Konkurrenten zum Schachspiel heraus und eine bizarre Freundschaft entwickelt sich zwischen den beiden Männern. Ralph ahnt nicht, mit wem er es da zu tun hat und erzählt dem Fremden von seiner Affäre mit Lisa.

Während in Peter die Eifersucht brodelt, humpelt im Film leider die Logik. Das liegt vor allem daran, dass Eyre in seinen Film eine unnötige überraschende Wendung einbaut. Hätte er die Karten gleich zu Beginn auf den Tisch gelegt, wie es Bernhard Schlink in der Originalgeschichte tut, hätten sich für den Zuschauer nicht so viele Irritationen ergeben. Die machen nämlich nicht neugierig, sondern verwirren nur.

Leider hängt die Story in der Mitte und die überraschende Wendung zum Schluss wirkt ziemlich bemüht. Das Happy End trägt zwar einen bitteren Beigeschmack, ist aber trotzdem unglaubwürdig. Den Ärger darüber lindern prachtvolle Bilder, die Lust auf einen Urlaub am Comer See machen, und ein schöner Antonio Banderas.

«Der Andere»: Lover oder Gatte?

Titel: Der Andere
Regie: Richard Eyre
Darsteller: Liam Neeson, Laura Linney, Antonio Banderas
FSK: ab 12 Jahren
Spieldauer: 84 Minuten
Verleih: Koch Media
Preis: rund 14 Euro
Verkaufsstart: 26. November 2011

Lesen Sie auf Seite 3, in welchem Traum sich Leo DiCaprio befindet

Inception

Was ist Traum, was Wirklichkeit? In Christopher Nolans Inception mischt sich beides, und es ist nicht einfach, die Grenzen zu erkennen. Da ist es unter Umständen hilfreich, wenn man die Möglichkeit hat, zurück zu spulen und sich eine Filmsequenz noch einmal anzuschauen. Für alle die wissen wollen, ob der Totem-Kreisel, den Domm Cobb benutzt, um zwischen Traum und Realität zu unterscheiden, sich dreht oder aus seiner Bahn gerät: Jetzt gibt es den Science-Fiction-Blockbuster auf DVD und Blue Ray.

Zunächst geht es um Wirtschaftsspionage: Diese findet in der Zukunft direkt im Unterbewusstsein der Wirtschaftsführer statt. Im Traum, wenn der Mensch wehrlos ist, extrahieren die modernen Spione die geheimen Informationen. Domm Cobb (Leonardo di Caprio) ist der Beste seines Fachs. Doch der Auftrag des japanischen Geschäftsmanns Saito führt ihn bald selbst an seine Grenzen: Cobb muss sich mit seinem eigenen Unterbewusstsein auseinandersetzen, dass durch den Tod seiner Frau Mal belastet wird.

Nolans Meisterwerk basiert auf den Grundlagen des Actionkinos. Doch nicht die Kampfszenen, die an Matrix erinnern, ragen heraus; sondern vielmehr die Gesamtkomposition, die eine intellektuelle Herausforderung darstellt. In rasender Folge wechseln am Ende die Traum-Ebenen. Der Zuschauer muss indes hellwach bleiben, um sich nicht im Limbus der virtuos geschachtelten und perfekt designten Welten zu verlieren. Ein Muss für Science-Fiction-Fans.

Titel: Inception
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Ellen Page, Ken Watanabe
FSK: ab 12 Jahren
Spieldauer: 148 Minuten
Verleih: Warner Home Video
Sprache: Deutsch, Englisch
Preis: rund 12 Euro
Verkaufsstart: 3. Dezember 2010
 

car/news.de/dpa

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